02. Resident Evil Requiem (PS5) 9/10
Das Spiel hat bei mir in den letzten Tagen wirklich eine Menge Endorphine freigesetzt. Jedes Mal, wenn ich den Controller in die Hand genommen habe, hatte ich richtig gute Laune. Ist es perfekt? Nö! Aber wenn man sich mitreißen lässt, ist es ein wilder Ritt, der mir von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß gemacht hat.
Ich bin eigentlich ohne große Erwartungen rangegangen. Ich habe mich sehr darauf gefreut, aber der angekündigte Wechsel zwischen den Charakteren hat mich eher skeptisch gemacht. Eine konkrete Vorstellung davon, wie das Spiel am Ende wirklich sein würde, hate ich nicht. Auch die ganzen Reviews lassen das nicht so wirklich durchblicken. Na ja, für mich gibt es ohnehin schon lange nicht mehr DAS Resident Evil. Also everything goes …
Allein schon zu erleben, wie das Spiel nach und nach seine Struktur offenbart, war dann super unterhaltsam. Es ist nämlich kein ständiges Hin und Her zwischen Charakteren und Spielstilen. Ich würde sagen, Requiem ist ziemlich klar in zwei Kapitel unterteilt: Das erste gehört Grace, während Leon nur gelegentlich vorbeischaut. Im zweiten Kapitel wird dann geflippt. Leon übernimmt die Hauptrolle und übergibt ab und zu an Grace. Die Reihe versucht ja schon seit immer und ewig mehrere Protagonisten in einem Spiel zu unterzubringen. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass beide über die gesamte Kampagne hinweg ungefähr gleich viel Spielzeit bekommen.
Erstaunlicherweise funktioniert das für mich richtig gut, obwohl die Spielstile sehr unterschiedlich sind. Vielleicht ist das sogar mein Lieblingsaspekt an Requiem. Daraus entsteht nämlich unglaublich viel Abwechslung im Gameplay, im Leveldesign, in der Story, bei den Schauplätzen und im Pacing. Für mich entwickelte sich dadurch eine enorme Zugkraft und ich wollte ständig wissen, wie es im nächsten Abschnitt weitergeht. Und Capcom liefert dann auch (fast) immer ab. Mir haben tatsächlich alle Schauplätze extrem gut gefallen und vor allem, wie sie genutzt werden. Jedes Gebiet hat seine eigene kleine Designphilosophie. Da ist die traditionelle „Villa“, die man methodisch und langsam erkundet. Es gibt den linearen Actionpfad für Leon. Gleichzeitig bekommt er auch ein erkundbars Gebiet mit freischaltbaren Abkürzungen rund um ein Pseudo-Bonfire. Zwischendurch werden jedoch immer wieder lineare Abschnitte eingestreut, die spielerisch wenig bieten und hauptsächlich der Story dienen. Optisch beeindruckend, ja ... aber spielerisch eher mau. Beim erneuten Durchspielen könnten gerade diese Passagen ziemlich nerven. Zum Glück sind sie kurz, trotzdem gerät das Spiel hier ein wenig ins Straucheln.
Auch die unterschiedlichen Gameplay-Mechaniken von Grace und Leon haben für mich sehr gut funktioniert. Man darf allerdings keinen RE4R Polish bei Leon erwarten. Dass er sein geschärftes Messer gegen eine schartige Axt eingetauscht hat, steht sinnbildlich für seinen etwas trägeren Spielstil. Trotzdem fühlt er sich wunderbar brachial an, mit vielen kontextsensitiven Finishern und Angriffen, die ordentlich reinhauen. Grace hingegen bringt einiges aus RE8 mit und steuert sich in der Ego-Perspektive ziemlich gut. Vielleicht etwas langsamer, aber die Waffen fühlen sich präzise an und verursachen gute Trefferfeedback. Die personalisierten Zombies in ihrem Abschnitt sind absolut großartig und man kann mit ihnen sogar richtig spielen. Da steckt deutlich mehr Dynamik drin, als ich zunächst erwartet hatte.
Ja, Requiem taucht vielleicht nicht besonders tief in seine Spielmechaniken ein. Es ist eher breit aufgestellt, bleibt dabei aber glücklicherweise ein kompaktes Erlebnis. Auch die Charakterprogression empfand ich am Ende als etwas flach. Es ist definitiv ein Spiel, das man bei genauer Betrachtung auseinandernehmen kann ... werden sicher noch einige hier machen.

Aber als Gesamtpaket finde ich es extrem stark. Es wirft einem so viele tolle Momente um die Ohren und ist irgendwie ansteckend mit seiner „everything goes“ Attitüde.
Die Story fand ich übrigens auch ziemlich gelungen. Es hat Spaß gemacht, wieder in klassische Resi Gefilde vorzudringen. Es fühlt sich mal nicht wie ein überlanger B-Movie an, sondern eher wie ein knackiger 90-Minuten B-Movie! Grace wirkte für mich am Anfang als Gegenentwurf zu Leon etwas überzeichnet und fast overacted. Im Verlauf des Spiels wurde sie mir aber sympathisch und passt letztlich genau zu ihrer Gamplay Ausrichtung. Und bei Leon wurde ich fast ein wenig schwermütig … er ist halt auch älter geworden. Da hänge ich vielleicht mehr an einem Videospielcharakter, als ich mir eingestehen will.
Was ich mir aber unbedingt eingestehen muss: Ich hatte unfassbar viel Spaß mit Requiem. Ich vibe gerade extrem mit diesem Spiel!

So viele starke Momente inklusive einiger Lacher. Yop, bei weiteren Durchgängen könnten vorhandene Schwächen stärker ins Gewicht fallen und evtl. nerven. Aber im Moment behalte ich die rosarote Brille einfach auf und genieße die gute Laune.