Trials of Mana (Remake / Steam)
Hurra, hurra, die Hex' ist tot!
Gemacht: 1x Playthrough (MC: Angela, Second Pick: Duran, Third Pick: Riesz), Post-Credit Superdungeon + Boss; Hidden Secret Boss; 28/44 Achievements.
Das Original erschien 1995 auf dem SNES als Sequel zum Klassiker Secret of Mana. SoM habe ich als Jugendlicher sehr geliebt, Trials of Mana war in Deutschland meines Wissens jedoch nie erhältlich - entsprechend konnte ich es damals nicht spielen, obwohl ich es eigentlich immer wollte. Umso schöner, dass es inzwischen ein Remake gibt, weshalb ich im Sales dann auch mal zugriff.
Das Spiel selbst ist ein solides und durchaus nettes Action-RPG, erreicht für mich aber nicht ganz die Qualität des Originals, vor allem was Gegnerdesign und Spielwitz betrifft. Möglicherweise spielt dabei auch eine gehörige Portion Nostalgie mit hinein: Die rosarote Brille, die ich für Secret of Mana aufhabe, ist wohl noch da - auch wenn ich das Spiel seit Jahrzehnten weder gespielt noch gesehen habe. Insofern ist der Vergleich vielleicht etwas unfair, denn Trials of Mana muss sich hier mit sehr verklärten Kindheitserinnerungen messen. Aber mir fehlen da einfach so ikonische Gegner wie der Schmusekater, Locations wie die Weihnachtsinsel mit dem Weihnachtsmann oder auch die alten Witze und Anspielungen über Popkultur wie die Lindenstraße (jedenfalls in der deutschen Synchro damals).
Gameplay erinnert noch ein wenig an die alte Zeit, es sind Echtzeitkämpfe mit simplen Kombos, die man - wie bei SoM damals - mittels Ringmenüs jederzeit unterbrechen kann um Items oder Zauber auszuwählen. Letztere kann man vier auf Hotkeys legen, dazu kommen noch bis zu vier Special Manöver, die aber zuvor über Leisten aufgeladen werden müssen. Das Ringsystem erscheint mir weniger Komplex als noch beim Vorgänger, auch ärgert mich ein wenig das man im Kampf das Ringsystem nicht neu bestücken kann. Wenn da dann bspw. kein Wiederbelebungsitem drin ist, dann kann man sie auch nicht nutzen - obwohl man welche im Inventar hat. Ich hatte irgendwann einen extrem knappen Kampf nur deswegen, weil ich zwar 30 Wiederbelebungstränke im Inventar hatte, sie aber nicht im Ringmenü platzierte und deshalb nicht drauf zugreifen konnte. Naja. Daraus lernt man dann beim Reload.
Anfangs rennt man noch häufig die gleichen Wege hin und zurück für die sehr lineare Story, später bekommt man dann auch ein Wassertier zum Reiten sowie in der zweiten Hälfte des Spiels, wenn sich die Welt richtig öffnet (man darf dann die 8 Elemente auch in freier Reihenfolge suchen/bekämpfen), darf man auch fliegen. Flammie aus SoM gibt hierbei sein Comeback und kann im Freien jederzeit mit der bekannten Trommel gerufen werden. Das fand ich ein netter Nostalgiemoment. Man besucht trotzdem relativ oft die immer gleichen Schauplätze und läuft die gleichen Wege. Da wurde mMn etwas zuviel recycelt, weshalb mir jetzt auch die Motivation fehlt noch zwei mal von vorne das zu machen. Skippen kann man dabei die Gegner auch nicht immer: Sobald euch Gegner erspähen wird die Umgebung eingekreist. Ihr müsst sie also entweder besiegen oder so lange gegen die Kreiswand laufen bis ihr entkommen dürft. Das geht natürlich schnell, hält trotzdem auf.
Euren MC dürft ihr am Anfang frei wählen. Insgesamt stehen hier 6 verschiedene Helden zur Verfügung, von denen jeweils zwei ein Schicksal teilen. In meinem Playthrough Angela und Duran. Nach der Wahl des MCs dürft ihr noch zwei weitere Streiter aus dem Roster picken, ihr zieht also mit der Hälfte des Casts los (Dritte im Bunde war bei mir Riesz, so dass ich Angela als Magierin, Duran als Tank und Riesz als Melee DD hatte). Den Prolog eures MCs müsst ihr spielen, die Prologe der anderen zwei Mitstreiter dürft ihr auf Wunsch später nachholen oder skippen. Storytechnisch ist das Spiel darauf ausgelegt, dass man es insgesamt wohl drei Mal durchspielen kann, weil es zu jedem gewähltem Main Charakter Paar auch einen anderen Oberbösewicht gibt, der sich auf der Gegenseite am Ende durchsetzt und die Party zum finalen Duell bittet.
Ich habe das Spiel jetzt nur einmal durchgespielt, das reicht mir dann auch. Besonders erzählenswert ist die Story jetzt auch nicht unbedingt. Im Kern geht es darum das erwähnte Böse aufzuhalten, die 8 Elemente zu vereinen und das Mana Schwert zu finden um so die Welt und die Goddess of Mana zu retten. Natürlich gibt es auch noch ein paar Randgeschichten und Twists, aber nichts davon wird lange in Erinnerung bleiben. Eine Stelle hat mich dabei sogar massiv geärgert, weil es halt wirklich eine 1:1 Kopie einer berühmten Star Wars Szene ist. Da musste ich schon heftigst mit den Augen rollen, zumal das auch noch wirklich schlecht gemacht war.
Dazu kommt auch dass die Motivation der Bösewichte nicht besonders einfallsreich ist. Sie sind halt Böse und wollen die Welt vernichten, ahahahaha! Literally:
Aber gut, so ist es halt meist und reicht ja auch als Katalysator: Das Böse will die Welt vernichten, die Guten (also wir) müsst sie retten. Let's go! Man darf fairerweise nicht vergessen: Das Spiel ist von 1995 und die Story haben sie jetzt nicht extra für das Remake umgeschrieben, von daher passt das schon so.
Während der Reise levelt ihr natürlich mächtig auf, lernt neue Fähigkeiten und dürft auch eure Klasse zwei Mal upgraden. Dabei stehen jeweils eine dunkle und eine helle Richtung zur freien Verfügung. Das hat nichts mit einem Moralsystem zu tun und ändert auch nichts an der Story, es sind nur andere Ausrichtungen und Fähigkeiten. Duran kann für seine zweite Klasse zwischen Knight (Light) oder Gladiator (Dark) wählen, wobei der Knight mehr ein Support/Tank-Charakter mit Schild ist, während der Gladiator auf hohen Schaden abzielt.
Nach dem Abspann ist das Spiel noch nicht zu Ende. Jetzt habt ihr die Möglichkeit eurer viertes, finales Klassenlevel zu erreichen - je nachdem wie ihr vorher gewählt habt automatisch entweder die Light oder Dark-Version. Außerdem dürft ihr jetzt das Endgame-Dungeon im Himmel besuchen um den Post-Credit-Boss dort zu besiegen - erinnert von der Aufmachung her ein bisschen an die Mana-Feste aus dem Original, wie es da im Himmel schwebt und nur darauf wartet dass ihr mit Flammie Kurs drauf nehmt. Waren die Dungeons vorher recht kurz ist das Post-Credit Dungeon hier dann noch mal ein wahrer Test of Endurance und ist ein wirklich überlanges Alptraum-Dungeon das quasi alle wichtigen Regionen des Spieles noch einmal beinhaltet. Ebene um Ebene schlagen wir uns durch endlose Gegnerhorden.
Zu Sammeln gibt es natürlich auch jede Menge, denn Abseits der meist schlauchartigen Wege sind immer mal wieder Kisten oder der Kaktus Boy versteckt. Letzterer sammelt Boni frei je mehr man von ihnen findet. Auch droppen Gegner gerne mal Samen in unterschiedlichen Kategorien, die dann im Blumentopf zu Items heranwachsen. Klingt albern, ist aber so und keine Sorge, das passiert auch Instant. Da war dann irgendwann auch starkes End Game Equipment dabei.
Zum Abschluss gibt es auch noch einen Hidden Secret Boss, der ganz witzig aber im Endeffekt auch recht bedeutungslos ist. Hat mit der Story auch nix zu tun, sondern ist eher ein verstecktes Easteregg. Sowohl dieser wie auch der andere Post-Credit-Content kann übrigens problemlos im ersten Anlauf angegangen werden, ohne dafür vorher durchs New Game+ zu müssen.
Fazit: Am Ende des Tages hat mich das Spiel unterhalten, wenn es auch nicht ganz meine Erwartungen erfüllt hat. Der Anfang ist leider sehr trocken, man rennt dauernd die gleichen Wege hin und her und es ist generell vieles Linear, in der zweiten Hälfte hatte mich das Spiel dann aber. Man hat hier ein simples, aber spaßiges Combat System sobald man mehr Fähigkeiten bekommt, die Klassen aufwertet und dann auch richtig Spaß im Kampf mit den Gegnerhorden haben kann. Die Bosse vermissen ein bisschen den Flair von Secret of Mana, genau wie das Spiel den generellen Witz davon, bieten aber durchaus abwechslungsreiche Mechaniken um die Kämpfe nicht zu langweilig werden zu lassen. Einmal durchspielen langt dann aber auch, nur wegen ein paar alternativen Gegnern auf höheren Schwierigkeitsgraden im New Game+ brauche ich das Ganze jetzt nicht noch einmal. Achievement-Jäger bleibt natürlich aber nichts anderes übrig, da viele daraus ausgelegt sind das Spiel eben drei Mal zu meistern.
7/10