Mittelerde: Mordors Schatten (One)
Nach rund 50h Spielzeit habe ich endlich das vertrackte Nemesis-System komplett verstanden und alle Kampftechniken verinnerlicht. Das hat eine Weile gedauert - aber immerhin, ich habe das Spiel durch!
Teilweise war Mordors Schatten bockschwer und erst mit auswendiglernen der Kampfkombos zu überleben. Wer das herumschleichen in Spielen nicht mag, sollte gleich komplett die Finger davon lassen. Denn Sam Fisher ist ein Waisenknabe gegen Thalion bzw. dem Geist Celebrimbor, der in unserem Waldläufer wohnt.
Im Gegensatz zu so manchem Assassin's Creed-Teil funktioniert das schleichen aber außerordentlich gut und wenn man entdeckt wurde und schnell wieder entkommt, bleibt wie bei Splinter Cell nur noch eine Silhouette von Thalion übrig.
Das Klettersystem ist jedenfalls eindeutig bei Assassin's Creed abgeschaut, es ist aber weniger hakelig von der Steuerung her.
Das Kampfsystem weist bekannterweise enorme Ähnlichkeiten mit den jüngeren Batman-Spielen auf. Das mag gefallen oder nicht, mir wurde es gegen Ende des Spiels etwas langweilig. Zum Glück rollen extrem viele Köpfe ekliger Orks und Uruk-hais in Mittelerde und das sieht wenigstens brutal gut aus.
Die vielen Verbesserungen der Fähigkeiten unseres Helden, mit Spielwährung käuflich zu erwerbende Ressourcen- und Waffenverbesserungen, sowie die von besiegten Hauptmännern erbeuteten Runen geben dem Spiel einen starken RPG-Touch. Ohne diese Verbesserungen kommt man an manchen Stellen ohnehin nicht weiter, also ist manchmal grinden angesagt. Das macht aber größtenteils Spaß, da es nicht all zu lange dauert bis man den entsprechenden Fortschritt erreicht hat.
Die Grafik ist hübsch, die Zwischensequenzen großartig, die Story spannend und statt ein Strickwerk aus vielen bekannten Spielelementen zu bilden, ist Mordors Schatten ein ganz eigenständiges Werk geworden, da tatsächlich echtes Tolkien-Feeling aufkommt.
Die beiden offenen Spielgebiete sind nicht zu groß geraten, bieten aber trotzdem jede Menge Abwechslung. Es gibt dort viele Jagd- und Sammelaufgaben sowie Nebenmissionen. Letztere sind aber oftmals mit Charakteren versehen, die einen drei Missionen lang begleiten und man danach nie wieder sieht. Schade, ein Showdown mit allen Beteiligten am Ende des Spiels wäre eine nette Idee gewesen.
Mein Fazit:
Ein gutes Fantasy-Action-Rollenspiel im Herr-der-Ringe-Szenario mit gelegentlichen Längen. Das einzigartige
Nemesis-System ist doch mal etwas anderes als eine gewöhnliche Gegner-KI und so spielt quasi jeder Spieler das Spiel auf einem anderen Weg. Entwickler Monolith (F.E.A.R.) hat mal wieder gezeigt, dass auf PC und den neuen Konsolen mehr drin sein kann, als die Moorhuhn-KI aus Call of Duty und co.
Einziger Nachteil an diesem System ist, dass ein einfacher Schwierigkeitsgrad wohl die Balance ins wanken gebracht hätte. Mordors Schatten hat mich deshalb häufiger auf die Palme gebracht, aber dummerweise kann man dem Spiel keine Unfairness unterstellen. Schließlich soll der Spieler lernen taktisch vorzugehen, denn so kann das Spiel relativ einfach gemeistert werden. Es setzt nur eine gewisse Lernbereitschaft voraus, die im Zeitalter der allgemeinen Casualisierung nicht immer üblich ist.
(8/10)