Wir haben jetzt in einem Bingemarathon Das Damengambit verschlungen, und es ist eine wahre Pracht.
Ja, auch ich kann mit der Thematik Schach (oder richtig oder falsch eingesetzter Fachtermini) nichts anfangen, aber "Das Damengambit" ist eine exzellente und überraschend erzählte Geschichte über eine junge Frau, die mit ihrem Talent und gleichzeitig den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpft.
Dabei bietet die Miniserie neben toller Leistungen ihrer Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy auch auch den Blick für schöne Bilder. Ganz besonderes Lob gilt hier dem Setdesign und dem Wiederaufleben der 1960er-Jahre in den USA und diversen, anderen Locations. Da viel mit CGI und Greenscreens gearbeitet werden musste, was man aber zu keiner Zeit sieht, ist dies nur umso stärker hervorzuheben, wie nuanciert "Das Damengambit" hier vorgeht.
Der größte Pluspunkt an der Geschichte ist aber das Drehbuch und die exzellente Aktaufteilung, sowie dessen begrenzte Spieldauer auf sieben Folgen. Hier wird eine tolle Story in einem begrenzten Rahmen mit überaus befriedigendem Ende erzählt, das einem teilweise die Freudentränen in die Augen treibt. Die letzte Folge ist dermaßen stark und ist so eine verdiente Auflösung der Geschichte, dass man es kaum besser hätte machen können.
Oft schon sind Serien über 80% der Dauer toll, verkacken es dann aber mit dem Ende und ingesamt reißt es dann den Schnitt soweit runter, dass das Ende entweder in Vergessenheit oder in der Erinnerung als Enttäuschung zurückbleibt. Hier ist das nicht so: Alle bis dahin noch offenen Storyfäden und selbst kleinste Details werden hier wieder aufgegriffen, erklärt (gezeigt, nicht erzählt) und aufgelöst. Schon lange nicht mehr eine so durchweg positiv gute und bis ins Kleinste ausgearbeitete Serie gesehen.
Ich muss aber dazu sagen, dass ich dies nur aus der Warte eines Menschen betrachten kann, der mit Schach, gespielten Partien und Spielzügen, den Begriffen und den Namen nichts anfangen kann. Ob darin vorkommende Figuren reale Vorbilder haben, oder ob alles ein fiktionales Werk ist, kann ich nicht beurteilen. Umso mehr reißt mich aber die Geschichte mit, die manchmal unbequem, manchmal lustig, oftmals aber auch sehr dramatisch erzählt wird, ohne dabei in eine Tragödie zu enden. Man macht am Ende mit allem seinen Frieden, da dies vor allem an der großartigen Hauptdarstellerin liegt, die diese Serie alleine und problemlos stemmen kann.
Wer Netflix besitzt und "Das Damengambit" noch nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen. Es lohnt sich wirklich.
Hier gibt es von mir nichts auszusetzen, darum klare 10/10.