So, eine Woche intensiv Marathon gespielt und ich bin absolut begeistert. Bungie hat hier etwas ganz Besonderes geschaffen. Es fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an, dass ein AAA-Studio unter Sony ein so eigenwilliges Spiel produziert hat. Wobei sich eigenwillig vor allem auf die Präsentation bezieht, denn das eigentliche Gameplay ist absolut geschliffen.
Die anfangs extrem frustrierend kurze "Time to Kill" entpuppt sich inzwischen als echte Stärke. Warum? Weil sie Spielern wie mir, die null Skill haben, im PvP eine faire Chance gibt. Selbst wenn der Gegner besser ausgerüstet ist, kann man ihn mit guter Planung in einen Hinterhalt locken. Circle Strafing? Gibt’s in Marathon nicht. Überraschungsmoment > Skill. Es dauert eine Weile, bis man das richtige Spieltempo findet und man muss die Nerven behalten ... aber es klappt! Immer öfter!
Als ich die ersten Bilder von Marathon gesehen habe, dachte ich noch: Damn, wäre das doch nur eine Singleplayer-Kampagne ala Halo. Ne, das passt schon so! Gerade in diesem Fall gefällt mir das kryptische World Building besser als eine klassische Story mit Dramaturgie. Auch wenn man nie definitive Antworten bekommt, entsteht durch den Kodex langsam ein Netz aus spannenden Info Häppchen rund um die verlassene Kolonie ... gelegentlicher Humor inklusive. Dazu kommt das Umgebungsdesign, das selbst hier und da ein bisschen erzählt. Überall entdeckt man kleine, feine Details, die andeuten, was hier passiert ist. Alles seeehr minimalistisch natürlich, aber für eine Multiplayer Map schon beeindruckend. In seinen besten Momenten wirkt Marathon regelrecht mystisch.
Richtig gut gefällt mir auch der starke Fokus auf Quests.
@sabienchen.banned, korrigiere mich, aber ich glaube, Quests boosten ziemlich stark den Ruf der jeweiligen Fraktion, oder? Ich habe jedenfalls nie das Gefühl, planlos durch die Welt zu laufen, nur um möglichst viel Loot einzusammeln. Apropos Loot ... großartig, was Bungie da gemacht hat! Es gibt drei klare Kategorien: Gear, Items für Shop/Fraktionen und simple Wertgegenstände. Das macht alles übersichtlich, und man stopft sich nicht wie blöd die Taschen voll. In Kombination mit den Quest Aufgaben habe ich nie das Gefühl, nur wegen des Loots unterwegs zu sein. Natürlich bleibt es am Ende ein Extraction Shooter ... aber der typische Tunnelblick auf puren Loot bleibt bei mir aus.
Der Soundtrack hat es übrigens auch auf meine Spotify Playlist geschafft. Er ist genauso eigenwillig wie die visuelle Gestaltung und verdammt konsequent in seiner Atmosphäre. Hier traut man sich, echtes Unbehagen zu erzeugen: nervös, bedrohlich, dissonant, immer düster. Sogar im verdammten Menü! Absolut großartig!
Ok, Zwischenfazit beendet. Ich muss weiterspielen!

Es war eine richtig intensive Woche mit diesem Spiel. Meine ARC Raiders Kumpanen sind übrigens ziemlich hart abgeprallt ... scheint vielen so zu gehen. Ich hoffe trotzdem, dass Marathon Erfolg hat. Wenn mich etwas an dem Spiel, oder generell an Live-Service Titeln stört, dann das Haltbarkeitsdatum.