Ich habe mir mittlerweile auch auf Steam einige Bewertungen durchgelesen und ich finde das stellenweise ein wenig traurig. Es ist klar erkennbar, dass viele der negativen Rezensenten den ersten Teil nie gespielt haben. Es werden Mechanismen bemängelt, die seit Anbeginn zum Markenkern von Dragons Dogma gehörten. Man muss das nicht mögen, aber mit Entwicklungsfehlern hat das nichts zu tun.
Ich tue mich da ein bisschen schwer damit, das als traurig anzusehen.
Steam hat ein relativ simples Bewertungssystem, das auf der binären Entscheidung "Empfehle ich das Spiel oder nicht" basiert. Man kann entweder eine Empfehlung aussprechen oder nicht. Steam fragt einen nach ein paar Stunden Spielzeit auch danach. Jedoch muss man für die Bewertung einen geschriebenen Text einreichen.
Das System funktioniert. Es gibt auf Steam jede Menge Spiele mit tausenden und zehntausenden Bewertungen, die in Bereich von 90 bis 100% positiv landen.
Darunter auch Elden Ring (92% positiv, 590.000 Reviews) und diverse andere Hardcore/Oldschool-Spiele mit bewusst "sperrigeren" Spielmechaniken. Roguelikes, Plattformer, Strategie etc.
Wenn hier bei DD2 diese sperrigen Mechaniken zum Problem bei den Bewertungen werden sollten, sehe ich das Problem weniger bei den Kunden als beim Publisher.
Klar, man könnte jetzt sagen, dass man sich vor dem Kauf informieren sollte, was ein paar Leute sicherlich auch nicht getan haben. Aber wenn das bei anderen Spielen kein Problem ist (Super Meat Boy 94% positiv, 25.000 Reviews), muss man schon die Frage stellen, ob das Marketing hier nicht versagt hat und das Spiel nicht als das verkauft hat, das es ist.
Das jetzt einfach nur auf die Kunden abzuwälzen, ist jetzt eine zu einfache Lösung.
Die können sich auf Steam nur entscheiden, eine Empfehlung abzugeben oder nicht. Und wenn sie eben alles andere als das Spiel bekommen haben, das sie erwartet haben, was sollen sie dann tun? Eine positive Bewertung raushauen oder still schweigen und kein Review schreiben? Erscheint mir auch keine gute Lösung.
--
Ich glaube aber auch nicht, dass es hier ein einzelnes isolierbares Problem gibt.
Die MTX waren weder das einzelne Problem, noch sind es uninformierte Kunden.
Das ist hier eine Summe von Faktoren, denn neben den beiden erwähnten kommt eben auch hinzu, dass das Spiel nicht gut läuft und selbst absolute High-End-PCs zum Frühstück isst.
Zudem benutzt es mit Denuvo ein extrem verhasstes DRM-System, dass ebenfalls für Performance-Probleme verschrien ist. Ob das wirklich immer der Fall ist, ist immer noch unklar, aber grade Capcom-Spiele sind dafür bekannt, ohne Denuvo, das meistens irgendwann entfernt wird, weil es Publisher monatlich kostet, besser zu laufen.
Weiterhin hat sich Capcom auch keine Freunde gemacht, indem sie vor Kurzem ältere Spiele, die kein Denovo oder anderes DRM mehr hatten, erneut mit einer etwas undurchsichtigen andern DRM-Lösung zu versehen, was ebenfalls nicht gut aufgenommen wurde.
Vieles an der Kritik, die da jetzt auf das Spiel niederprasselt, ist eine Wunde, die sich Capcom selbst zugefügt hat und die durch bessere Kommunikation (Hardware-Anforderungen, Spielsysteme) und Entscheidungen (DRM) vielleicht hätten vermieden werden können. Grade die Sache mit Denuvo, wenn ein Spiel wie Baldur's Gate 3 zeigt, dass selbst die DRM-freie Veröffentlichung auf GOG den Verkaufszahlen nicht geschadet hat.
Man darf eben auch nicht vergessen, dass grade PC-Spieler auch andere Erwartungen in Bezug auf die Kontrolle über ihre Spiele haben.
Sowas wie die limitierten Savegames, die Experimente behindern oder Denuvo, das Modding einschränkt, sind einfach nicht gern gesehen. Anscheinend wird sogar eine Anti-Cheat-Lösung verwendet.
Hier kommt meiner Einschätzung nach einfach eine Vielzahl an Faktoren zusammen, die das Spiel in den Bewertungen abstürzen lässt. Und eben auch stärker als auf den Konsolen, weil die Erwartungen andere sind.
Und im Vergleich zu anderen, technisch kaputten Spielen der letzten 2 Jahre ist dieser Absturz sogar noch moderat. The Last Of Us oder Forza waren da zeitweise in noch tieferen roten Bereichen.