Ich hab heute die 3-stündige YouTube-Dokumentation "The History of Analog Horror" (2022) von Alex Hera beendet, nachdem ich das kapitelweise immer mal wieder angeschmissen hab.
Eine sehr lange, sehr detailreiche Doku über die Vorläufer, Anfänge, Entwicklungen, Höhepunkte, mögliche Abwärtstrends des Subgenres von unfiction, Analog Horror, sowie Ausblicke in die Zukunft (digital horror, millenial horror). Dabei geht es natürlich auch um Creepypastas sowie Grenzgänger, die irgendwie Teil des Subgenres sind, aber streng genommen eigentlich digital horror sind (so etwa sämtliche auf Videospiele der fünften Generation basierende Videos wie bspw. "Super Mario 64 classified" oder "Summer 64" usw.).
Über Vorläufer wie War of the Worlds aus dem Jahr 1938 (Radio) und Found Footage Größen wie Blair Witch Project wird hier eine äußerst stringente Geschichte des Analog Horrors nachgezeichnet, die gerade durch die Einbeziehung solcher frühen Vorläufer durchaus akademisch ernstzunehmende Qualität erreicht. Erst nach knapp einer Stunde kommt man zu einer der ersten Riesen des Genres: Local58.
Es geht aber nicht nur um die Geschichte des Subgenres, sondern auch um Reflexionen über die Vagheit der Genrebezeichnung (müssen analoge Medien imitiert werden oder reicht es, wenn es in der "analogen Zeit" spielt?) und warum das Genre überhaupt funktioniert. Der Einfluss von Phänomenen wie Stranger Things, die 80s-nostalgia wieder großgemacht haben sowie selbiger der Corona-Pandemie werden ebenso behandelt.
Besonders an dieser Doku ist auch noch, dass viele der Erschaffer dieser Werke riesige Interviews haben und auch viel aus dem Off reden. So ist der Local58-Macher Kris Straub mit von der Partie, aber auch viele andere wie etwa große Influencer aus dem Szenenbereich wie Nexpo. Das ist alles sehr dynamisch aufbereitet.
Kritikpunkte habe ich nur wenige: Da wäre bspw. die Tatsache, dass ein bisschen zu oft in der Doku darauf verwiesen wird, dass man sich einem bestimmten Thema, das man immer wieder anteased (weil es quasi nötig ist), noch näher widmen wird. Ferner fand ich, dass die The Walten Files etwas zu kurz kamen. Wirkte so, als wäre da ein Knick im Skript gewesen, denn man beginnt, über diese Serie zu reden, nur um dann zu einem anderen Block überzugehen.
Für jeden Interessierten auf jeden Fall absolut sehenswert. Der Impact des Backrooms-Films, der nächsten Monat in die Kinos kommt, auf das gerade eher im Abwärtstrend befindliche Subgenre des Analog Horrors wird sehr spannend zu beobachten sein!