So, nach...
... habe ich nun direkt im Anschluss
Tomb Raider Anniversary auf der PS3 durchgespielt.
(Spoiler: Awesome!!)
Auch das war wie Legend vor ein paar Tagen für mich "Neuland" und je mehr ich habe dessen Eindrücke sacken und sich festigen lassen, desto mehr komme ich zum Schluss:
Ich liebe Legend; es hat sich instant von den mir bekannten Teilen der Reihe ( alle außer 4, 5, 6 (AoD) und zu großen Teilen Anniversary ) in eine Top-Position geschossen. Und obwohl ich mich in der Vergangenheit ein wenig mit Anniversary beschäftigt hatte, habe ich es nie wirklich weit gespielt. Aber nach dem positiven Erlebnis mit Legend dachte ich mir: Jetzt ist es an der Zeit, diese Trilogie endlich komplett durchzuspielen, sie wirklich zu schätzen und alles zu sehen, was sie zu bieten hat.
Also auf ins Abenteuer...
Je mehr ich Anniversary gespielt habe, desto mehr habe ich zwei Dinge gemerkt:
- Es ist Legend in vielen Machaniken sehr ähnlich.
- Es ist ganz anders als Legend.
Das Design des Spiels unterscheidet sich stark von dem des Vorgängers, und ich denke, das macht auch Sinn, denn Anniversary ist ein Remake des allerersten Tomb Raider-Spiels. Soweit ich weiß, wurde in Anniversary nicht alles aus dem ersten Spiel neu aufgelegt, aber was hier zu sehen ist, gefiel mir sehr gut...
Beim Spielen des ersten Levels, oder ich schätze, der ersten "Gebiets" (man hat ein großes Level, das dann in Kapitel unterteilt ist, aber es ist alles Teil desselben Ortes; man könnte sie als Level innerhalb von Leveln betrachten) konnte ich jedenfalls Einiges wiedererkennen, allerdings ist meine Erinnerung an TR 1 Classic auch sehr getrübt weil ewig her. Nostalgie ist schön!
Der Wechsel zwischen Gebiet 1 und Gebiet 2 ist dann ein ziemlich Großer und ab diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt: puh, das hier wird kein Spaziergang. Zumal mir ab dort dann auch der Vergleich zu TR 1 Classic fehlte. Die Level werden komplexer, die Kopfnüsse größer, das Kopfkratzen und intensive Nach-dem-richtigen-Weg-Suchen häufiger. Und ab dem Zeitpunkt war ich wieder vollkommen verliebt!!

Es ging nur um mich (Lara) und meine Umgebung und das Rätsel vor mir. Ich fühlte mich wie ein Entdecker!!
Erkundung, Springen und das Lösen von Rätseln stehen hier definitiv im Mittelpunkt, nicht der Kampf. Bei der Erkundung gibt es in der Regel nur einen Weg, um das Ziel zu erreichen, und ein Großteil des Spielspaßes besteht darin, herauszufinden, wie man da hin kommt. Und: auch Etwas, das das Spiel hervorragend beherrscht, ist das Gefühl der Isolation. Lara hat, im Unterschied zu Legend, weder ihr Team über Funk bei sich, noch spricht sie wirklich mit sich selbst oder kommentiert die Umgebung. Es gibt das Level und Lara, und manchmal auch ohne Musik. Die Kombination aus all dem hatte für mich etwas unheimlich Befriedigendes.
In manchen größeren Arealen fragt man sich "Wo soll ich anfangen?"... Wie gesagt, Lara sagt nie: "Hey, sieh dir das hier an" oder "Ich wette, wenn du diesen Hebel drückst..." oder "Du kannst auch diesen Block benutzen". Es geht nur darum, was ich als Spieler von selbst entdecke - die Lösung ist nicht immer die offensichtlichste. Aber das könnte auch an meinem mangelnden Können liegen - ich bin mir sicher, dass die Die-Hard-Classic-Lara-Spieler viele dieser Dinge schneller herausfinden als ich. Aber ich habe mir dann einfach Zeit gelassen, und ich hatte das Gefühl, dass das Spiel auch wollte, dass ich so spiele: geduldig sein, Dinge ausprobieren und sehen, was funktioniert. Vielleicht habe ich den Wasserstand erhöht, aber das war jetzt nicht wirklich nötig, aber es erhöht mein Verständnis für die Mechanik des Raumes. Vielleicht sollte ich hier drüben nach den Antworten suchen, oder vielleicht gehe ich nach rechts oder links. Manchmal war ich frustriert aber die Befriedigung, wenn man eines dieser Gebiete abschließt, besonders nachdem man sich abgemüht hat, war absolut großartig.
Was die Story angeht, gefällt mir, dass sich diese hier dezent zurückhält. Sie ist zwar in sich kohärent und "logisch", jedoch ohne wirkliche Höhepunkte. Diese setzen die Level und die Rätsel, die sind neben Lara der eigentliche Star des Spiels. Und obwohl ich den Blockbuster-Movie-Stil von Legend vielleicht sogar bevorzuge, gefällt mir auch der Stil von Anniversary sehr gut.
Jetzt noch zum großen negativen Punkt:
Was Classic Lara und die alte Tanksteuerung immer ausgezeichnet hat, war die absolute Präzision - am besten gespielt entweder mit Digipad oder Tastatur. Wenn man dort dieselbe Tastenabfolge / Sprungfolge 100x genau gleich eingibt, kam 100x exakt dasselbe Ergebnis bei heraus. Darauf sind auch die Level designed. Und in dieser Hinsicht wird Anniversary das teilweise Übernehmen der alten Leveldesigns zum Verhängnis. Diese erfordern eine Präzision und Verlässlichkeit, den die "neue" Steuerung leider nicht immer erfüllen kann. Ist die Steuerung für einen Titel wie Legend (oder auch Underworld) vollkommen okay, wird es hier bei Anniversary ab und zu zum absoluten Ärgernis. Insbesondere mit diesem Zufallselement, das einen ab und an nach Sprüngen dazu auffordert, schnell Dreieck zu drücken, damit man nicht den Halt / das Gleichgewicht verliert - steht man z.b. in dem Moment auf einem Pfosten balancierend zwischen zwei gleich zusammenstoßenden Felsblöcken, ist das der sichere Tod, ohne dass man was dafür kann... So sorgt die Steuerung dafür, dass man bei jeder Sprungfolge die Luft anhält...
Meine Wertung wäre auch hier dieselbe wie bei Legend:
9/10!! mit einer rosa Retro-Brille

Ohne die Brille einen bis anderthalb Punkte abziehen...
Ich werd jetzt wahrscheinlich nochmal Legend auch auf der PS3 durchspielen, während ich auf ne günstig geschossene Kopie von Underworld warte