Textwände? Habe ich was von Textwänden gehört?
Es gibt ein Franchise, das Sony sträflich vernachlässigt, obwohl es echt einiges an Potential hat. Nein, nicht Bloodborne. Also ja, doch, auch Bloodborne, aber das meine ich ausnahmweise nicht.
Ich rede von MediEvil, die Spielereihe der ikonischen Spielefigur Sir Daniel Fortesque, der zu Lebzeiten in einer Schlacht gegen den bösen Zarok sofort gefallen war und nun, als Skelett - ohne Kinn und nur mit einem Auge -, zurück ist, um Gallowmere zu retten! Ich hatte die beiden PS1-Spiele als Kind gespielt, und war vor ein paar Jahren froh drum, dass es ein Remaster/Remake vom Erstling gab. Leider gefällt mir das optisch überhaupt nicht, denn es sieht wirklich sehr hässlich aus. Es wirkt wie eine dieser billigen Unreal Engine-Techdemos von Fans, die uns allen zeigen sollen, wie geil das nächste Zelda mit dieser unglaublichen Engine aussehen könnte! Blöd nur, dass diese Experimente in den meisten Fällen seelenlose Scheiße sind – genauso sieht das MediEvil Remake aus. Deswegen habe ich es auch nie gespielt. Aber man kann ja einfach das Original nochmal zocken!
MediEvil
MediEvil ist wie für mich gemacht: Kindgerechter Horror mit toller Atmosphäre, ein Fantasy-Setting, das dazu noch mit einer gewissen Historizität spielt, ein ikonischer, weil lustiger Hauptcharakter, die bekloppte, aber sympathische Synchronisation, ein relativ arcadiges Action-Adventure. Selbst die in großen Teilen bedeutungslose Rahmenerzählung gibt mir was! Leider alles mit Schwächen, hauptsächlich im Gameplay. Vor allem das Trefferfeedback ist schlecht (sowohl einstecken als auch austeilen), die Kamera ist gerne zickig und Platforming fummelig. Die Bosse sind im ersten Teil noch relativ unspektakulär. Generell ist das Kämpfen zu arcadig, sodass eigentlich nur das Schnetzeln von Zombies,die ersten Standardgegner, Spaß macht (man kann Gliedmaßen und Kopf abschlagen!). Auch die Fernkampfwaffen (man hekommt z.B. Armbrüste, Bögen etc.) sind etwas fummelig, weil sich automatische Zielerfassung und Kamera gerne mal gegenseitig im Weg stehen. Für jeden toten Gegner bekommt man ein paar Seelen für einen Kelch. Hat man 100%, kann man den einsammeln. Nach jedem Level landet man in einer Heldenhalle, wo viele Steinstatuen, alte Kampfgefährten, herumstehen und kurze Gespräche mit einem führen, wenn man ihnen einen Kelch bringt. Für diesen bekommt man eine neue Waffe. Motivierend! Leider hat der erste Teil hier den großen Fehler, dass nur jeder 2. Kelch eine neue Waffe bedeutet und die anderen Belohnungen vollkommen belanglos sind, man sich also durchaus verarscht vorkommt.
Das klingt jetzt alles eher nicht so gut, aber genau das ist es eben: MediEvil ist nicht schlecht, aber auch kein herausragendes Spiel. Atmosphärisch stark, musikalisch super (Orchester! Aber etwas wenig Abwechslung), spielerisch so lala, schwache Bossee. Aber dieser Tim Burton-Charme!
7/10
MediEvil 2
Auch den Nachfolger hatte ich als Kind bereits gespielt. Mein Ersteindruck beim erneuten Spielen jetzt war phänomenal: Man sieht sofort, dass sie ein höheres Budget hatten und grafisch deutlich mehr aus der ollen PS1 geholt haben, und es gibt mehr ingame Cutscenes, nicht nur vorgerenderte Videos wie im Vorgänger. Aber nicht nur das: Auch das Setting ist wieder genau meins, denn Sir Daniel Fortesque wird diesmal im viktorianischen London des späten 19. Jahrhundert aufgeweckt (Lord Palethorn hat verstreute Seiten des alten Magiebuchs von Zarok gefunden und mit einem Zaubertrick alles Tote wiedererweckt. Er sucht die restlichen Buchseiten für die Weltherrschaft!). Aus Dans Krypta ist ein Museum geworden! Spielerisch hat sich kaum was geändert, die Probleme bleiben. Die Kamera kann nun aber auch mit dem Stick gesteuert werden. Neu ist auch, dass man 2 Waffen tragen kann, zwischen denen man während des Spielverlaufs wechseln kann. Cool sind ein paar der neuen, im Vergleich zum ersten Teil moderneren Waffen, denn jetzt gibt es z.B. auch Knarren.
Die tolle Oberweltkarte wurde mit einem Labor als Hub ausgetauscht, von wo man via eines Projektors die Levels auswählt – das fällt leider deutlich linearer aus. Im ersten Teil gab es noch ein bisschen Backtracking (kein schlechtes), hier spielt man eins nach dem anderen. Dafür haben sie das mit den Belohnungen für die Kelche gefixt, denn man bekommt hier wirklich für jeden Kelch eine neue Waffe. Besonders die letzte hat es hier in sich.
Die Bosse sind mit Ausnahme eines grauenhaften Gimmick-Bosses deutlich besser geworden, doch nach diesem tollen Ersteindruck hat mir das Spiel einen ordentlichen Dampfer verpasst. Am Ende des 2. Levels tauchen die Antagonisten nämlich auf einem Raumschiff auf. Ja, ich weiß, das ist ein Fantasy-Spiel und auch der Erstling hat gegen Ende mehr mit eigentlichen Setting gebrochen. Trotzdem: In dem Spiel ist das Setting für mich insgesamt zu sehr ein Mischmasch, der nicht so ganz zusammenpassen will. Man bedient sich zwar immer wieder an typischen Horror-Tropes (ägyptische Gräber, „Freakshow“-Zirkus, Frankenstein, Vampire usw.), aber dieser Sci fi-Einschnitt durch die Antagonisten will bei mir nicht fruchten (mal abgesehen davon, dass die eh viel uncooler sind als Zarok). Diesmal bekommt Dan übrigens einen Love Interest, der völlig belanglos ist, aber immerhin führt sie zu einem kleinen Highlight:
Insgesamt hat mich der 2. Teil zwiegespalten zurückgelassen. Er ist objektiv an vielen Stellen besser (Technik, Inszenierung, Belohnungen, Bosse etc.), kann die atmosphärische Stärke aber nicht mehr halten, enttäuscht zum Ende hin mit einem austauschbaren Endboss sowie blöden Antagonisten und ist strikter im Ablauf. Eigentlich besser, aber irgendwie auch nicht …
6/10
Wenn ich was zu sagen hätte, ich würde Sony folgendes pitchen:
Gebt MediEvil und Sir Daniel Fortesque nach dem wahrscheinlich gefloppten Remake nochmal eine Chance. Dieses an Tim Burton-Filme erinnernde, perfekt als kindgerechter Einstieg in das Horror-Genre geeignete Franchise könnte mit einer Generalüberholung im Bereich des Gameplays und Kampfsystems super gut funktionieren. Ein Schwenk Richtung Zelda oder Souls wäre da vielleicht angebracht, um das größte Problem (zu arcadiges Spielgefühl gepaart mit schlechtem Trefferfeedback) zu beseitigen.
So … wieder mal zu viel geschrieben über ein totes Franchise mit (unter?)durchschnittlichen Spielen xD
Es gibt ein Franchise, das Sony sträflich vernachlässigt, obwohl es echt einiges an Potential hat. Nein, nicht Bloodborne. Also ja, doch, auch Bloodborne, aber das meine ich ausnahmweise nicht.
Ich rede von MediEvil, die Spielereihe der ikonischen Spielefigur Sir Daniel Fortesque, der zu Lebzeiten in einer Schlacht gegen den bösen Zarok sofort gefallen war und nun, als Skelett - ohne Kinn und nur mit einem Auge -, zurück ist, um Gallowmere zu retten! Ich hatte die beiden PS1-Spiele als Kind gespielt, und war vor ein paar Jahren froh drum, dass es ein Remaster/Remake vom Erstling gab. Leider gefällt mir das optisch überhaupt nicht, denn es sieht wirklich sehr hässlich aus. Es wirkt wie eine dieser billigen Unreal Engine-Techdemos von Fans, die uns allen zeigen sollen, wie geil das nächste Zelda mit dieser unglaublichen Engine aussehen könnte! Blöd nur, dass diese Experimente in den meisten Fällen seelenlose Scheiße sind – genauso sieht das MediEvil Remake aus. Deswegen habe ich es auch nie gespielt. Aber man kann ja einfach das Original nochmal zocken!
MediEvil
MediEvil ist wie für mich gemacht: Kindgerechter Horror mit toller Atmosphäre, ein Fantasy-Setting, das dazu noch mit einer gewissen Historizität spielt, ein ikonischer, weil lustiger Hauptcharakter, die bekloppte, aber sympathische Synchronisation, ein relativ arcadiges Action-Adventure. Selbst die in großen Teilen bedeutungslose Rahmenerzählung gibt mir was! Leider alles mit Schwächen, hauptsächlich im Gameplay. Vor allem das Trefferfeedback ist schlecht (sowohl einstecken als auch austeilen), die Kamera ist gerne zickig und Platforming fummelig. Die Bosse sind im ersten Teil noch relativ unspektakulär. Generell ist das Kämpfen zu arcadig, sodass eigentlich nur das Schnetzeln von Zombies,die ersten Standardgegner, Spaß macht (man kann Gliedmaßen und Kopf abschlagen!). Auch die Fernkampfwaffen (man hekommt z.B. Armbrüste, Bögen etc.) sind etwas fummelig, weil sich automatische Zielerfassung und Kamera gerne mal gegenseitig im Weg stehen. Für jeden toten Gegner bekommt man ein paar Seelen für einen Kelch. Hat man 100%, kann man den einsammeln. Nach jedem Level landet man in einer Heldenhalle, wo viele Steinstatuen, alte Kampfgefährten, herumstehen und kurze Gespräche mit einem führen, wenn man ihnen einen Kelch bringt. Für diesen bekommt man eine neue Waffe. Motivierend! Leider hat der erste Teil hier den großen Fehler, dass nur jeder 2. Kelch eine neue Waffe bedeutet und die anderen Belohnungen vollkommen belanglos sind, man sich also durchaus verarscht vorkommt.
Das klingt jetzt alles eher nicht so gut, aber genau das ist es eben: MediEvil ist nicht schlecht, aber auch kein herausragendes Spiel. Atmosphärisch stark, musikalisch super (Orchester! Aber etwas wenig Abwechslung), spielerisch so lala, schwache Bossee. Aber dieser Tim Burton-Charme!
7/10
MediEvil 2
Auch den Nachfolger hatte ich als Kind bereits gespielt. Mein Ersteindruck beim erneuten Spielen jetzt war phänomenal: Man sieht sofort, dass sie ein höheres Budget hatten und grafisch deutlich mehr aus der ollen PS1 geholt haben, und es gibt mehr ingame Cutscenes, nicht nur vorgerenderte Videos wie im Vorgänger. Aber nicht nur das: Auch das Setting ist wieder genau meins, denn Sir Daniel Fortesque wird diesmal im viktorianischen London des späten 19. Jahrhundert aufgeweckt (Lord Palethorn hat verstreute Seiten des alten Magiebuchs von Zarok gefunden und mit einem Zaubertrick alles Tote wiedererweckt. Er sucht die restlichen Buchseiten für die Weltherrschaft!). Aus Dans Krypta ist ein Museum geworden! Spielerisch hat sich kaum was geändert, die Probleme bleiben. Die Kamera kann nun aber auch mit dem Stick gesteuert werden. Neu ist auch, dass man 2 Waffen tragen kann, zwischen denen man während des Spielverlaufs wechseln kann. Cool sind ein paar der neuen, im Vergleich zum ersten Teil moderneren Waffen, denn jetzt gibt es z.B. auch Knarren.
Die tolle Oberweltkarte wurde mit einem Labor als Hub ausgetauscht, von wo man via eines Projektors die Levels auswählt – das fällt leider deutlich linearer aus. Im ersten Teil gab es noch ein bisschen Backtracking (kein schlechtes), hier spielt man eins nach dem anderen. Dafür haben sie das mit den Belohnungen für die Kelche gefixt, denn man bekommt hier wirklich für jeden Kelch eine neue Waffe. Besonders die letzte hat es hier in sich.
Die Bosse sind mit Ausnahme eines grauenhaften Gimmick-Bosses deutlich besser geworden, doch nach diesem tollen Ersteindruck hat mir das Spiel einen ordentlichen Dampfer verpasst. Am Ende des 2. Levels tauchen die Antagonisten nämlich auf einem Raumschiff auf. Ja, ich weiß, das ist ein Fantasy-Spiel und auch der Erstling hat gegen Ende mehr mit eigentlichen Setting gebrochen. Trotzdem: In dem Spiel ist das Setting für mich insgesamt zu sehr ein Mischmasch, der nicht so ganz zusammenpassen will. Man bedient sich zwar immer wieder an typischen Horror-Tropes (ägyptische Gräber, „Freakshow“-Zirkus, Frankenstein, Vampire usw.), aber dieser Sci fi-Einschnitt durch die Antagonisten will bei mir nicht fruchten (mal abgesehen davon, dass die eh viel uncooler sind als Zarok). Diesmal bekommt Dan übrigens einen Love Interest, der völlig belanglos ist, aber immerhin führt sie zu einem kleinen Highlight:
Einer coolen Zeitreise-Mission mit befriedigendem Abschluss.
Insgesamt hat mich der 2. Teil zwiegespalten zurückgelassen. Er ist objektiv an vielen Stellen besser (Technik, Inszenierung, Belohnungen, Bosse etc.), kann die atmosphärische Stärke aber nicht mehr halten, enttäuscht zum Ende hin mit einem austauschbaren Endboss sowie blöden Antagonisten und ist strikter im Ablauf. Eigentlich besser, aber irgendwie auch nicht …
6/10
Wenn ich was zu sagen hätte, ich würde Sony folgendes pitchen:
Gebt MediEvil und Sir Daniel Fortesque nach dem wahrscheinlich gefloppten Remake nochmal eine Chance. Dieses an Tim Burton-Filme erinnernde, perfekt als kindgerechter Einstieg in das Horror-Genre geeignete Franchise könnte mit einer Generalüberholung im Bereich des Gameplays und Kampfsystems super gut funktionieren. Ein Schwenk Richtung Zelda oder Souls wäre da vielleicht angebracht, um das größte Problem (zu arcadiges Spielgefühl gepaart mit schlechtem Trefferfeedback) zu beseitigen.
So … wieder mal zu viel geschrieben über ein totes Franchise mit (unter?)durchschnittlichen Spielen xD
Zuletzt bearbeitet:
