Forza Motorsport 6 (Xbox One)
Nachdem Forza Motorsport 5 für mich trotz Spielspaß eher wie eine Grafikdemo und eine abgespeckte Version wirkte, hat man bei Forza Motorsport 6 alle Register gezogen und sich wieder den Stärken der Serie zugewandt. Heute bin ich endlich mit der Karriere fertig geworden. Diese ist zwar von der Präsentation her immer noch ziemlich dröge, nur irgendwie fiel das diesmal nicht so ins Gewicht wie bei den Vorgängern. Zur Auflockerung kann man zwischendurch auch immer die Schaurennen spielen, sodass es nicht zu langweilig wird. Etwas doof finde ich den Aspekt, dass kein wirkliches Wettkampffeeling aufkommt, sondern man durch den mindestens 3. Platz einfach ins nächste Rennen geschickt wird und die Karriere fortsetzt. So arbeitet man sich im Grunde nur voran in den verschiedenen Rennklassen.
Ganz großes Plus des Spiels ist und bleibt die Spielbarkeit. Auch wenn das Spiel ganz klar den Anspruch hat eine Simulation zu sein, kann man es durch vielfältige Einstellungsmöglichkeiten auch wie einen Arcade-Racer spielen. Ist nicht Sinn und Zweck des Spiels, ich würde es schon immer nur als Simulation zocken, aber allein die Optionen so einzubauen, finde ich richtig gut. Ich persönlich bin jetzt auch nicht DER Rennfahr-Crack, habe aber auch so wenige Hilfen wie nur möglich an, um halt ein tolles Rennsimulationserlebnis zu haben. Das Spiel nimmt einen hier auch gut an die Hand und überfordert dabei nicht. Der Schwierigkeitsgrad geht auch klar, wenngleich ich die Sprünge zwischen den Stufen teils etwas übertrieben finde. Da gewinnt man auf einem Schwierigkeitsgrad mit immensem Vorsprung die Rennen, schaltet einen höher und auf einmal rast sich die KI im gleichklassigen Wagen völlig unrealistische Vorsprünge heraus.
Die KI besteht auch in Forza Motorsport 6 wieder aus so genannten Drivatar-Fahrern, die ihrem Ebenbild entsprechen und seinen Fahrstil adaptieren. So wirkt sie sehr lebendig und nicht wie an der Schnur gezogen auf der Piste. Sie fliegen z.B. bei riskantem Fahrstil auch gerne mal von der Strecke oder fahren sehr aggressiv, wenn ihr "Vorbild" es ihnen so vormacht. Ich möchte gar nicht wissen, wie mein Drivatar auf der Strecke unterwegs ist.

Die KI kommt jedoch nicht gut mit dem Regen klar und hat dabei doch so einige Aussetzer, wo sie von der Strecke abkommt und dann ohne zu Bremsen in die Banden fährt. Das wirkt manchmal unfreiwillig komisch.
Hier mal eine solche Situation als Screenshot. Der Reihe nach bretterten die KI-Fahrer dorthin und hielten ihr "Meeting" ab.
Die Regeneffekte an sich sind ja seit Forza Horizon 2 dabei, wo sie eher kosmetischer Natur waren. Sie beeinflussten zwar die Fahrphysik, aber bei Weitem nicht so wie jetzt. In Forza Motorsport 6 sind diese noch authentischer umgesetzt, es gibt z.B. "echte" 3D-Pfützen mit Tiefgang, die das Fahrgefühl stark beeinflussen. Einige Tester schrieben zu Beginn, dass der Einfluss zu krass sei, was ich jedoch für mich nicht so bestätigen kann. Klar, anfangs war es mehr als ungewohnt, aber wenn man einmal heraus hat, wie man mit den Pfützen umzugehen hat, dann macht es richtig Spaß im Regen zu fahren, zumal die Grafik dabei richtig stark ist.
Grafisch müssen wir nicht lange reden, Forza Motorsport 6 ist super schick und läuft butterweich in Full-HD mit 60 fps und stellt dabei viele Fahrzeuge und Effekte gleichzeitig dar. Selbst beim überragend animierten Regen geht die Framerate trotz Pfützen, Tropfen etc. nie in die Knie. Da sag noch mal einer die Xbox One hätte keine Power unter der Haube.
Alles in allem hat mich Forza Motorsport 6 mit Ausnahme eines kleinen Hängers, da ich die Karriere nicht zu Ende brachte und erst jetzt die letzten Rennen fuhr, durchweg unterhalten. Es geht in Sachen Präsentation immer noch mehr, aber für den "totalen Rennbombast" im "flippigen Stil" kommt ja bald der 3. Teil des Horizon Ablegers. Motorsport ist und bleibt halt eben die Simulation und da macht man eben derartige Abstriche. Ich war im Grunde sehr zufrieden, wären die angesprochenen Mängel nicht, hätte es vielleicht auch zur Höchstnote reichen können. Doch auch so muss man es hoch bewerten.
Die Wertung erfolgt nun nach Beendigung der Karriere, wo ich für mich ein Fazit ziehen wollte auch ohne jegliche Schaurennen gespielt zu haben.
9/10