Mein 40. 100%-Spiel ist
Need For Speed - The Run
Und, meine Güte, war das ein Krampf! Das war mit Abstand das schlechteste Need for Speed, das ich bisher spielen mußte. Ja, sogar "Undercover" war dagegen ein Licht in dunkler Nacht, und das will was heißen.
Die Kampagne ist ultrakurz. Bereits nach gut zwei Stunden sieht man den Abspann. Das bedeutet, wenn man die Stages gleich auf Anhieb schafft. Oftmals verbaut einem das Spiel durch die schwammige Steuerung und die Gummiband-KI nämlich jedwede Chance, ein faires und klar nachvollziehbares Rennen zu absolvieren. Das fängt bei der Geschwindigkeitsdarstellung an (wirklich, schaltet den Tacho auf MPH um, dann kommt das in etwa hin) und hört bei der Simulation des Verkehrs und der Gegner auf. Das Streckendesign ist der letzte Witz, die Kurven kommen zu plötzlich und das Auto kann nicht vernünftig herumgelenkt werden, ohne dass man in einen unkontrollierten Drift übergeht. Was nutzen einem da 50 XP-Punkte, wenn man gut 8 Sekunden auf das vorausfahrende Fahrzeug verliert, weil man seinen Boliden aus der Leitplanke schälen darf?
Die Kampagne ist ja noch nicht mal das Schlimmste, denn immerhin ist das noch ganz ansehnlich gemacht und die Strecken wiederholen sich wenigstens nicht. Aber wenn man in den Herausforderungsmodus wechselt, fährt man nur noch gegen die Uhr, um möglichst viele Gold- und Platinmedaillen zu sammeln. Zumindest erstere braucht man, damit man nachher ein paar nette Errungenschaften bekommt. Dabei sind die Zeitfenster oftmals so unfair gesteckt, dass es einen grausen könnte. Da tritt man wie ein Irrer das Bodenblech durch und bleibt trotzdem wieder an einem Begrenzungspfahl oder einem entgegenkommenden Auto hängen. Die Folge ist ein kompletter Neustart und die damit verbundene 25sekündige Wartezeit, bis die Stage neu geladen hat. Ich habe bisher noch kein Rennspiel erlebt, das einen so lange auf das Wiedereinsteigen hinbibbern lässt. Steckte da Methode hinter, oder ist das einfach nur lausig programmiert? Wie auch immer, die Ladezeiten sind der absolute Wahnsinn. Zwischendurch Blumen gießen, Kaffeekochen und auf's Klo gehen kann man problemlos... hintereinander!
Zur KI kann man nur sagen, dass EA sich da den absoluten Vogel abgeschossen hat. Man versuche nur mal testweise hinter dem Hauptfeld her zu fahren, um zu gucken, wie dämlich da gerangelt wird. Unterwegs bleiben die Autos gar stehen. Absolut nicht nachvollziehbar. Wenn man allerdings versucht vorne mitzufahren und Boden gut zu machen, muß man eigentlich permanent über das Gegenverkehrfahren versuchen, seine Nitroanzeige voll zu halten, weil einem sonst ein KI-Kollege die Rücklichter zeigt, oftmals 50 Meter vor der Ziellinie. Hier ist nix mit Vorsprung rausfahren, die KI klebt einem buchstäblich an den Hacken. Mit Realismus hat das nicht einmal entfernt etwas zu tun. (jaja, ich weiß, aber selbst andere Arcaderennspiele kriegen das irgendwie hin)
Ein Geschwindigkeitsgefühl kommt nicht auf, selbst ein Traktor scheint 260 km/h schnell fahren zu können. Wie soll das gehen? Deswegen als Tip, die Tachouhr auf mph umstellen und nicht allzuviel nachdenken. Die Autos, meist irgendwelche Exoten Marke Lamborghini oder Porsche, fahren sich alle gleich, brechen bei jeder Gelegenheit weg oder werden wie von Geisterhand in einen Drift getrieben, wenn man auch nur ansatzweise eine Bremstaste drückt. Dabei ist es völlig egal, ob man cool mit der Handbremse um die Ecke sliden will, oder ganz fachmännisch auf das Hauptbremspedal latscht - die Wirkung ist identisch, der Wagen wir unkontrollierbar. Wenn man seinen Untersatzt dann doch mal in der Spur halten kann und versucht, ein paar KI-Wagen mit gekonnten Abdrängmanövern von der Straße zu schieben, kratzt die das nicht im Entferntesten. Stattdessen verliert man selber wieder die Kontrolle, rast eine Böschung hoch, überschlägt man sich, oder rast gleich wieder einen einen mit 400 Kilometern in der Stunde entgegenkommendes Auto, das grad von einem gemütlichen Familienvater ins Grüne manövriert wird. Und wenn man dann gezwungen wird, den Reset zu beobachten (ja, man kann den nicht unterbrechen, und der kommt quasi jedes Mal, wenn man einen Grashalm umfährt), darf man erstmal wieder zehn bis fünfzehn Sekunden warten, ehe es an einen vorher gesicherten Punkt im Rennen zurück geht. Meist sind dann die Gegner über alle Berge und man kann eigentlich wieder von vorne anfangen... aber Vorsicht, es können vereinzelt längere Ladezeiten auftreten.
Widmen wir uns mal dem unsäglichen Mulitplayermodus. Das geht schon beim Matchmaking los. Als Einzelner kann man ja mal versuchen in ein laufendes Spiel einzusteigen. Lustig, wenn man nach einer etwas längeren Ladezeit (ja, auch im Muliplayer gibt's die, und die kommen einem nochmal länger vor als im Singleplayer) dann in ein laufendes Rennen einsteigt und erstmal 30 Sekunden hinter dem Hauptfeld reingeschmissen wird, am besten 20 Sekunden vor Ende des Rennens. Nicht nur, dass man überhaupt keine Chance hat, überhaupt in die Punkteränge zu fahren (und wohlgemerkt, im Multiplayer kriegen eigentlich nur die fünf besten Rennfahrer Punkte, der Rest kann sich gern ein Feuerzeug anzünden und damit herumfuchteln, das bringt in etwa genauso viel), man hat auch bei den mehrstufigen Events überhaupt keine Chance mehr, vorne mitzufahren. Ganz toll, wenn das Event aus fünf Rennen besteht, und man dann am Ende merkt: Hey, da kommen noch vier, und wenn ich jetzt nicht zu zaubern anfange, kann ich mir eigentlich gleich eine neue Lobby suchen.
Da eignen sich eigentlich nur noch die Zweierlobbys mit einem Freund zum gemeinsamen Fahren und Punktemachen. Belohnungen fallen auch hier wieder sehr spärlich aus, weil man quasi überhaupt nicht aufsteigt. Während einen vorherige NfS-Titel mit den Stufenaufstiegen quasi totgeschlagen haben, geht das in "The Run" unendlich langsam voran. Erreicht man erst einmal Level 20, darf man locker nochmal das Vier- bis Fünffache an Zeit dazu rechnen, bis man Level 25 erreicht, und dann nochmal locker so lange, bis man Level 30 sieht. Ein Spiel für die Ewigkeit, aber nicht im positiven Sinne.
Warum habe ich das also trotzdem zuende gespielt, um dann so einen Verriss darüber zu schreiben? Fragt mich was Leichteres, vielleicht Masochismus oder absolute geistige Abgestumpftheit? Sucht euch was aus. Leute, wenn ihr das Spiel nicht habt, macht bloß einen Riesenbogen darum. Die Idee, die "Cannonball"-Filme aus den 80ern in ein Spiel zu packen, ist NICHT gut gemacht, sondern schrecklich einfallslos und einfach nur ernüchternd. Die Umsetzung von "The Run" krankt an Bedieung und Übersicht, vor allem aber an Langzeitmotivation und schierem Frust ob des Trial-&-Error-Prinzips, mit dem man die Herausforderungen angeht. Ein verkehrter Bremser oder eine unfreiwillige Kollision mit dem Gegenverkehr (der nun mal nicht ausbleibt, weil man wegen des schlechten Geschwindigkeitsgefühs keine Entfernungen einschätzen kann) und man darf neu starten. Und halt erstmal ewig warten, bis es weitergeht.
Die Grafik wirbt mit der (hust, hust) innovativen FrostBite2-Engine, die auch schon bei Battlefield 3 zum Einsatz gekommen ist, aber im Gegensatz zu dieser Shooterperle sieht The Run einfach nur scheiße schlecht aus. Klumpige Texturen, mies animierter Nebel, triste Hintergründe und ziemlich karge Landschaften (vor allem in den Städten) verderben einem jeden optischen Spielspaß. Einzig die Fahrzeugmodelle sehen einigermaßen vernünftig aus, aber irgendwas muß ja gut dran sein, oder?
Nur absolut frustresistente Spieler sollten überhaupt in Erwägung ziehen, sich "The Run" einmal anzusehen. Alle anderen werden vermutlich nach der dritten gescheiterten Herausforderung das Gamepad entweder in den Fernseher schmeißen (oder an die Wand dahinter) und laut schreien. Der Multiplayermodus ist eine heillose Katastrophe, das Autolog funktioniert eigentlich überhaupt nicht zufriedenstellend und das Matchmaking ist viel zu sehr vom Zufall abhängig, als dass man vernünftige, kurzweilige Rennereien zustande bekommen könnte, wie man sie eigentlich geplant hat.
Die Kampagne enttäuscht auf ganzer Linie, weil sie weder lang und aufregend, sondern megakurz und total beliebig ist. (bei den Cannonballfilmen gabs ja immerhin noch Schauspieler, hier gibt's höchstens mal ein völlig beknacktes Quicktime-Event, wenn der "Protagonist" das Auto wechselt) Das Fahrverhalten ist unterirdisch, bei jeder Gelegenheit bricht das Auto aus und versaut einem so die Chance auf eine vernünftige Fahrt.
Lange Rede, kurzer Sinn. Need For Speed The Run ist eine spielgewordene Unverschämtheit, die ich absolut nicht weiterempfehlen kann. FINGER WEG!!! Darum gibt's
1/10 (ne Null wäre dann trotzdem zu wenig, immerhin gibt's ganz netten Rock-Soundtrack, der aber nach der dritten Wiederholung nervt. Darum am besten unfallfrei fahren!) (nach 1200/1200 GS)