Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon
War ein sehr schönes Metroidvania, das die angehende Umbrahexe Cereza, die später Bayonetta werden würde, auf ihrem ersten großen Abenteuer durch den Märchenwald von Avalon zeigt. Sie ist zu der Zeit noch ein Kind und recht unerfahren, und ihre erste richtige Dämonenbeschwörung gelang nur so halb und endete damit, dass ihr Katzenplüschtier Cheshire besessen wird, der sie fortan als 2. spielbarer Charakter begleitet.
Man spielt durchgehend Cereza, und zu ca. 75% der Zeit simultan (nach Wahl) auch Cheshire in einer Art Singleplayer-Koop wie etwa bei Brothers: A Tale of Two Sons. Cereza steuert man mit dem linken Stick, dem Steuerkreuz und den L und LZ Tasten, und Cheshire mit dem rechten Stick, den A, B, X, Y und R und RZ Tasten, und durch Drücken des jeweiligen Sticks kann der entsprechende Charakter ausweichen.
Das klingt jetzt gewöhnungsbedürftig, und ist es anfänglich auch, aber nach ner Weile geht es gut von der Hand. In dieser Konstellation kämpft man und löst auch Puzzles.
Man kann die beiden Joycons auch abnehmen, dann hat man phasenweise auch eine Art Koop Game am lokalen Bildschirm.
Cereza ist dabei im wesentlichen der unterstützende Charakter, sie kann Gegner mit infernalen Dornenfesseln verlangsamen und festsetzen und Objekte manipulieren, jedoch ist es ihr nicht möglich, Gegnern direkt Schaden zuzufügen. Für letzteres ist ihr Plüschtierdämon Cheshire da, der Gegner mit Klauen und Reißzähnen zerfetzt, und später lernt er auch diverse Elementfähigkeiten, mittels derer Metroidvania-typisch neue Abschnitte in der Spielwelt zugänglich werden.
Das Spiel möchte sichtlich eine jüngere Zielgruppe ansprechen, d.h. Gore oder Fanservice gibt es hier anders als bei den Spielen der Hauptreihe nicht, und das Spiel ist auch sehr leicht und zugänglich. Man hat immer mehr als ausreichend Heil- und Utility-Items dabei, und wenn es doch zu schwer werden sollte, kann man in den spielunterstützenden Optionen zum Beispiel den Gegnerschaden graduell bis auf null runterdrosseln.
Dadurch eignet es sich gut für Einsteiger, und man braucht hinsichtlich Story keine Vorkenntnisse für die Bayonetta-Reihe (aber es gibt diverse Referenzen für Fans).
Für fortgeschrittene Spieler indes hätte ich mir gewünscht, dass auch direkt ein höherer Schwierigkeitsgrad als normal zur Verfügung stünde.
Die Lebensleiste nimmt auch nur ab, wenn Cereza getroffen wird. Das eigentliche Kämpfen übernimmt hauptsächlich Cheshire, und wenn der zu oft getroffen wird, dann verwandelt er sich temporär in seine Plüschtierform zurück, und ist nach kurzer Knuddelpause wieder kampfbereit.
Auch beim Platforming ist das Spiel verzeihend, wenn man stürzt, dann spawnt man ohne Lebenskraftverlust auf dem nächstgelegenen festen Boden wieder.
Die eigentliche Schwierigkeit liegt auch weniger in den Kämpfen oder Puzzles, sondern mehr in der Navigation durch die Spielwelt, denn jene ist dreidimensional mit mehreren Höhenstufen und Kameraperspektivwechseln versehen, und die Map eher unzureichend und deutet nur vage an, wo Durchgänge möglich sind.
Es kann so z.B. auch sein, dass man nach oben läuft, aber auf der Map bewegt man sich nach unten, weil die Kamera an der Stelle um 180° rotiert ist, und man kann auf der Map auch keine eigenen Marker setzen.
Für die reine Hauptstory ist das kein Problem, aber wenn man Completionist sein und alle Secrets finden möchte, dann sollte man sich Dark Souls mäßig den Aufbau der Spielwelt im Kopf einprägen (und genau dafür gibt es keine spielunterstützenden Optionen).
Das ist auch anfangs noch gewöhnungsbedürftig.
Highlight des Spiels ist dieser Bilderbuchlook, der sich konsequent durch das gesamte Spiel zieht, und den sie sehr gut eingefangen haben. Würde man Screenshots von manchen Szenen machen, man würde meinen, es handele sich um auf Pixiv oder Artstation hochgeladene Concept Arts, aber nein, so sieht die Spielgrafik aus.
Der Look ist so ein bisschen Guillermo del Toro gemischt mit Ghibli und Tim Burton.
Auch der Soundtrack unter anderem aus der Hand von Rei Kondoh ist sehr gut. Der Mann hat neben Bayonetta auch an diversen Fire Emblem Teilen und Okami gearbeitet, und gerade die letzten beiden hört man raus. Es geht nicht in die Jazz und JPop Richtung wie bei den Hauptteilen, sondern eher in Richtung heroischer High Fantasy (aber nicht nur), und Kondoh hat gerade bei den Boss Themes richtig in die Tasten gehauen. Die Synchronsprecher sind auch sehr gut.
Bezogen auf Boss Fights wird die Platinum DNA auch wieder deutlich, im Verlauf des Spiels werden die Fights immer mehr over the top (wenn halt auch nicht ganz so wild wie bei den Bayonetta-Hauptteilen, was halt unterstreicht, dass die junge Cereza noch vergleichsweise unerfahren ist). Wenn man simultan dabei den Dreh raus hat für diesen Singleplayer-Duo-Koop, dann sorgt das durchaus für coole Momente.
Etwas repetitiv wird es im Spielverlauf aber auch, z.B. findet man überall diese Tír na nÓgs, die in die Feenkristallwelt führen, und es sind meist gleichartige Kampfarenen.
Dabei gibt es manchmal Abzüge in der B-Note und etwas Jank, mehr Polishing für ein responsiveres Gamefeeling hätte bisweilen geholfen.
Die Übersicht geht in manchen Kämpfen auch etwas flöten, mit dem großen Cheshire ist das kein Problem, aber die von der Statur her kleinere Cereza lässt man schonmal aus den Augen. Eine Art Leuchteffekt, der sie auffälliger macht, hätte vielleicht geholfen.
Wünschenswert wäre auch, dass Cereza im Kampf mehr Funktionen nutzen könnte, als ausschließlich nur ihren Starterzauber, die Dornenfessel, und halt paar Tränke und sowas.
Die Story ist kein Magum Opus, aber insgesamt gut umgesetzt. Anstelle von Prophezeiung-, Weltuntergang-, Zeitreise- und Multiversumgedöns ist diese fokussierter auf wenige Charaktere mit klar ausformulierten persönlichen Motivationen, was dem Spiel halt gut tut.
Es geht ein bisschen in die Coming of Age Richtung, und Cereza, die anfangs noch sehr ängstlich und verunsichert ist, wächst über sich hinaus und wird selbstbestimmter, und die Beziehung zu ihrem dämonischen Plüschkumparsen ist ein zentrales Thema.
Auch gut fand ich, dass die Menge an Cutscenes überschaubar, aber dafür pointiert war.
Positiv anmerken kann ich, dass unterwegs wenig bis gar nicht geredet wird, obwohl man ja (fast) immer mit diesem Duo unterwegs ist. Man kennt das ja womöglich aus diversen (Triple-A-)Spielen, dass einem ständig jemand im Ohr hängt und sagt 'geh dorthin, mach das da, schau hierhin' oder dass sogar Puzzles von NPC-Begleitern gespoilert werden, aber das ist hier nicht der Fall.
Summa summarum: Kein Magnum Opus, aber ein märchenhafter Metroivania-Ausflug mit viel Charme, den man auch jüngeren bedenkenlos empfehlen kann, aber fortgeschrittene Spieler halt wenig fordert. Das Spiel kriegt man ja auch allgemein ziemlich günstig, und dafür kann ich's empfehlen (ich glaub, bei der MM Aktion letztens gab's das ja schon für 14,99€).
Vom Gameplay her gibt es noch Luft nach oben, und ich hoffe, dass dieses Konzept mit Singleplayer-Koop-Action von irgendwem noch weiter ausgebaut und verfeinert wird, denn das kann schon für echt coole Momente sorgen gerade bei Bossen. Bei Platinum soll es wohl viele personelle Umwälzungen gegeben haben, weiß nicht, ob man dort noch an sowas interessiert wäre.
Btw ne kurze Anmerkung zum Schwierigkeitsgrad: Es gibt durchaus einen schwierigeren Modus, aber der steht erst zur Verfügung, nachdem man das Spiel 1x durchgespielt hat und dafür ein neues Spiel startet. Dabei startet man wieder bei null, d.h. muss alle Upgrades erneut finden bzw. freischalten etc.
Alternativ kann man im Startbildschirm den Platinum Cheat Code eingeben, d.h. oben unten links rechts X B Y A, und der Modus ist direkt freigeschaltet.