Wie sagt man so schön - da bin ich ganz bei dir und kann dir im Großen und Ganzen einfach nur zustimmen.
Bezüglich dem vierten Teil, dem ich nicht einmal mehr Charme oder ein "Ausrutscher-Dasein" attestiert habe, damals schon nicht, war das für mich schon der Anfang vom Ende. Für mich wirkte Teil 4 mehr als gequält, gewollt und nicht gekonnt. Mir drängte sich der Eindruck auf, man hat veruscht auf den allgemein gültigen Shooter-Zug aufzuspringen, ohne ReSi wirklich zu verändern. Zu viel Ungereimtheiten waren drin, für einen Shooter war die Spiel-Mechanik unpassend, zu langsam und für ein ReSi wiederum viel zu Shooter-lastig, dazu die nervige Präsidenten-Tochter, usw.. Für mich war Teil 4 gelinde gesagt grausam und ich habe den Hype, der seinerzeit von vielen Redaktionen, Deutschland wie USA, veranstaltet wurde, die ReSi 4 als Neu-Auferstehung der Serie gefeiert haben, total unverständlich. Ja, genau ...
(...) man orientiert sich, ganz im Dienste eines fragwürdigen Zeitgeistes, noch mehr an ausladendem Michael Bay – Actionkino, anstatt ein Kammerspiel mit Atmosphäre zu inszenieren. So suggerierten es wenigstens die Trailer. Und wenn ich auch keinen Anlass habe, deinen persönlichen Eindrücken zu misstrauen, bleibt mir dennoch eine düstere Vorahnung.
Mit den Trailern verstehe ich dich total, geht es mir genauso. Einzig, die eben jetzt gespielte Demo hat mir eine andere Perspektive serviert. So gut mir diese gefallen hat und scheinbar den Weg zurück zu den Wurzeln aufzeigt, ich traue denen nichts desto weniger zu, dass sie das bewusst gemacht haben und der Rest dann doch Action-Baller-Langweil-Raccoon-City-Schrott ist. Die Befürchtung teile ich mit dir - auch wenn mir die Demo eben gefallen hat.
Auch bezogen auf die Videos habe ich unterschwellig noch die andere Befürchtung, dass es eine Art Heavy Rain Klon werden könnte. Ich habe nie verstanden, was Spieler - Geschmack in allen Ehren - an Heavy Rain gefallen hat. Dieser interaktiver Film, der hin und wieder dazu aufordert in Quick Times ein Tästlein zu drücken ist für mich kein Spiel mehr. Und einige Videos von ReSi 6 haben das auch gezeigt - und das ist gelinde gesagt erschreckend.
Das heute alles mehr oder weniger "Ver-Michael-Bayt" wird, ist dann nochmals eine Sache für sich. Ich mag ihn grundsätzlich nicht abstrafen und Filme wie Transformers empfinde ich als nettes Popcorn-Kino - aber in Spielen nimmt es Überhand und täuscht damit mehr schlecht als recht darüber weg, dass vielen Entwicklern offenbar nichts mehr einfällt, bzw. Inhalt an sich offenbar nicht mehr gefragt ist.
(...) der umgekippte Stuhl ist ein vergleichsweise kleines Ärgernis, doch ein mächtiges Symbol. Er steht für so vieles, was aktuell falsch läuft, angefangen von antiquiertem Gamedesign, über verkrustete Unternehmensstrukturen, dem Festhalten an falschen Traditionen, bis hin zu einem spielekulturellen Ungleichgewicht zwischen Westen und Osten, unter dem wir als Gamer allesamt leiden.
Banal technisch besehen: Ich kann verstehen, dass Entwickler, gleich welcher Herkunft, den Aufwand nachvollziehbar scheuen, jedes noch so kleine Emlement bis hin eben zum Stuhl, der Lampe oder wie immer, physikalisch korrekt zu berechnen. Das wär auch zu viel des Guten - ein Spiel sollte immer noch ein Spiel sein und man darf erkennen, dass es ein Spiel, sprich eine virutelle Welt ist.
Ich neige mich etwas weiter aus dem Fenster und werfe die These in den Raum, dass wir Gamer nicht leiden, weil Unternehmen altbackene Strukturen nicht aufweichen oder an falschen Traditionen festhalten. Traditionen sind aus meiner Sicht heraus nicht zwingend falsch und ich würde es begrüßen, würden mehr Unternehmen, West wie Ost, zurückfinden, sich besinnen. Bestes Beispiel ist für mich das Segment Japano-RPG, das sich nach wie vor mehr als gut hält - wenn auch, wie man so schön sagt, gemessen an der gesamten Branche in einer Nische, aber immerhin einer gesunden Nische.
Wir Gamer leiden, weil wir Gamer nicht mehr zu schätzen wissen, was gut ist! Es sind doch die Gamer, die los rennen und ein CoD 14 kaufen, ein FIFA 35 ins Regal stellen, usw. Es sind die Gamer, leider sehr viele, die nach mehr und mehr realistischer Grafik verlangen, die Bombastmaterial wünschen - Stichwort Michael Bay - aber sobald spielerische Inhalte doch per Zufall im Vordergrund stehen, das große Meckern anfangen. Es sind die Gamer, die Wertungen 75%/7,5 und weniger als schlecht einstufen und ein solches Spiel mit Nichtachtung strafen. Derer Beispiele Gamer-seitig gibt es genug - bzw. lässt sich auch der Kreis zu ReSi schließen - denn wie eingangs erwähnt, Teil 4 wurde frenetisch gefeiert als Umbruch der Serie und alle sind sie aufgesprungen und dann wurde ReSi abgeklatscht. Ist doch klar, dass am Ende der Entwickler nicht mehr weiß wo oben und unten ist - und zwischendrin hängt einfach der normale Spieler, der ReSi Fan, der Joypad-Akrobat, der ein wenig Spaß haben mag und der sagt "hey, mal so wie Teil 1, 2 oder 3 wäre wieder cool - pfeif auf Grafik" und auf der anderen Seite die Masse, die schreit "muss geil aussehen - pfeif auf Inhalte" ... da kann man sich gelinde gesagt, nur noch wundern.