Sagen wir mal so, Lets Plays und Vids auf YT guggn ist out, Streaming ist in. Da geht es um einen (nicht mehr nagelneuen, ok) neuen Markt und gerade in Verbindung mit dieser Cloudgeschichte (Spiel mit Deinem Lieblingsstreamer / Yter) geht da vermutlich zukünftig viel. Ob die Jungs sich damit einen Gefallen langfristig getan haben - ich weiß es nicht. Microsoft macht mir das persönlich gerade ein bißchen Angst, vor allem wenn man sieht mit welchen Psychotrick und finanziellen Einsatz die versuchen ihre Tools auf dem Markt nach vorn zu bringen. Rewards zählt ja für mich auch dazu. Wenn ich mir die Mixer Oberfläche anschaue und da unter meinem Profil schon wieder ein Belohungssystem sehe, könnte ich ehrlich gesagt nur noch kotzen. Wir mit etwas mehr Lebenserfahrung checken die Zusammenhänge eher, aber die ganz junge Generation ist dem ziemlich schutzlos ausgeliefert. Macht mir Angst. Weiß jetzt nicht ob das so rüberkam warum.
Ich glaube, das ist eher andersrum. Uns als älteren Spielern fehlt einfach aufgrund unserer Lebenserfahrung, die letztlich vor allem daraus besteht, erlebt zu haben, dass früher alles anders war, die Grundlage, um das Konzept Spielstreaming/Spielestreamer zu verstehen, weil wir konventionellen Medien aufgewachsen sind.
Was Mixer da mit seinem Belohnungssytem betreibt, ist letztlich nichts Neues. Twitch funktioniert schon seit Jahren nach dem gleichen Prinzip und hat diese ganzen Systeme letztlich erst etabliert. Das Abo-System, bei dem man bei Twitch entweder als Amazon Prime-Kunde sein eines kostenlos Twitch Prime-Abo nutzt, um einen Streamer finanziell zu unterstützen, oder alternativ das dreistufige Abo (5, 10, 15 Euro im Monat) dafür nutzt, gibt es letztlich schon seit Jahren. Mixer und auch Youtube adaptieren diese etablierten Systeme halt nur, weil das heutzutage einfach als Mindeststandard erwartet wird.
Nur was sind diese etablierten Standards und Belohnungssysteme überhaupt? Je nachdem, welches Abo man bei Twitch nutzt, bekommt man dafür einerseits ein kanalabhängiges Abzeichen, mit dem man zeigen kann, welchen Streamer man unterstützt und wie lange schon. Außerdem schaltet man damit kanalspezifische Emotes frei, die man dann wiederum auch auf anderen Kanälen nutzen kann (ggf. bekommt man über ein Stufe 2/3-Abo auch mehr Emotes als über ein Stufe 1-Abo). Zudem sind abonnierte Kanäle auch noch werbefrei.
Das ist jetzt mal so die Basis. Und was darüber hinaus geht, hängt oftmals auch von den Streamern ab. Viele der kleinen und mittelgroßen Streamer betreiben auch eigene Communities (z.B. über Discord), in denen sie auch über die Streams hinaus mit ihrer Twitch-Community interagieren. Teilweise haben dort nur Abonnenten Zugang, teilweise haben sie nur etwas höhere Privilegien. Bei manchen Streamern ist es auch so, dass Abonnenten die Möglichkeit bekommen, mit den Streamern zusammenzuspielen. Das sind jetzt nur mal zwei mögliche Beispiel, wie die Belohnungssysteme funktionieren und wie die Community-Bildung und -Bindung über diese Systeme funktioniert.
Und wenn man sich das alles mal genauer anschaut, funktioniert das nicht so wahnsinnig viel anders als unsere Community hier. Wer bei uns Sponsor wird, sorgt, wie ein Abonnent eines Streamers bei dessen Streamingkanal, dafür, dass das Forum mittel- bis langfristig tragbar und somit erhalten bleibt. Im Gegenzug dafür bekommt man einige kleine Boni, die nichtzahlenden Mitgliedern der Community nicht zugänglich sind.
Letztlich geht das sogar noch ein Stück weiter, weil Twitch-Unterhaltung oftmals auch ein Ersatz für traditionelle Unterhaltungsmedien sind. Somit sind Twitch-Abos nicht nur ein Beitrag, um eine Community zu erhalten, sondern gleichzeitig auch noch sowas wie ein Abo für Pay-TV, Netflix oder Prime Abo.
Und da viele Streamer tatsächlich von den Einnahmen leben, die sie über Spielestreaming generieren leben, sind diese ganzen Belohnungssysteme, die Interaktion, Abos und Spenden fördern, ein essentieller Teil des Systems, weil es einfach Anreize braucht, um die Zuschauer dazu zu bringen, die Angebote nicht nur kostenlos wahrzunehmen.
Das kann man natürlich durchaus kritisch sehen, aber letztlich muss man halt auch realisieren, dass das Geld, für das viele Streamer am Tag oftmals länger und risikoreicher schuften als Ottonormalangestellter, irgendwo herkommen. Und das kommt halt nicht nur durch Werbeeinnahmen oder Sponsorings rein.
Natürlich kann man da als unbedarfter Zuschauer in eine Spirale geraten, bei der man angetrieben durch die Belohnungssysteme auf Twitch durch Abos und Spenden einfach zuviel Geld lässt. Aber genauso besteht letztlich das Risiko, dass man sich mit Netflix, Prime Video Disney+, Spotfiy, Amazon Music, Google Music, Youtube Music, Apple Arcade, Game Pass, PS Plus, XBL Gold, Stadia, PS Now usw. viel zu viele andere Abo-Systeme ans Knie nagelt, wenn man sich nicht unter Kontrolle hat. Selbst vor 20 Jahren hat es das Risiko gegeben, sich einer Klatschnachrichten-Sucht hinzugeben und jedes Boulevardblatt unter der Sonne zu abonnieren.
Keine Frage, die Art des Medienkonsums hat sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten dramatisch verändert. Und manchmal ist es für uns, die anders aufgewachsen sind, nicht ganz einfach, diese Entwicklung nachzuvollziehen und zu verstehen. Aber wenn man sich dann mal ein bisschen intensiver mit der Materie beschäftigt, wird man oft feststellen, dass die grundsätzliche Art, wie Dinge unter der Haube funktionieren, gar nicht so viel anders ist als damals.
Ich war völlig verblüfft, dass man da kostenpflichtige Möglichkeiten hat, sich zu beteiligen.
Ob man den Kanalbetreiber damit monetär unterstützt oder nur seine Popularität hochbringt, hab ich nicht gecheckt, aber da ist wohl ein anderes Thema.
Ich bin da eh noch sehr unbedarft, weil ich bisher so gut wie nie Livestreams verfolgt habe, sondern meist nur Let´s Play Sachen oder Spieletests etc. ansehe.
Aber die "Falle" für jüngere User, welche Du anführst, verstehe ich durchaus.
Amazon (Twitch), Google (Youtube) und Microsoft (Mixer) behalten meines Wissens nach durchaus einen Teil als Transaktionskosten ein, aber grundsätzlich ist es schon so, dass die finanzielle Unterstützung primär dem Streamer zugute kommt.