Ich weiß nicht, ob ein Metroid wirklich high level sci fi autoren braucht. Niemand würde ja behaupten, die Texte von Metroid Prime 1 wären reif für einen Literaturpreis, aber besser waren sie schon, und darauf fokussieren würde denke ich schon reichen.
Tanabe hat in einem seiner vielen Interviews letztens erst erklärt, warum bspw. die Scan-Texte so sind, wie sie sind. Die Texte für die Scans wurden zunächst von außenstehenden Autoren geschrieben (vll sogar nur von einem einzigen), aber Nintendo war damit nicht zufrieden. Warum wurde nicht gesagt. Er meinte aber, dass die Texte der Scans ganz extrem auf Kürze hin geschrieben werden. Der Grund sei, weil die Spieler die Texte sonst nicht lesen würden.
Nintendo mag da mehr Daten haben, aber wieso den Spieler dann nicht einfach erziehen? Keiner will Scan-Texte, die halbe Kurzgeschichten sind, aber in Prime 1 waren die Lösungen für die Bosskämpfe noch deutlich "natürlicher" beschrieben (man musste das Gameplay quasi aus dem Inhalt ziehen), während die Texte in den Nachfolgern immer deutlicher wurden, so dass schließlich keine Transferleistung - so klein wie diese auch sein mochte - mehr nötig ist.
Alle anderen Texte wurden von Retro Studios geschrieben und vertont - also auch die Dialoge und so weiter.
Metroid hat häufig mit einer Diskrepanz zu kämpfen: Auf der einen Seite steht der Anspruch einer glaubwürdigen Welt, auf der anderen ein Leveldesign, welches auf die sehr speziellen Gimmicks von Samus Aran hin zugeschnitten ist. Jeder kennt den Ausspruch: Haha, wie albern ist es eigentlich, dass alles in der Welt von Metroid auf Samus' Varia Suit hin gebaut ist. Dabei braucht es meiner Meinung nach nur ein paar wenige Kniffe, um dagegenzuhalten. Metroid Prime macht das anteilig mit den Chozos, die ja eh von sich aus eine Verbindung zu diesem Suit haben und auf Tallon IV gab es eben diese Prophezeiung, dass ein Auserwählter auftauchen würde. Deswegen kann man vll noch ein Auge zudrücken und sagen: Okay, vll ist ergibt es irgendwo noch Sinn, dass hier so viele Mechanismen sind, die mutmaßlich nur Samus bedienen kann. Aber man hätte sich ja acuh die Mühe machen können, in irgendeiner Form zu erklären (tell) oder zu zeigen (show), dass die Chozo selbst in der Lage sind, Morph Ball-Tunnel zu nutzen. Raven Beak (Dread) hat genauso einen Anzug wie Samus (ironischerweise hat er wohl keinen Morph Ball?), die Piraten in Prime versuchen immer, den Morph Ball nachzubauen, also wieso sollten andere Chozos das nicht selbst benutzen können. Diese kleine Lücke in Prime 1 ist irgendwie unnötig.
Nintendo ist das natürlich nicht ganz so wichtig wie eben das Gameplay oder das Leveldesign, was immer zuerst kommen wird, und daher wird man vll auch immer damit leben müssen, dass bspw. Vi-O-La schwachsinnigerweise einen Vi-O-La-Suit benötigt, der ein typischer Suit von Samus Aran ist, obwohl es in all der Larmorn-Lore keine Hinweise darauf gibt, wie sie selbst denn diese Motorräder verwendet haben. Sahen die dann einfach alle aus wie Samus mit dem Vi-O-La-Suit?
Ich liebe das Metroid-Universum, aber dass es im Großen und Ganzen nicht gerade viel Tiefe besitzt, vor allem was die institutionen angeht (und das trotz Manga und größerem GF-Fokus seit Tanabe da nen Fetisch entwickelt hat), ist ja schon ein Fakt.
Ist eben die Frage: Braucht es das? Es geht also um eine Art Balance zwischen Kern von Metroid und Kohärenz. Wenn man es mit dem World Building und der Kohärenz übertreibt, wird der Fokus verschoben, was dem Kern von Metroid möglicherweise gar nicht gut täte. Es wäre also immer ein Balanceakt um die Frage des Gewinns.
Im Hooked-Podcast über Prime 4 sagte Tom, dass Nintendo dieses ganze World Building und die Welt auf ernst beschreiben auch einfach ganz weglassen könne, eben wegen dieser Diskrepanz. So weit würde ich auf gar keinen Fall gehen - eben, weil bspw. Prime 1 ja zumindest ein paar kleine Schritte für eine "logische Einbettung" der Absurditäten macht (die man übrigens auch einfach nur lustig finden kann, geändert werden muss prinizipiell nix.)
Jetzt hab ich viel geschrieben,was vll sogar komplett an dem vorbeigeht, was du gemeint hast.
Ein gutes Setup geht und ging in Metroid schon immer: Super Metroid hat ein gutes Setup und ein gutes Setting, Metroid Prime 4 dagegen schlampt da irgendwie herum, baut Metroids auf, baut ein Artefakt auf, nur damit all das keinerlei Rolle spielt, weil das Setup an sich bewusst die Seitenlinie sein sollte (Viewros ist die Seitenlinie - es gibt ja sogar bewusst vollkommen vage Bezüge zu Zeitreise, nur damit man sagen kann: Metroid Prime 4 lässt sich nicht ver- und einordnen!) . Der Fehler liegt hier also hauptsächlich im Fundament. Man hat zu viel Angst vor der Hauptlinie, der man nicht im Weg stehen darf, obwohl der Metroid Arc (Metroid 1-5) ja nun auch nicht mehr ist als ein netter Anime.
Was Prime 4 in Bezug auf das Mysterium, der Motivation, eine Welt zu erkunden, nicht gut macht, liegt im angebotenen Fleisch. Es wirkt eben an vielen Stellen konsequenzlos und schnell zusammengeschrieben. Die Lamorn sind insgesamt eher lame und prinzipiell ähneln einige Punkte zu sehr den Chozo im ersten Teil. Es gibt nette Ideen wie die Tatsache, dass die Wächter losgeschickt haben, um die Auserwählte Samus zu finden, aber mehr als ne Fußnote ist das nicht. Was ist denn, wenn man mit diesem Auserwählten-Kram gespielt hätte insofern, als im Verlauf von Prime 4 die Frage ist: Ist nun Sylux, der sich in vielen Punkten kaum von Samus unterscheidet, nun dieser Auserwählte, oder Samus? Mit sowas hätte man vll spielen können. Klar ist ja, dass man in Prime 4 durchaus vorsichtig versucht hat, ein wenig World Building zu machen. Hauptsächlich über die Figuren. Gerade der Sniper mit seiner komischen Religion ist für mich der deutlichste Versuch, Charakter und Welt eine Facette hinzuzufügen.
Lustigerweise haben Metroid Dread und Metroid Prime 4 das gleiche Ziel: Wir sind auf einem Planeten gestrandet und wollen weg. Warum störe ich mich an der Welt von Prime 4 so viel mehr als an Dread, wo Dread doch nun eigentlich gar nicht so viel von seinem Planeten erzählt? Man erfährt irgendwo in Bildern ein wenig über die verschiedenen Gruppen an Chozos und ein Auftauchen von Kraid kann eigentlich nur von außen motiviert erklärt werden: Fanservice. Und trotzdem regt mich Prime 4 mehr auf. Warum? Weil es den Eindruck erweckt, mehr sein zu wollen (durch Lore, durch Sylux, durch den Zusammenhang seit Hunters). Metroid Dread geht sehr stark auf die Manga-/Anime-Schiene und erzählt eine recht persönliche Geschichte über Samus' Herkunft, was alles recht oberflächlich und quatsch ist, aber trotzdem funktioniert Raven Beak m.E. viel besser als Sylux und das muss ja Gründe haben.
Ich fände ein Metroid, welches mal einige dieser Metroid-typischen Albernheiten auf ernst umdreht interessant, und was draus macht:
- Samus ist frühestens seit der DNA-Kur durch die Chozos und spätestens seit Fusion kaum noch nur als Mensch zu bezeichnen. Das Thema Menschlichkeit könnte man also behandeln.
- Samus ist mit dafür verantwortlich, dass unzählige Planeten explodiert sind. Für wie viel Massenaussterben ist diese Frau verantwortlich, wie viele Alien-Wesen, Tiere und Pflanzen hat sie mit ausgelöscht?. Interessiert das wirklich keinen? (Solche Fragen tangieren m.E. am ehesten die Balance zwischen Gameplay/Leveldesign<->Kohärenz)
- Warum zum Teufel arbeitet sie immer noch unkritisch für die GF? Und wenn diese Frage zu groß ist, dann macht mal nen größeren Verschwörungsplot mit irgendwelchen Abtrünnigen Teilen des GF (sowas wird immer wieder angedeutet, in Fusion, in Other M - lasst dieses simple gut vs böse mal endgültig fallen). Tanabe hatte über Jahrzehnte nen GF-Fetisch, aber über Federation Force und Prime 4s Sylux kommt der nicht hinaus? Come on
- Geh mal all in, was deine Inspiration angeht. Mehr Alien. Jaja, wir hatten hier schon Diskussionen, dass sich auch Prime 4 an "einem der besten Filme aller Zeiten bedient [Aliens]" anlehnt. Ja gut, dann mach es halt nochmal in gut.
Was du wieder angerichtet hast, Chibi, jetzt hab ich ganz schön viel rumgeschwurbelt, weil du irgendeinen Punkt getroffen hast, der alle Dämme einbrechen ließ oder so. Zeigt auch wieder, wie widersprüchlich meine Ansprüche oder Vorstellungen und Wünsche an Metroid sein mögen, denn einerseits kann ich sowas schreiben, und andererseits würde mir ein Metroid Prime 2.0 so ziemlich reichen. Ich kann also auch verstehen, wenn man sagt: Gibt mir einfach nur einen guten Grund, um eine fremde Welt zu erkunden, und lasst das ganze Universum drumherum ganz weg. Bin ich komplett dabei!
Vielleicht wird durch einen Metroid-Film, über den es zumindest Gerüchte gab, ja genau dieses "Grand Universe", das große Ganze, mehr aufgebaut werden, und die Spiele bleiben so wie sie sind und das ist dann auch gut so.
World Building kann ja auch gut über Lücken funktionieren. Ich würde behaupten, das World Building von Dark Souls 1 ist phänomenal (und es verbindet Gameplay Mechaniken wie Sterben auch wunderbar mit der Story) - viele items, die in dark Souls herumliegen, haben narratives Gewicht, und daher kommt eine große Stärke dieses Spiels. Man findet bestimmte Waffen nicht wahllos an Orten, sondern diese Gegenstände sind narrativ an diese Orte gekoppelt.