Natürlich ist das schwierig. Wir haben halt nur bruchstückhafte Informationen, die hier und da mal an die Öffentlichkeit kommen, mit denen wir arbeiten können.
Aber aufgrund dieser Informationen kann man sowohl argumentieren, dass Microsoft Schuld dran ist, dass Starfield nicht auf Playstation kommt, als auch, dass Sony daran Schuld ist. Microsoft z.B., weil sie die Entscheidung getroffen haben, Starfield exklusiv zu machen, oder weil sie die letzte Generation komplett in den Sand gesetzt haben. Sony, weil sie Game Pass nicht auf Playstation haben wollen oder weil sie Microsoft durch ihre Exklusivdeals in Bedrängnis gebracht.
Wie gesagt: Es gibt hier kein Schwarz und Weiß, sondern nur viele Graustufen, die viele unterschiedliche Argumentation ermöglichen. Die einen sicherlich stärker als die anderen, aber ohne komplett Einblick in die Unternehmen zu haben, dennoch schlüssige Argumentationen.
ABER: Wie @Corvo geschrieben hat (danke für den Hinweis übrigens), war mal die Rede davon, dass Bethesda zum Verkauf stand. Ernstgemeinte Frage: War das je mehr als nur ein Gerücht oder hat man das einfach so als Fakt übernommen?
Sollte das der Realität entsprochen haben, dann wäre es auf das hinausgelaufen, was ich oben geschrieben habe: Eine Partei hat mehr geboten und fertig; entweder nehmen die uns die Spiele weg, oder wir ihnen.
Es wird sich niemand von Zenmax klar hinstellen und sagen, dass sie übernommen werden wollten. Das wird immer den Gerüchtestatus behalten und vielleicht ein offenes Geheimnis in der Branche sein.
Aber es ist zumindest nicht unlogisch. Mit Dishonored 2, Prey, Wolfstein 2 usw. hatte Bethesda einige Kritikerlieblinge, die aber kommerziell nicht so erfolgreich waren wie erwartet und wie die Vorgänger. Die Reaktion darauf war, dass man mehr auf Mulitplayer Service Games (Fallout 76, Wolfenstein Youngblood, das ursprüngliche Redfall) gesetzt hat, weil sich die Einzelspieler-Titel eben nicht gut genug verkauft haben.
Und da Fallout 76 und Wolfenstein sich auch nicht Verkaufskracher erwiesen haben, ist es zumindest alles andere als unlogisch, dass die Inhaber von Zenimax den Laden verkaufen wollten.
Du stellst es so dar, als hätten Microsoft unter Zugzwang gestanden, unter einem so großen Druck, dass die einzige Option gewesen ist, direkt den ganzen Laden zu kaufen. Wenn man sich angeblich so gut mit Bethesda versteht, warum ist man keine Deals eingegangen? Wenn es Gerüchte dazu gab, Sony wolle Starfield in irgendeiner Weise exklusiv machen, hätten Microsoft doch einfach mehr bieten können. In Rise of the Tomb Raider zum Beispiel haben sie viel investiert und dafür gesorgt, dass es vorerst nicht auf Playstation erschienen ist. Warum dann nicht auch bei Starfield? Was sagt das über die angeblich so tolle Beziehung zwischen MS und Bethesda aus, wenn es danach aussieht, als könnten sich nichts anrichten gegen das Angebot Sonys?
Microsoft ist auf jeden Fall unter Zugzwang gewesen, irgendwas zu tun, wenn sie nicht noch mehr Marktanteile an Sony verlieren wollten.
Und bei Entwicklungszeiten von teilweise 5 Jahren und mehr gibt es da keine schnellen Lösungen, die nicht auf den Aufkauf von Studios oder Publisher hinauslaufen, zumal man zu den 5 Jahren dann auch noch die Zeit hinzu rechnen muss, die der Aufbau eines neuen Studios zusätzlich in Anspruch genommen hätte.
Und für Exklusivrechte einfach mehr zu bieten, ist auch etwas, das einfacher gesagt wird als getan. Rechnen wir die ganze Sache jetzt mal ein bisschen schön für Microsoft und gehen davon aus, dass auf 1 verkaufte Xbox nur 2 verkaufte Playstations kommen, wäre die Sachen nicht damit getan gewesen, nur 110 Mio. Dollar für die Starfield-Rechte zu zahlen, wenn Sony z.b. 100 Mio. dafür geboten hätte. Mit Xbox-Exklusivität hätte Bethesda auf eine Installationsbasis verzichten müssen, die doppelt so groß ist auf der Xbox. Und diese Einnahmen, die Bethesda dadurch entgegangen wären, hätte Microsoft irgendwie ausgleichen müssen. Wenn Sony also z.B. 100 Mio. $ geboten hätte, um auf 50 Mio. Xbox-Kunden zu verzichten, wäre die Rechnung für Microsoft dann bei 200 Mio. $ rausgekommen, damit Bethesda auf 100 Mio. Playstation-Kunden verzichtet.
Für den Marktführer ist es immer deutlich günstiger, Exklusivrechte zu kaufen. Insbesonder dann, wenn die Schere in Sachen Marktanteil weit auseinander geht.
Jetzt kann man sicherlich sagen, dass Microsoft das Geld ja locker hätte. Aber das ist auch nicht weit genug gedacht, da Investitionen in Exklusivrechte nicht langfristig sind. Man erkauft sich kurzfristig einen Vorteil, der sich aber nicht unbedingt in langfristig mehr Kunden und mehr Einnahmen niederschlagen muss.
Kauft man hingegen Studios und Publisher statt einfach nur Rechte, erzielt man dadurch langfristig viel mehr Einnahmen, weil einem die ganzen Marken dann gehören und man nicht nur ein Anteil an den Verkäufen bekommt, sondern über Jahre hinweg den Großteil der Einnahmen durch die Verkäufe.
Und wie heißt es so schön? Bei Geld hört die Freundschaft auf. So gut sich die Leute bei Microsoft und Bethesda auch verstehen mögen, sind das immer noch Unternehmen, die für ihre Inhaber/Teilhaber Geld generieren sollen. Und dieses Geld wird immer über guten Beziehungen stehen, wie man ja auch an Jim Ryan sieht, der im Laufe der ABK-Übernahme so manche Brücke zu ABK kaputt gemacht hat.
Davon abgesehen ist Microsoft mit den Exklusivrechten bei Tomb Raider auch ziemlich auf die Nase gefallen. Die haben viel Kritik dafür eingesteckt, dass sie ein Multiplattform-Spiel eines Studios, das ihnen nicht gehört, zeitexklusiv gemacht haben. Warum sich also solcher Kritik aussetzen, aber dann nicht gleich den ganzen Laden kaufen?
Zum Thema "Eskalationsspirale":
Exklusive Plattform-Deals sind so alt wie Konsolen. Das erste Tomb Raider kam für den Saturn raus, bevor es (wenige Wochen später!) auch auf Playstation und PC veröffentlicht wurde. Final Fantasy gab es nur auf Nintendo-Konsolen, bis sich Big N und Square zerstritten haben, und die Reihe Playstation-exklusiv wurde.
In der Xbox360/PS3-Generation hatte MS exklusive Rechte an Inhalten für Spiele wie Call of Duty, Sony hatte aber auch exklusive Deals z.B. für Assassins Creed.
Meiner Meinung nach hat sich das Ganze bereits in dieser Generation zugespitzt, aus einem einfachen Grund: immer mehr Spiele wurden zu Multiplattform-Titeln. Man brauchte etwas, mit dem man sich von der Konkurrenz abheben konnte.
Es war schon damals Mist und ist es auch heute noch - darin sind wir uns sicherlich einig.
Wo man jetzt den Anfangspunkt für diese Exklusivspielspirale sieht, lässt sich sicherlich debattieren.
Aber wir sind jetzt halt an einem Punkt, an dem so viel Geld auf dem Spiel steht, dass sich einzelne Marktteilnehmer dazu gezwungen sehen, ganze Publisher und Studioansammlungen zu übernehmen, um ihre Marktposition zu festigen oder gar auszubauen.
Das ist schon nochmal eine Eskalationsstufe höher als in der PS360-Generation, zumal es ja hier auch nicht nur Exklusivrechte ging, sondern, wenn man Microsoft Glauben schenken darf, auch um einen Angriff Sonys auf Microsofts neues Game Pass-Geschäftsmodell, indem sie nicht nur Exklusivrechte ausgehandelt haben, sondern auch Deals, die den Publishern/Entwicklern untersagt haben, ihre Spiele im Game Pass anzubieten.
Auch hier müssen wir uns wieder auf die paar Informationsbrocken verlassen, die uns zugänglich sind, aber aus Microsofts Sicht kann man das schon als zusätzliche Bedrohnung ansehen. Auf Final Fantasy 6 oder 12 Monate verzichten zu müssen, ist eine Sache, weil das sowieso eine Marke ist, die eher mit Playstation in Verbindung gebracht wird, aber Final Fantasy danach auch nicht in den Game Pass bringen zu können, um auf Xbox dadurch eine größere Fanbasis schaffen zu können, die sich für Final Fantasy oder generell japanische Spiele interessiert, ist dann nochmal was anderes.
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Exclusiv ist Schmutz und Sony's Favorit und jetzt können sie ihr Gift mal kosten. Exclusiv bringt mich eher davon ab eine bestimmte Konsole zu kaufen weil Zwang auch Schmutz ist. MS hat zum Glück PC und Konsole also alles richtig gemacht. MS for the Players!
Du merkst aber schon, dass Du Dir mit diesem Post komplett widersprichst, oder? Deiner "Exklusiv ist Schmutz"-Argumentation dürfte Microsoft nach der Übernahme mehrerer Studios, deren Spiele sie exklusiv gemacht haben, auch nicht mehr "for the Players" sein.
Waren sie übrigens, ebenso wie Sony, Nintendo oder fast alle anderen großen Studios (bei Indies kann man sich vielleicht drüber streiten) noch nie. Die waren schon immer "for the Shareholders". Und das werden sie immer sein.
Wir als Spieler können vielleicht dabei das Glück haben, dass für uns auch noch genug positive Brotkrumen abfallen, weil die Unternehmen ohne uns überhaupt kein Geschäftsmodell hätten, über das sie für ihre Investoren Geld verdienen können, aber wir sind ganz sicher nicht deren Hauptaugenmerk.