1. Warum einen Plan vorgeben, wenn man keinen Plan hat? - Vize-Admiral Holdo rückt nach dem Angriff auf die Brücke des Widerstandsflaggschiffs als Captain eines der anderen Schiffe in der Hierarchie soweit nach, dass sie die restliche Flotte auf der Flucht vor der neuen Ordnung wegführen soll. Mit ein bisschen Glück soll der Planet Crait erreicht werden, dessen alte Salzmine so lange als Unterschlupf dienen soll, bis Verstärkung eintrifft. Jetzt fragt sich der Zuschauer zurecht, wieso Holdo niemanden, vor allem nicht Poe Dameron, in den Plan einweiht? Ein kurzer Satz mit dem vermeintlichen Ziel Crait hätte doch gereicht und Poe hätte nicht eine Meuterei angezettelt und den Nebenstrang mit Finn und Rose auf Canto Bight in Gang gebracht.
Ich vermute einerseits Holdos Eitelkeit, vor allem gegenüber Poe die dauernde Ablehnung seines Draufgängertums (sie will sogar so hoffnungslose Fälle wie Poe vor der Ersten Ordnung retten), aber auch, dass sie zu keiner Zeit glaubt, dass der Plan aufgeht und der Treibstoff bis dahin reicht. Auch kann es sein, dass sie einen Verräter in den eigenen Reihen vermutet, denn die Erste Ordnung konnte der Flotte in den Hyperraum folgen. Es stellt sich ja erst im Verlauf der Handlung heraus, dass das Flaggschiff der Ersten Ordnung dies durch neue Technologie, und nicht durch einen geheimen Verräter erreicht. Erst als Crait erreicht wird, lässt sie den letzten Treibstoff in die Transporter füllen und opfert sich, um dem Widerstand so zumindest für einen Moment aufhalten zu können.
Das Schlimme: Erst durch Poes Misstrauen wird ja der Plan zur geheimen Flucht des Widerstands nach Crait vereitelt, weil der angeheuerte Hacker aus Profitgier in der Lage ist, die Tarnmuster der Transporter zu hacken und so dem Widerstand schlimme Verluste durch die Erste Ordnung hinzuzufügen. Somit ist Poe indirekt Schuld an dem Tod vieler Widerständler.
2. Die Suche nach dem Hacker, oder Wilde Ritte auf Canto Bight - Dieser Nebenstrang um Rose und Finn entspinnt sich ja erst, als der 1. Punkt in Kraft tritt. Eigentlich ist diese Szenenabfolge völliger Unsinn, weil sie den Film eigentlich gar nicht voranbringt. Oder vielleicht doch?
Größtenteils sehen wir hier, wie Finn und Rose verzweifelt versuchen einen notorischen Hacker ausfindig zu machen, dann aber wegen Eingriffs der örtlichen Behörden erst entkommen und später mit einer zwielichtigen zweiten Wahl Vorlieb nehmen müssen. Sicherlich hätte man das Drehbuch ein bisschen ändern können und einige der Elemente anders aufbauen können. Vor allem hätte man so den Film gut und gern um 20 bis 30 Minuten kürzen können. Aber andererseits wollte man auch die Beziehung zwischen Finn und Rose weiter ausbauen, und dies wäre wohl kaum anders, als durch ein gemeinsames Abenteuer gegangen. (schade wäre es nur, wenn Episode IX diese aufkeimende Beziehung durch einen Handstreich wieder auflöst, indem z. B. Rose gleich zu Beginn des neuen Films stirbt oder so)
Auch vielfach wurde zu Ende des Films die mögliche Intervention bei Finns Heldenopferung bei der Rammbockkanone bemängelt. Ja, hätte man nicht Finn für das große Ziel opfern können und sich Rose nicht dazwischenschmeißen können? Sicher, aber wie Rose schon sagt - sie hätte damit nicht leben können, sie tat es aus Liebe. (auch weil sie zu Beginn des Films erst ihre Schwester verlor) Noch wissen wir nicht, wohin die Reise mit den beiden geht, aber trotzdem hat man hier etwas an der Vertiefung der Beziehung zwischen den beiden Figuren gearbeitet. Was das bringt, wird hoffentlich der nächste Film zeigen.
Trotzdem: Die Szene mit den komischen Reittieren und dem Kind am Ende war selbst in meinen Augen total unnötig. So nach der Devise: Seht her, ich habe hier vielleicht noch ein Ass im Ärmel, liebe Zuschauer.
3. Eine Brücke explodiert, aber die Jedi sind stärker als die Laser, die auf sie abgeschossen werden - Ja, wer erinnert sich nicht an Prinzessin Leias Flug zurück ins Schiff, nachdem die Brücke von Kylo Ren ins Nirwana gepustet wurde. Wäre es nicht viel effektiver gewesen, die alten Figuren langsam aussterben zu lassen, um den neuen Figuren mehr Raum einzuräumen? Schon möglich.
Ich hätte den Kniff vielleicht auch besser gefunden, wenn Leia bei dem Angriff umgekommen wäre, aber man kennt überhaupt nicht ihr Machtpotenzial. Weder wird es in einem der Vorgängerteile erklärt (hier gibt es nur eine Telepathieszene am Ende von "Das Imperium schlägt zurück", sonst gar nichts), noch sieht man sie in irgendeiner Weise machtfertig agieren. Aber warum versteckt die Tochter von Darth Vader, der seinerzeit als einer der mächtigsten Jedis galt, bevor er ein Sith wurde, ihre Kräfte derart, dass man nur denken könnte, dass Luke der wichtigste aller Jedi wäre? Das Traurige: Man wird es nie erfahren, denn Leia wird kaum (auch nicht durch Motion Capturing) in Episode IX vorkommen, da Carrie Fisher leider während der Dreharbeiten verstarb. Hier holt leider die Realität das Drehbuch ein und erst der nächste Film findet hoffentlich eine Antwort auf diese Frage. War die Szene seltsam? Ja. War sie unmöglich? Nein, keinesfalls.
4. Lukes plötzliches Liebäugeln mit der Dunklen Seite der Macht - Warum greift ein Jedi-Meister plötzlich seinen Schüler an? Für viele wurde hier die Figur des Luke Skywalker unmöglich gemacht, selbst Mark Hamill fand sich in dieser Rolle falsch und missverständlich dargestellt und ist seitdem auf den Regisseur nicht mehr gut zu sprechen. Immerhin sieht er sein Erbe bedroht. Wirklich?
Ich glaube, der entscheidende Hinweis liegt in der Begegnung mit seinem alten Meister Yoda begründet. Dieser erklärt ihm, dass man erst zu einem Jedimeister heranreifen kann, wenn man auch Niederlagen einsteckt und diese erkennt. Aus einem Fehlschlag kann so in Zukunft und für nachfolgende Generationen ein Erfolg gemacht werden, wenn die Erkenntnis kommt. Auch Obi-Wan Kenobi war so sehr von seinem einstigen Zögling Anakin Skywalker enttäuscht, vielmehr von sich selbst, weil er es nicht erkannt hat, dass er aus Luke unbedingt einen besseren, selbstreflektiven Jedi machen wollte. So erlangte Obi-Wan Kenobi in der direkten Konfrontation mit Vader seine Absolution, und erst ab dann war er auch wirklich Meister Obi-Wan.
Bei Luke ist es in der finalen Konfrontation mit Kylo Ren doch genauso. Auch wenn er nicht persönlich zugegen ist, so stellt er sich doch seinem Schüler ein letztes Mal, sei es auch nur, um seinen Nachfolgern die Flucht zu ermöglichen. Letztlich schließt aber auch hier Luke den Kreis zwischen Verrat an seinem Schüler und Rettung der nachfolgenen Jedi-Generation, namentlich Rey, und wird im Tode zum Jedi-Meister. Auch wenn das filmisch mit dem Holzhammer erzählt wurde und dramaturgisch eher "meh" erklärt wurde, macht es trotzdem Sinn. Auch hier muss sich zeigen, was sein Vermächtnis im letzten Film für Rey bringt.
5. Warum Rey so schrecklich uninteressant ist - Was zeichnet einen guten Helden aus? Ein guter Drehbuchschreiber muss seinen Helden immer als Identifikationsfigur nahe am Zuschauer platzieren, so dass eine glaubwürdige Geschichte auch überraschende Wendungen und eine Katharsis beinhaltet. Bei Rey gelingt dies schon seit "Das Erwachen der Macht" nicht, und das hat einen einfachen Grund: Sie ist zu perfekt! In "Das Erwachen der Macht" konnte sie ohne Übung den Millenniumfalken fliegen. Sie konnte Kylo Ren in einem Laserschwertduell ohne viel Mühe besiegen. Sogar auf der Starkillerbase konnte sie fast im Alleingang das Abwehrsystem deaktivieren, um dem Widerstand den Angriff und die Zerstörung zu ermöglichen.
Warum gestaltet man eine zentrale Figur wie Rey als so fehlerlos und perfekt? Welche Fallhöhe besitzt sie noch dem Zuschauer gegenüber? Es heißt, dass Filme erst dann gut sind, wenn der Gegner dem Helden so viel entgegenstellt, dass der Held nach etlichen Fehlschlägen daran wachsen kann und so am Ende über den Feind triumphieren kann. Weder in "Das Erwachen der Macht", noch in "Die letzten Jedi" kann jemand Rey auch nur entfernt das Wasser reichen. Sogar in der Konfrontation mit den Zenturios von Snoke kann Rey mit Kylo Rens Hilfe triumphieren. Als Zuschauer fehlt dort einfach die Identifikation und vor allem die Furcht, dass dem Helden erst etwas schlimmes passieren kann. Das macht Rey so uninteressant. Selbst in der Höhle unter Ahch-To, als sie in dieser seltsamen Sequenz nur sich selbst begegnet, wird sie nicht mit ihrer eigenen Angst konfrontiert. Möglich, dass diese Szene bedeutet, dass um sie herum auch nur sie existiert, sie also als alleingestellte Entität in der Geschichte angesehen werden muss, die keinen Zweck erfüllt.