Der Marisaner - Rettet Mark Watney (3D)
Es ist großer Kinomonat, denn was derzeit alles über die Leinwand flimmert, ist fast alles wert gesehen zu werden.
So auch hier nach "Interstellar" und "Gravity" der dritte Weltraumfilm in den letzten zwei Jahren. Doch während "Interstellar" von Christopher Nolan ganz herkömmlich auf 35 mm Kleinbildformat gedreht wurde, legten Alfonso Cuarón und Ridley Scott feinstes State-of-the-Art-3D auf die Schippe. Und herausgekommen sind bei beiden Filmen großartige, tiefe Bilder.
Während "Gravity" um Detailtreue bemüht war, an manchen Stellen aber zugunsten filmdramaturgischer Funktionalität etwas die Gesetze der Physik aushebeln musste, orientiert sich "Der Marsianer" überwiegend an Fakten und weicht nur in ganz wenigen Szenen von der Realität ab. Der erste und größte Fauxpas passiert zum Glück gleich zum Beginn des Films und es wird in den nächsten zweieinhalb Stunden zum Glück nicht mehr so oft darauf eingegangen. Auch hier war die Dramaturgie das wichtigste Stilmittel.
Nachdem also seine Crew überstürzt abfliegen musste, muss sich Mark Watney (herrlich selbstironisch dargestellt von Matt Damon) auf einen langen Aufenthalt auf dem lebensfeindlichen Planeten Mars einstellen und sich mit allerhand Erfindungsreichtum und botanischen Kenntnissen "mit Hilfe der Wissenschaft aus der Sch..ße ziehen."
Während damals Tom Hanks in "Cast Away" auf einer einsamen Insel gestrandet ist, und nur einen Volleyball als Gesprächspartner hatte, behilft sich Mark alsbald mit dem Anlegen eines Videotagebuchs, auf diese Weise wird also die Vierte Wand durchbrochen. Es ist also für den Zuschauer keine Langeweile geboten, ihm einfach nur schweigend bei seiner Arbeit zuzuschauen. Hier wird gewitzelt, einfallsreich ausprobiert, gescheitert, an sich selbst rumgedoktort und auch sonst kommt auf dem Roten Planeten mit Mark keine Langeweile auf.
Natürlich kann er bald Kontakt zur Erde herstellen und die NASA muss für den Totgeglaubten ein Rettungsteam zusammenstellen. Werden sie es rechtzeitig schaffen, bevor Mark die Vorräte ausgehen?
Ridley Scott steht auch im hohen Alter von über 80 noch immer für allerhöchste, filmische Qualität und auch sein neuestes Werk enttäuscht nicht. In mancher Hinsicht dürfte es kaum eine bessere Publicity für ein Umdenken in der bemannten Raumfahrt geben, denn was hier an Pioniergeist und Tatendrang an den Tag gelegt wird, dürfte es kaum ein besseres Werbevideo für NASA und Konsorten geben. Da stellt sogar den positiven Werbeeffekt von Flugzeugen in "Top Gun" für die US Navy in den Schatten. Auch hier wieder ein Punkt mehr für den älteren der Scott-Brüder.
Großen Anteil am Funktionieren des Films haben aber neben der ganzen physikalischen Faktentreue auch die Schauspieler, und hier überzeugt vor allem Matt Damon ganz besonders. Er wird zum Glück nicht als Superheld mit Superkräften dargestellt, sondern wirklich nur als das, was er ist: Ein Botaniker mit einem glücklichen Händchen für Technik, den man unbedingt wieder zurückholen will. Während Bruce Willis wohl eigenhändig eine Atombombe in den tiefsten Marskrater geworfen hätte und vorher noch eine glühende, patriotische Brandrede auf die USA gehalten hätte, ist hier ein internationales Team und eine Raumschiffcrew einfach nur daran interessiert, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (und auch ner ganze Menge Geld in der Hinterhand) ihren verlorenen Sohn zurückzuholen. Kein Hurra-Patriotismus, sondern tatsächlich nur Realdramatik.
Auch wenn es anfangs etwas zum lachen ist, dass ausgerechnet Matt Damon und Jessica Chastain wieder in einem Weltraumfilm auftauchen, und dann fast in exakt der gleichen Konstellation wie in "Interstellar", dieses Mal aber Matt Damon der Gute ist, spielt vor allem Jessica "Muuuuurph!" Chastain ihre Rolle wirklich viel besser und glaubwürdig. Überhaupt gibt es am Cast nichts zu bemängeln, weil hier niemand als Zitategeber oder Quotenwitzbold herhalten muss. Einzig Kristen Wiig in der Rolle der Public Relations-Dame der NASA hat keine wirkliche Funktion. Sie kommt dafür aber auch fast nie vor.
"Der Marsianer" unterhält trotz der Wahnsinnsdauer von 144 Minuten durchweg und lässt keine Langeweile aufkommen. Das Ende ist so spektakulär inszeniert, dass 3D in diesem Film absolute Pflicht ist, weil hier nach dem großartigen "Gravity" wirklich die Loslösung von "oben und unten" kaum besser als mit 3D dargestellt werden kann. Ridley Scott legt also die Schippe wieder ordentlich voll hin und hinterlässt danach absolut staunende Zuschauer. So muss das, so gehört sich feinste und anspruchsvolle Kinounterhaltung.
9/10
Es ist großer Kinomonat, denn was derzeit alles über die Leinwand flimmert, ist fast alles wert gesehen zu werden.
So auch hier nach "Interstellar" und "Gravity" der dritte Weltraumfilm in den letzten zwei Jahren. Doch während "Interstellar" von Christopher Nolan ganz herkömmlich auf 35 mm Kleinbildformat gedreht wurde, legten Alfonso Cuarón und Ridley Scott feinstes State-of-the-Art-3D auf die Schippe. Und herausgekommen sind bei beiden Filmen großartige, tiefe Bilder.
Während "Gravity" um Detailtreue bemüht war, an manchen Stellen aber zugunsten filmdramaturgischer Funktionalität etwas die Gesetze der Physik aushebeln musste, orientiert sich "Der Marsianer" überwiegend an Fakten und weicht nur in ganz wenigen Szenen von der Realität ab. Der erste und größte Fauxpas passiert zum Glück gleich zum Beginn des Films und es wird in den nächsten zweieinhalb Stunden zum Glück nicht mehr so oft darauf eingegangen. Auch hier war die Dramaturgie das wichtigste Stilmittel.
Nachdem also seine Crew überstürzt abfliegen musste, muss sich Mark Watney (herrlich selbstironisch dargestellt von Matt Damon) auf einen langen Aufenthalt auf dem lebensfeindlichen Planeten Mars einstellen und sich mit allerhand Erfindungsreichtum und botanischen Kenntnissen "mit Hilfe der Wissenschaft aus der Sch..ße ziehen."
Während damals Tom Hanks in "Cast Away" auf einer einsamen Insel gestrandet ist, und nur einen Volleyball als Gesprächspartner hatte, behilft sich Mark alsbald mit dem Anlegen eines Videotagebuchs, auf diese Weise wird also die Vierte Wand durchbrochen. Es ist also für den Zuschauer keine Langeweile geboten, ihm einfach nur schweigend bei seiner Arbeit zuzuschauen. Hier wird gewitzelt, einfallsreich ausprobiert, gescheitert, an sich selbst rumgedoktort und auch sonst kommt auf dem Roten Planeten mit Mark keine Langeweile auf.
Natürlich kann er bald Kontakt zur Erde herstellen und die NASA muss für den Totgeglaubten ein Rettungsteam zusammenstellen. Werden sie es rechtzeitig schaffen, bevor Mark die Vorräte ausgehen?
Ridley Scott steht auch im hohen Alter von über 80 noch immer für allerhöchste, filmische Qualität und auch sein neuestes Werk enttäuscht nicht. In mancher Hinsicht dürfte es kaum eine bessere Publicity für ein Umdenken in der bemannten Raumfahrt geben, denn was hier an Pioniergeist und Tatendrang an den Tag gelegt wird, dürfte es kaum ein besseres Werbevideo für NASA und Konsorten geben. Da stellt sogar den positiven Werbeeffekt von Flugzeugen in "Top Gun" für die US Navy in den Schatten. Auch hier wieder ein Punkt mehr für den älteren der Scott-Brüder.
Großen Anteil am Funktionieren des Films haben aber neben der ganzen physikalischen Faktentreue auch die Schauspieler, und hier überzeugt vor allem Matt Damon ganz besonders. Er wird zum Glück nicht als Superheld mit Superkräften dargestellt, sondern wirklich nur als das, was er ist: Ein Botaniker mit einem glücklichen Händchen für Technik, den man unbedingt wieder zurückholen will. Während Bruce Willis wohl eigenhändig eine Atombombe in den tiefsten Marskrater geworfen hätte und vorher noch eine glühende, patriotische Brandrede auf die USA gehalten hätte, ist hier ein internationales Team und eine Raumschiffcrew einfach nur daran interessiert, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (und auch ner ganze Menge Geld in der Hinterhand) ihren verlorenen Sohn zurückzuholen. Kein Hurra-Patriotismus, sondern tatsächlich nur Realdramatik.
Es ist bei der Liveberichterstattung in alle Welt am Ende des Films tatsächlich so, dass hier nicht die USA als großer Heilsbringer dargestellt wird, sondern eine mit Know How ausgestattete Organisation, die sich sogar von den Chinesen (!) unterstützen lassen muss, ein kleines wissenschaftliches Wunder vollbringen muss. Erinnert sich noch jemand an das Grubenunglück mit über 20 Bergarbeitern in der Atacamawüste in Chile? Die Berichterstattung läuft in beiden Fällen gleich ab. Dafür muss man Ridley Scott einfach danken.
"Der Marsianer" unterhält trotz der Wahnsinnsdauer von 144 Minuten durchweg und lässt keine Langeweile aufkommen. Das Ende ist so spektakulär inszeniert, dass 3D in diesem Film absolute Pflicht ist, weil hier nach dem großartigen "Gravity" wirklich die Loslösung von "oben und unten" kaum besser als mit 3D dargestellt werden kann. Ridley Scott legt also die Schippe wieder ordentlich voll hin und hinterlässt danach absolut staunende Zuschauer. So muss das, so gehört sich feinste und anspruchsvolle Kinounterhaltung.
9/10