Nightmare Kart (PC, Fangame)
Launch Trailer
Jetzt fängt der auch noch an, über Fanspiele zu reden! Ich liebe Funracer, und die macht niemand mehr in einer Weise, die mir gefällt. Deswegen guckt man, was Fans so treiben.
Sonic Racers wurde vor einem Monat aus dem Nichts released. Das ballert ganz schön, aber hier soll es jetzt um Nightmare Kart gehen!
Bei Nightmare Kart handelt es sich um eine Bloodborne-Parodie. Eigentlich war es mal Bloodborne Kart, doch Sony ist ein Drecksladen und hat der Entwicklerin gesagt, sie solle die Marke da wegmachen (komischerweise hat Sony sich um ihr Bloodborne PSX-Demake nicht geschert). Eigentlich war Nightmare Kart mal als Aprilscherz gedacht, für den ein Fake-Leak eines Bloodborne Funracers Pate stand. Aufgrund des Erfolges des Trailers entschied sie sich aber dafür, das durchzuziehen. Zum Glück, denn es ist sehr gut geworden!
Nun, wie bewertet man ein kostenloses Fan-Spiel, das bewusst aussieht wie PS1-Schmu (sieht gut aus mit vielen Grafikeinstellungen und Filtern. Besonders die Animationen sind hervorragend) und natürlich weder in Bezug auf polish noch beim Content wirklich mit Größen der Industrie mithalten kann (ja sogar weit hinter größeren Fanprojekten wie Ring Racers zurückfällt)? Keine Ahnung, aber es ist geil!
Fangen wir doch mit dem an, was wichtig ist: Dem Gameplay! Die Steuerung ist auf dem ersten Blick etwas überladen und ungewöhnlich. Weil es ein PS1-Spiel imitiert, verwende ich die PS-Knöpfe: X Gas, Viereck Boost, Kreis Bremsen/Rückwärts, Kreis+X Power Break für 180°-Drehungen und Drehen im Stehen. Dreieck für Hupen. Mit dem linken Stick (oder dem Steuerkreuz) lenkt man. L1 driften, R1 Items, L2/R2 links/rechts schauen, L2+R2 nach hinten schauen.
Die Grundmechaniken sind alle eine Übertragung von Bloodborne-Mechaniken (Namen geändert). Für Drifts bekommt man Aethervials, die man für’s Boosten braucht (5). Boosten kostet aber nicht nur diese Ressource, sondern auch die bekannte Ausdauer - so kann man mit Snaking nicht unendlich boosten. Das fühlt sich ganz gut an und macht Spaß. Sicherlich ist der Übergang zwischen Sprung und Drift nicht so schick wie in einem Mario Kart, sondern etwas abgehakt, aber damit kann ich leben. Tricks bei Sprüngen über Rampen etc. gibt es ebenfalls (bringt 3 Aethervials). Schade ist, dass der Boost etwas kurz anhält bzw. gefühlt keinen allzu großen Geschwindigkeitszuwachs gibt. Generell dürfte das Spiel gerne ein ganzes Stück schneller sein. Trotzdem ist das pure Gameplay schon sehr spaßig. Besonders die Rampen haben so weiße Beschleunigungsstreifen, dann wird’s ausnahmsweise mal ein bisschen schneller.
Eine weitere Grundmechanik eines jeden Souls-Spiels ist die HP-Anzeige! Man kann also sterben und muss dann einen sehr langen Respawn-Prozess als Strafe abwarten. Das bedeutet aber auch, dass Gegner ebenfalls gekillt werden können. Außerdem gibt es auf jeder Strecke typische Bloodborne-Gegner wie versiffte Irre mit Äxte, Werwölfe und der Gleichen mehr. Das Töten von Gegenspielern oder Gegnern gibt Seelen, die die Höchstgeschwindigkeit erhöhen – eine smarte Verbindung von Souls und den Münzen aus MK.
Getötet wird mit diversen, Funracer-typischen Items, die einen Bloodborne-Twist haben. So gibt es keine wirklichen Äquivalente zu grünen und roten Panzern, sondern Schusswaffen wie Pistole und Shotgun - letztere macht aus der Nähe getroffen erheblichen Schaden. Gezielt wird automatisch (was nicht bedeutet, dass man immer trifft) und mit den Knöpfen zum Umschauen kann man auch Gegner links/rechts oder hinter einen treffen, was m.E. recht fummelig ist. Deswegen schaue ich mich kaum um. Das gehört zwar irgendwie zum Programm, aber ist ein gutes Beispiel dafür, dass früher doch nicht alles besser war. Es gibt natürlich ein Item, das funktioniert wie die Banane in MK und den blauen Panzer ebenso. Am meisten stechen wohl die Nahkampfwaffen heraus, von denen es eine ganze Reihe unterschiedlicher gibt, die sich im Hinblick auf Schaden und Ausdauer-Kosten unterscheiden. Sie sind nicht nur dazu da, um andere Fahrer zu vermöbeln, sondern geben einen enormen Boost, weswegen man sie als MK-Pilz-Verschnitt ansehen könnte. Der Boost geht immer in die Richtung des nächsten Gegners, man kann das Item also taktisch einsetzen. Einen Goldenen Pilz hat das Spiel ebenfalls. Das ist ein durchgehender Boost, der bei Berührung mit einem anderen Fahrer einen „Visceral Boost“ auslöst, also das Äquivalent zum visceral von Bossen nach einem stagger in Bloodborne. Dabei bekommt man noch einen ordentlichen Extraboost. Im normalen Spielverlauf bekommt man die Möglichkeit für einen Visceral Boost, wenn man die Poise (?) eines Fahrers gebrochen hat. Dann kann man beim in-ihn-reinfahren Boost drücken. In einem
Interview mit Noclip sprach sie auch mal über Bloodborne Kart und meinte, das Spiel erschaffe sich selbst, und das merkt man, wie diese ganzen Mechaniken sich organisch in das Funracer-Genre übertragen.
Und bockt es? Ja! Das Core Gameplay ist super, etwas zu langsam, aber super! Die Gaudi geht ab mit 21 Charakteren, die größtenteils wegen Sonys böser E-Mail abgeänderte Bloodborne-Parodien darstellen. Die sprechenden Charaktere wurden von diversen Voice Actors eingesprochen (bspw. spricht Suzi Hunter die Puppe). Es gibt also einige Charaktere freizuschalten, auch wenn das - aufgrund des überschaubaren Contents – sehr schnell geht. Stats haben die natürlich auch (Handling, Size, Weight). Einige Charaktere dürfen sich eines der 13 Karts aussuchen.
Bei den Modi wurde mir ein kleines Träumchen erfüllt: Es gibt eine Kampagne, die zwar ohne Hub-World (was sich für Bloodborne angeboten hätte) auskommt, dafür aber Bosskämpfe aus Bloodborne übernimmt. Die sind tatsächlich das Highlight des Spiels, vor allem die letzten beiden machen viel Spaß. Das liegt auch daran, dass die Battle-Modi des Spiels sehr gut gelungen und spielbar ist. Sonst mag ich Battle Modes in Spielen wie Mario Kart eigentlich überhaupt nicht. Liegt wahrscheinlich an den Waffen und der Power Break. Neben den Bossen werden in der Kampagne gewöhnliche Rennen und Arenakämpfe (Battle Mode) geboten. Man sammelt Insight (ein Begriff, der so allgemein ist, dass selbst Sonys Ninjas da nicht meckern!) und kann versteckte, optionale Sachen finden, um bei einer Entscheidung am Ende das richtige Finale freizuschalten. Die Story wird über Textboxen und Dialoge während der Bosskämpfe rübergebracht. Ganz nett, aber sicherlich der unbedeutendste Aspekt des Spiels. Mit ungefähr 1,5 Stunden ist der Umfang nicht unbedingt riesig. Schade ist, dass es keinen Cup-Modus gibt. Dafür mag es zu wenige Strecken geben, aber 2 Cups kriegt man zusammen, und so banal wie so ein Modus auch sein mag, nett ist das immer. Time Trial gibt es leider ebenfalls nicht.
Kurz etwas zu den Strecken: Die sind alle an Bloodborne-Gebiete angelehnt. Das Design ist … okay? Insgesamt ist man mir da glaube ich nicht wild genug und es gibt nirgends wirkliche Abkürzungen. Manche Strecken sind echt öde, andere solide. Clocktower und der Wald sind denke ich die besten. Musikalisch sind sie allesamt fantastisch untermalt.
Leider hat das Spiel eine enorme Schwäche: Die KI. Lilith hat sich löblicherweise gegen rubber banding entschieden. Sie meinte auf X, dass KI (und Netcode) ihre größten Schwächen seien, und das sieht man leider sehr deutlich. Die KI ist auf schwer voreingestellt und konnte schon bei meinen ersten Fahrversuchen nicht mithalten. Daher gibt es im Grunde nicht mal im Ansatz sowas wie Anspruch oder überhaupt Rennen. Nun kann man einwerfen, dass ein Diddy Kong Racing ebenfalls vollkommen anspruchslos ist und man diese sogar überrunden wird, sobald man die Grundmechaniken verinnerlicht hat, aber von einem Fangame würde ich eine KI erwarten, die man schneller machen kann. Ring Racers schafft das auch. Aber hier enden die Probleme mit der KI nicht, nein: Das Pathfinding wird zwar immer noch in jedem Patch verbessert (sind bei Version 1.07), aber sie bleiben hin und wieder immer noch irgendwo hängen oder fahren hirnverbrannt gegen irgendeine Wand. Sehr, sehr schade. Fixen könnte so etwas ein Online-Modus, den es leider nicht gibt. Man kann das Spiel im Splitscreen mit bis zu vier Spielern zocken, was sehr löblich ist, und es ist möglich, diesen Modus via Remote Play auf Steam online zu verwenden, aber ein dedizierter Online-Modus wäre echt super gewesen. Ein Ring Racers schafft das ebenfalls. Zugegebenermaßen ist das Team von Nightmare Kart deutlich kleiner bzw. die Hauptarbeit macht eine Person und dafür ist das alles schon beeindruckend. Mit dem Jank kann ich mich abfinden und es wird ja immer noch gepatched.
Es war sehr spannend, die Entwicklung des Spiels zu verfolgen. Es ist kostenlos verfügbar:
itch.io
Steam
Wenn man will, kann man es über pay what you want unterstützen. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall, wenn man auf Funracer steht! Das Spiel ist glaube ich einigermaßen erfolgreich. Knapp eine halbe Millionen Downloads.
Lilith Walther (Link zum Twitter-Account) ist in gewissen Kreisen schon eine kleine Internet-Bekanntheit geworden.
FANGAME/10 (irgendwas zwischen 6 und 7 oder so)
The Legend of Zelda Majora's Mask (PC, Zelda64Recomp)
Kaum gibt es eine "PC"-Version, guck ich natürlich rein und nun ja ... dann kann man es auch durchballern ... aber was gibt es da noch groß zu sagen? Eines der besten Spiele in höherer Auflösung, zig Einstellungen und mehr FPS! Geil.
Ja, im Kleinklein gibt es sicherlich eine Menge zu bemängeln. Viele nervige Hol- und Bringdienste vor den Dungeons mit heftigen Lowlights (der Brunnen ...), nerviges Item- und Maskengefummel und ständiges Okarina-Spielen an manchen Stellen, zu einfach, sehr formelhaft, aber meine Güte, was ist das Spiel geil auf Story- und Charakterebene. Meine größte Videospielliebe. Man kann sich gern drüber lustig machen über Leute, die Spaß daran haben, in so ein Spiel jeden Scheiß reinzuinterpretieren, es über zu analysieren, aber da steckt was drin - und selbst wenn es nur ein Zufallsprodukt aufgrund der schlimmen Entwicklungsumstände ist!
10/10