Just Cause 2
Ist zwar schon ein Weilchen her, musste ich aber trotzdem noch mal nachreichen.
O.k., ich bin ehrlich, in den ersten 10 (?) Stunden habe ich noch gedacht, dass das von all den Spielen, die ich im Laufe meiner 360-Zeit gezockt habe, das mit Abstand schlechteste Spiel sein muss. Die ganzen guten Bewertungen (auch hier im Forum) haben mich aber dann veranlasst, doch noch dranzubleiben und es nicht gleich in die Ecke zu pfeffern. Ich will nicht sagen, dass es sich am Ende "gelohnt" hat, aber zumindest habe ich nach den etwa 40 Stunden am Schluss meinen Frieden mit dem Spiel geschlossen. Das ist ja auch schon etwas.
Graphisch muss Just Cause 2 damals zu Release eine richtige Granate gewesen sein. Heute ist die Graphik zwar immer noch sehr sehenswert, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Ist aber nicht tragisch, das tropische Feeling von Panau kommt auch heute noch richtig gut rüber! Insbesondere die ganzen Sandstrände, das traumhaft blaue Wasser und die zahlreichen Luxus-Hotelanlagen schreien richtig danach, dort mal Urlaub zu machen. Das hat mir sehr gut gefallen! Nach ein paar Stunden in der Spielwelt meint man förmlich, die tropische Sonne auf der Haut zu spüren und kriegt spontan Lust, den nächsten Urlaub in der nahegelegensten Bananenrepublik zu verbringen. Diktaturen haben definitiv auch positive Seiten :zwinker:
Auch die Größe der Spielwelt ist atemberaubend. Mit dem schnellsten Jet braucht man immer noch etliche Minuten, um die Karte auch nur einmal zu durchqueren. Neben tropischen Sandstränden durchfliegt man dabei auch schneebeckte Gebirgskämme und dichtbewaldete Wälder. Zudem gibt es mit Panau City eine Hauptstadt, die diesem Namen auch alle Ehre macht und etwa 1/7 - 1/8 der kompletten Karte einnimmt. Gigantisch groß! Dazwischen immer wieder lange Autobahnen, die über Brücken wie in den Florida Keys von Insel zu Insel führen. Es macht ne Menge Spass, die Spielwelt mit den verschiedenen Vehikeln zu Lande, zu Wasser oder in der Luft zu erkunden. Als Open World-Fan ist man von soviel Freiheit regelrecht begeistert!
Soviel zum Positiven: Das Ganze kann einem nämlich nur wenige Stunden wirklich fesseln, bevor einem bewusst wird, dass ansonsten keinerlei Substanz da ist. Die Hauptstory ist nämlich an Banalität kaum noch zu
überbieten und
unterbietet auf der anderen Seite selbst noch das Storyboard der schlechtesten James Bond-Streifen. Selbst wenn man dann mal die Missionen der Hauptstory in Angriff nimmt, hat man trotzdem keinen Schimmer, was vor sich geht, weil man immer schon nach den ersten Sätzen im Geiste schon längst abgeschaltet hat. Dann bleiben noch die Fraktions-Missionen, die man zwischendurch immer mal wieder erledigen darf. Dabei hat man aber zu keiner Zeit irgendeinen Bezug zu einer dieser Fraktionen, geschweige denn, dass man sich mit ihnen auch nur irgendeiner Weise identifizieren kann. Das ist insofern egal, als dass es sich sowieso immer um die gleichen Missionstypen handelt und damit auch letztlich egal ist, für welche Gruppe man nun einen Gegner ausschaltet oder Kurierfahren erledigt. Wie spannende oder zumindestens abwechslungsreiche Nebenmissionen aussehen können, können sich die Macher von Just Cause dann auch mal gelegentlich bei Rockstar anschauen.
Neben Hauptstory und den Fraktionsmissionen bleibt dann nicht mehr viel übrig... man kann hier und da noch ein paar Rennen fahren oder - wenn man Lust hat - auch noch 100e von Sammelitems aufklauben... das war es dann aber schon. Es gibt darüber hinaus keine sinnvolle Beschäftigung, der man nachgehen könnte. Kann man z. B. in GTA noch Polizeimissionen erledigen, den unzähligen Freizeitaktivitäten wie z. B. Billard- oder Dartspielen nachgehen, Autos für irgendwelche Syndicate klauen oder auch die Freundin schick ausführen, gibt es in Just Cause 2... nichts... einfach gar nichts! Ergänzend kommt hinzu, dass die offene Spielwelt von Panua größtenteils "tot" ist. Sie sieht hübsch aus, dahinter steckt aber letztlich gar nichts. Bis auf fahrende Autos und ein paar NPCs, die scheinbar nur auf einen Pool von 4-5 verschiedenen Dialogen zurückgreifen (btw: ich schätze, den "Wenn ich genug spare, kann ich mir in ein paar Jahren endlich eigene Bettwäsche leisten"-Spruch habe ich mit Sicherheit über die 40 Stunden verteilt etwa 500 Mal gehört :shame

, gibt es in Panua keine Elemente, die die Welt mit Leben füllen. Wenn man mal an ein AC denkt oder an ein GTA, in denen NPCs zig verschiedenen Tätigkeiten nachgehen und scheinbar über ein regelrechtes Eigenleben verfügen, wird einem die Trostlosigkeit von Panua erst so richtig bewusst. Darüber hinaus hat die Welt von Panau auch so gut wie keine markanten und einprägsamen Locations. Es gibt Panua City, es gibt das Raketenabschusscenter (das an Cape Canaveral angelehnt ist und deshalb auch - superlustig - als Cape Carnival bezeichnet wird) und das war es auch schon so. Wenn ich überlege, wie oft ich in GTA 4 auf Orte gestoßen bin, die von so viel Liebe zum Detail zeugen, werde ich richtig sauer, wenn ich an die trostlosen Weiten von Just Cause 2 denke.
Am schlimmsten aber ist das Gameplay: Ich wette, wenn man im Lexikon unter "repetitiv" oder "redundant" nachschlägt, stößt man auf das Bild der Just Cause 2-Verpackung. Man macht letztlich immer wieder das Gleiche: Man fliegt, läuft, rennt zur nächsten Ortschaft/Einrichtung etc., zerstört dort die verschiedenen Propaganda-Elemente des Regimes (übrigens genialer Einfall bei Hunderten von Ortschaften nur etwa 10-15 verschiedene Objekte zu kreiren) und begibt sich zur nächsten Ortschaft/Einrichtung etc. Besonders viel Spass macht das nicht vorhandene Deckungssystem. Gerade auf höherem Schwierigkeitsgrad hat man nämlich nicht den Hauch einer Chance, gegnerischen Geschossen auszuweichen. Das hat zur Folge, dass man nach dem Zerstören von Regierungseinrichtungen per "Fallschirm-Hopping" schnell wieder verschwindet und abwartet, bis der Fahnungslevel wieder zurückgesetzt ist. Danach kehrt man zurück, um die nächsten Objekte zu zerstören. Und dann wieder das gleiche Spiel von vorne...
Das klingt jetzt alles richtig übel und wie gesagt, am Anfang habe ich echt nur gedacht "What the Fuck?", aber dass ich letztlich dann noch meinen Frieden mit dem Gameplay und dem ganzen Spiel gemacht habe, liegt letztlich vor allem an eben dieser nicht enden wollenden Monotonie. Ich habe nämlich festgestellt, dass es mit etwas eigener Mucke im Hintergrund nach einem stressigen Arbeits- bzw. Familientag äußerst entspannend sein kann, immer und immer wieder das Gleiche zu tun :fettes Grinsen: Auf diese Weise kann man dem Spiel dann doch noch ne Menge positiver Aspekte abringen. Und das ist auch letztlich der Grund, warum ich es dann noch zu 100 Prozent abgeschlossen habe.
Wer ganz konsequent der Hauptstory folgt oder sich mal ein paar Stunden in einer gigantisch großen Spielwelt austoben will, der wird mit dem Spiel, vor allem zum momentanen Kurs, sicherlich glücklich, aber wer auf abwechslungsreiches Gameplay setzt, eine fesselnde Story, eine lebendige Spielwelt oder auf sinnvolle Nebenbeschäftigungen: Finger weg!
Alles in allem:
6.5/10 Punkte (mit Open World-Bonus)