Assassin's Creed III
Wie ich finde, das bisher kompletteste Spiel der Serie. Der Singleplayermodus ist riesig, man hat sehr viele Möglichkeiten, sein Gameplay zu variieren, die drei Gebiete Boston, New York und das Grenzland sind abwechslungsreich gestaltet und insgesamt hat man ganz locker 50 bis 60 Stunden Spielspaß, wenn man versucht, die 100% Abschluß zu bekommen.
Toll sind wieder einmal die Klettereinlagen, die wieder flüssiger geworden sind. Das Besteigen von Bäumen und das Rennen und Hangeln durch das Astwerk ist spektakulär.
Auch bei den Kämpfen ist im weiteren Verlauf einiges an Geschick gefragt. Ja, der Hauptcharakter ist teilweise zu übermächtig, aber auf höheren.. ich sage mal "Fahndungsstufen" bekommt er es mit den Jägern mit richtig fiesen Gegnern zu tun, die fast unbesiegbar sind. Vor allem, wenn 15 auf einmal ankommen. Rette sich wer kann.
Die Missionen warten mit sogenannten optionalen Zielen auf, die man zwar nicht zwingend braucht, für den 100%-Abschluß aber unabdingbar sind. Und die haben es von der Kniffligkeit oftmals wirklich in sich. Zum Glück führen aber oftmals mehrere Wege zum Ziel, so dass es nur eine Frage der Zeit und der Geduld ist, alle Nebenziele zu absolvieren.
Die Geschichte um Assassinen und Templer ist spannend erzählt, und über den gesamten dritten Teil der Assassin's Creed-Reihe spannt sich ein Handlungsbogen, der vor allem den allzeittauglichen Vater-Sohn-Konflikt beleuchtet, und das gleich auf mehreren Ebenen. Die Einbindung in die amerikanische Gesichte des Unabhängigkeitskrieges im 18. Jahrhundert funktioniert und reell existierende Personen haben ihren Auftritt.
Ein Novum in Assassin's Creed III sind die spekatakulären Seeschlachten, die man mit einem "eigenen" aufrüstbaren Schiff bestreiten kann. Je nach Ausbaustufe werden diese entweder ein Sonntagsspaziergang oder Schwerstarbeit. Dabei profitiert das Spiel von einer ausgezeichneten Physikangine und stellt Seegang und Windeinfall realistisch dar. (ganz besonderes optisches Schmankerl: Die Seemissionen, sofern verfügbar, unbedingt in 3D spielen! Brilliant!)
Ebenfalls neu ist das Wirtschaftssystem, das man mit seinem Anwesen auf die Beine stellt. Es gibt verschiedenste Handwerker, die sich nach und nach (und nach erfolgreichen Missionen) ansiedeln und Handelswaren herstellen, die es dann an den Meistbietenden anzubieten gibt. Damit fällt etwa das Aufrüsten der Städte in Assassin's Creed II und Brotherhood, sowie Revelations komplett weg. Geld bekommt man nun wieder nur durch das Plündern von Truhen, das Ausrauben toter oder lebendiger Leute sowie eben den Handel mit Handelsgütern aus Eigenproduktion oder Jagd. Ja, richtig. Connor (der Held des Spiels) kann im Grenzland auf die Jagd gehen und begegnet gut 20 verschiedenen Tieren, die er um Häute, Geweihe oder das Innenleben erleichtern kann. Mit Hilfe dieser Rohrstoffe, die einzeln teilweise auch schon viel Geld bringen, können höherwertige Handelswaren hergestellt werden, die dann die Kassen richtig klingeln lassen. Es gibt also keinen 30minütigen Geldschub mehr, wie noch in den Vorgängerteilen. Darum muß jede gekaufte Waffe oder Schiffsupgrade gut überlegt sein. Wenn Geld nicht mehr reicht, schnell raus Tiere jagen. Das ist aber alles nicht so schwer wie es sich anhört und macht auch nach dem 300. gehäuteten Tier noch Spaß.
Zu sammeln gibt's natürlich auch wieder jede Menge, wobei dann alle Register des Gameplays gezogen werden. Fliegenden Almanachseiten etwa muß man in den Städten über Straßen und Dächer hinterherjagen, und das möglichst schnell, denn die bleiben nur etwa 20 Sekunden aktiv. Bei Verlust muß man es zu anderer Zeit noch einmal versuchen. Es gibt wieder die obligatorischen Federn oder Kelche zu sammeln, wobei letztere aber befähigen, einen vierteilig aufgebauten Piratenschatz zu heben. Das schürt die Langzeitmotivation. Einige der Bürgermissionen in den Städten erfordern das Sammeln gewisser Handelsgüter, die anfangs noch gar nicht verfügbar sind, und die entweder durch Diebstahl entwendet werden müssen, oder mit Hilfe der Bewohner des eigenen Guts hergestellt werden müssen.
Das Belohnungssystem fällt auch hier wieder üppig aus. Man kann seinen eigenen Fortschritt so anhand des Herrenhauses auf seinem Gut betrachten, wo sich die Zimmer und Vitrinen langsam mit Tellern, Büchern oder Bildern füllen, von einigen einzigartigen Erfindungen einmal ganz zu schweigen. Auch seine Waffen- und Uniformsammlung darf man wieder begutachten und man bekommt vor allem letztere wieder durch spezielle Aktionen, die entweder mit der Story zusammenhängen oder aber nebenbei erfüllt werden können. Ein Sammlerherz schlägt hier mit 180 Schlägen.
Obligatorisch kommt Assassin's Creed III auch wieder mit einem Mehrspielermodus daher, der zu den bekannten Modi wie Kopfjagd, Allianz oder Artefaktjagd den neuen Wolfsrudel-Modus dazupackt. Bis zu vier Leute können sich so im Coop ähnlich dem Horde-Modus manch anderer Spiele über 25 Stufen hocharbeiten. Dabei zählen Teamwork genauso wie das Erfüllen von Nebenaufgaben oder versteckten Kills. Offenes Herumrennen belohnt den Spieler nicht so sehr, wie ein fokussierter Incognito-Kill aus der Menge heraus. Zudem tickt die Uhr unerbittlich herunter. Macht insgesamt sehr viel Spaß. Auch hier hat Ubisoft nicht mit Belohnungen gespart, man kann sich seine Charaktere beliebig anpassen und so jeden zu einem Individuum machen.
Mit der neuen "Washington Edition" kommen zudem alle vier DLC-Pakete dazu. Das ist einmal der Kampferprobten-Mehrspielerpack, der mit neuen Karten, Charakteren und Belohnungen im Gepäck erscheint, sowie die dreiteilige Singleplayererweiterung "Die Tyrannei von König Washington", die einer alternativen Geschichtsschreibung folgt und so auf die im Assassin's Creed-Zyklus gesammelten Atefakte anspricht. Diese drei jeweils 3 1/2-Stunden langen Missionen haben einen noch höheren Schwierigkeitsgrad, belohnen aber mit neuen Fertigkeiten des Hauptcharakters (etwa Tarnung, Flugfähigkeit oder der Kraft eines Bären) und einer wirklich spektakulär gemachten, wenn auch kurzen Handlung.
Assassin's Creed III war ein hervorragendes Spiel, das mich zwischenzeitlich jedoch sehr viel Geduld und Nerven gekostet hat, denn dieser Teil ist von allen bisher der schwerste. Viele Kämpfe sind enorm lang geraten und es kommt nicht selten vor, dass man kurz vor Ende ins Gras beißt, weil die Gegner übermächtig werden. Man wird ja nicht nur im Nahkampf belatscht, sondern auch noch von Pistolen- und Gewehrschützen auf's Korn genommen.
Vom Umfang her und was das Mikromanagement und die Präsentation angeht, ist dieser Teil aber mit Abstand der Beste und Schönste. Der zuvor beschriebene Wellengang ist realistisch und sieht wunderschön aus, der Tiefschnee im Grenzland ist teilweise unüberwindbar und der Spieler hinterlässt sichtbare Spuren. (letztes wird ja in vielen Spielen ausgespart). Zudem unterstützt Assassin's Creed III FullHD-3D. Dieses ist technisch hervorragend gemacht, flimmert nicht an den Kanten und macht das Spiel zu etwas ganz Besonderem. Wer also einen 3D-Fernseher hat, MUSS das mal ausprobieren. Man bekommt so vor allem in den Seegefechten und den Massenkämpfen ein enorm gutes Gefühl für Raumtiefe.
Lange Rede, kurzer Sinn: Assassin's Creed überzeugte mich auf ganzer Linie, weil es eine schöne Geschichte erzählt, mehrere tolle Hauptcharaktere hat, einen sinnvollen Handlungsbogen zu den anderen Teilen schlägt und wirklich (mit allen DLCs und dem Multiplayer) locker über 100 Spielstunden lang fesseln kann, ohne dass es langweilig wird. Wer deshalb zur derzeit ca. 40 Euro teuren "Washington Edition" greifen will, bekommt für sein Geld extrem viel geboten.
Bewertung: 9,5/10 (nach 1350/1350 GS)