Asssassin's Creed: Revelations
Ein paar Multiplayer-Achievements fehlen mir zwar noch, ich betrachte es aber trotzdem schon mal als durchgespielt.
Tja, was gibt es dazu zu sagen: Insgesamt natürlich wieder ein richtiges Highlight und ein ganz großes Spiel; an die Genialität von Brotherhood kommt es meiner Meinung nach aber nicht ran. Das liegt gleich an mehreren Dingen:
Hatte man bei Brotherhood durch das Nachbauen von gleich drei Städten (Florenz, Venedig, San Gimignano) noch durchaus das Gefühl, sich in einer größeren "Welt" zu bewegen, so geht einem dieses Gefühl bei Revelations völlig ab. Ubisoft hat sich hier nämlich leider auf Konstantinopel beschränkt. In Sequenz 7 kommt man zwar auch noch mal kurz nach Kappadokien, die Höhlensiedlung dort wurde aber nicht sehr ansprechend umgesetzt (mal abgesehen davon, dass das Orientieren dort eine Zumutung war

).
Graphisch hat das Spiel zwar noch einen kleinen Schritt vorwärts gemacht, dafür jedoch bei anderen Elementen wieder einen Schritt zurück:
Pferde z.B., mit denen man in Brotherhood noch durch die Stadt reiten konnte, wurden komplett entfernt!
Zudem ist die Steuerung überarbeitet worden; leider nicht zum besseren. In den vergangenen AC-Teilen ging die deutlich eingängiger von der Hand. Liegt sicher auch daran, dass die Item-Vielfalt zugenommen hat, trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen.
Darüber hinaus wurde auch bei den Missionen zurückgeschraubt. Konnte man in Brotherhood noch verschiedene Arten von "Sidequests" annehmen, so gibt es bei Revelations eigentlich nur noch die Hauptmissionen und die Assassinen-Quests.
Auch das Leveldesign, gerade bei den "Tombs", ist nicht mal halbwegs so genial wie in den Vorgängern. Sehr enttäuschend vor allem die Hagia Sophia-Challenge.
Wo sind die zahlreichen Rennen hin, die man bei Brotherhood noch gegen mehrere Diebeskollegen bestreiten konnte? Was ist mit den ganzen romantischen Momenten geschehen, die der junge Ezio noch so glaubhaft rüber gebracht hat?
Ein paar Gameplay-Elemente sind mir sogar richtig sauer aufgestoßen:
Allen voran die Ben-Hur-Verfolgungsjagden auf den Wagen. Vergleichbares gab es zwar auch schon im Vorgänger, hier wird man aber schon gleich zu Beginn in's kalte Wasser geschmissen (schlechtester Einstieg bisher von allen vier Teilen).
Die Tower Defense-Missionen hätten eine echte Bereicherung sein können und eine nette Abwechslung vom Assassinen-Alltag, allerdings sind die so schlampig und haklig umgesetzt worden, dass man den Zeitdruck hier an allen Ecken und Enden merkt. Etwas mehr Feinschliff hätte dem Ganzen sicher gut getan!
Über die Desmond-Missionen hängen wir mal lieber komplett den Mantel des Schweigens... selten einen so irrelevanten und aufgesetzten Blödsinn gespielt...
Aber es gibt auch ne Menge positive Aspekte, die den neuen Teil auszeichnen:
Der eigentliche Star ist wie schon in den Vorgängern die Stadt. Und hier trumpft Ubisoft richtig auf! Gerade das alltägliche Leben auf den Straßen Istanbuls kann m.E. auf den aktuellen Konsolen nicht viel besser umgesetzt werden! Ganz großes Kino!
Die Story ist vielleicht nicht ganz so fesselnd wie noch bei Brotherhood, trotzdem noch eine Runde Sache. Gerade auch die Altair-Missionen bringen hier noch eine Menge Atmosphäre rein.
Gut funktioniert auch der neue Hookblade! Das Einhängen an Seilen in vollem Lauf funktioniert ausgezeichnet und trägt enorm dazu bei, das Laufen über den Dächern noch flüssiger zu machen.
Auch das Hantieren mit den Bomben ist eine spaßige Angelegenheit, wenn man auch vermutlich das ganze Spiel durchspielen könnte, ohne ein einziges Mal ein Bömbchen auspacken zu müssen
Auch der Multiplayer wurde um viele neue Modi ergänzt, die durch die Bank besser umgesetzt wurden als im Vorgänger. Auch das Stunnen funktioniert nun so, wie es sein sollte!
Alles in allem ist auch der neueste Assassin's Creed-Part ein tolles und fesselndes Spiel geworden! Etwas mehr Innovationen darf man aber im nächsten Teil durchaus erwarten!
8.5/10
Noch ein Wort zum neuen DLC:
Wer ist eigentlich auf die glorreiche Idee gekommen, gerade zu den mit Abstand ödesten Gameplay-Elementen des Hauptspiels einen eigenen DLC zu machen? Ich kann es mir schon richtig vorstellen, wie es bei Ubisoft abgelaufen ist:
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Producer: Der neue DLC sollte sich jeden Fall um Desmond drehen! Seine Sequenzen waren das Highlight von Revelations!
Marketing Director: Umfragen bei allen vier Teilen haben aber ergeben, dass gerade die gegenwartsbezogenen Missionen bei den meisten Spielern gar nicht ankamen! Die Leute wollen Altair und Ezio sehen, aber nicht Desmond!
Produktmanager: Ach, wirklich? Na, dann nehmen wir nicht Desmond sondern Subjekt 16!
Marketing Director: Subjekt wer?
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Mal ehrlich: Das ist - glaube ich - der mieseste DLC der ganzen Softwaregeschichte! Ich frage mich wirklich, was in den Köpfen der Executives bei Ubisoft vor sich geht? Gerade die Desmond-Sequenzen waren schon in den Vorgängern kein Hit, sind aber hier bei Revelations - auf Animus-Island - einfach nur übel! Eine Art Möchtegern-Portal, schlecht umgesetzt und vollkommen uninteressant verpackt! Wie kann man gerade dazu einen eigenen großen DLC anbieten?
Ich würde mir echt wünschen, dass dieser ganze Gegenwarts-Animus-DNA-Quatsch aus dem Franchise geworfen wird und man einfach ein Spiel entwickelt, dass sich auf die eigenen Stärken konzentriert.
Und noch ein kleiner Hinweis an all die Ubisoft-Entscheider, die hier vermutlich unter Senioren-Tarnmantel mitlesen: man muss wirklich nicht jede Person auf diesem Planeten in den Credits erwähnen! Ehrlich!