Die ganze Sache mit den Discs ist ein zweischneidiges Schwert.
Disc-Produkte für Inhalte Inhalte zu vebreiten, die in der Realität dann noch nur Downloads sind, ergibt aus Ressourcensicht sicht immer weniger Sinn. Sowohl die Herstellung als auch die Lagerung und der Transport verschwenden massiv Ressourcen, wenn man am Ende doch große Teile oder gesamte Spiel (über den Lebenszyklus eines Spiels hinweg oftmals das Mehrfache an Volumen dessen, was auf der Disc enthalten ist) runterladen muss. Und das gilt ja selbst für Spiele, die Launch schon komplett auf der Disc drauf waren, da die auch immer noch Updates bekommen. Das ist hier schon eine andere Situation als bei Vinyl, Musik-CDs oder DVD und Blurays, die nicht gepatcht werden.
Andererseits trifft es natürlich den lokalen Handel und den Gebrauchtmarkt massiv. Und es gehen lokale Einnahmen und Arbeitsplätze flöten, denn wie Gameswirtschaft
hier berichtet, wird das digitale Business von EA über Luxemburg oder UK abgewickelt, was der deutschen Spielewirtschaft natürlich fraglos schaden wird.
Andererseits muss man halt auch mal sagen, dass sowas lokaler Spielehandel und lokaler Gebrauchthandel (also nicht Privatverkäufe über internationale Konzerne wie Ebay oder Amazon, die ihren Sitz auch im Ausland haben) je nach Wohnort auch eher wie ein Fantasieprodukt wirkt. Während ich hier in den 90ern noch eine floriende Auswahl an Geschäften hatte, wo ich Spiele und Hardware kaufen konnte, ist die Realität in 2022 die, dass ich die Auswahl zwischen Media Markt und Expert habe. Die PC-Händler sind alle weg oder noch für Systemhäuser für Unternehmen. Die Kaufhäuser haben alle dicht gemacht. Und der letzte kleine Spielehändler, der auch Gebrauchtspiele bot, ist jetzt ein Lotto- und Tabakladen, in dem irgendwo in der Ecke noch ein paar alte Spiele stehen. Das mag in Großstädten vielleicht anders aussehen, aber in kleineren Städten ist der lokale Spielehandel längst tot, zumal Media Markt und Expert jetzt auch nicht grade für gute Preisgestaltung bei Spielen bekannt sind.
Geht hier was verloren, wenn Disc-Vertreib und Gebrauchthandel weiter schrumpfen? Auf jeden Fall, aber den Großteil davon haben wir längst verloren. Vor allem in der Breite.
Und natürlich wird auch die Sache mit dem echten Besitz von Spielen dadurch immer schwieriger. Aber da darf man auch nicht vergessen, dass die die meisten Spiele auf Disc heutzutage ohne digitale Vertriebsplattformen, über die die Patches laufen, auch nur noch Briefbeschwer sind. Ohne Patches ist das auf der Disc meist auch unvollständig. Vielleicht vollständig spielbar, aber ohne Patches, die Fehler beheben oder Features und Komfortfunktionen bringen, halt dennoch unvollständig. Und die Zeiten, in denen Patches mal eben auf Fansites oder Heft-Discs verbreitet wurden, sind halt auch vorbei. Das ging vielleicht früher, als Patches noch ein paar hundert MB groß waren, aber wer würde heutzutage schon kostenlos Patches von zig oder 100 GB hosten?
Genauso darf man nicht vergessen, dass wir die aktuelle Spielelandschaft genau diesen digitalen Vertriebsplattformen verdanken. Ohne die würden wir ein Triple-A-Schnarchfest nach dem anderen vorgesetzt bekommen. Viele der Spiele, die auch hier beliebt sind, sind nur möglich, weil viele kleinere Entwickler auf den Vertrieb von Discs verzichten können. Diese Spiele sind möglich, weil sie eben nicht hunderttausende von Discs pressen müssen, die bei einem Verkaufsflop die Lager verstopfen und somit zehntausende oder hunderttausende von Euros an vollkommen verpulvertem Geld darstellen.
Die ganze Thematik ist weitaus komplexer als sie auf den ersten Blick wirkt. Wenn man sich mal ein bisschen intensiver Gedanken drüber macht, wird man feststellen, dass fast jedem negativen Punkt (z.B. Wegfall des Gebrauchtmarktes) ein positiver Punkt (z.B. eine breite aufgestellte Spielelandschaft) entgegen steht.
Sich an Veränderungen anzupassen, ist immer schwierig. Aber auch wenn es durchaus Veränderungen gibt, die nur negative Konsequenzen mit sich bringen, so ist das vielen Dingen halt nicht so, wenn man mal genauer hinschaut.