Ich verstehe nicht, wieso man im Nachgang hingeht und nach solchen Fehler sucht?
Heavy Rain habe ich zwei Mal gespielt und beim ersten Mal war ich so sehr fasziniert von der Story und vor allem dem Plottwist. Das war intensiv, das war toll und vor allem packend.
Warum sollte ich mir das kaputt machen, weil Leute dort vielleicht irgendwelche Fehler sehen oder finden?
Verstehe daher den Vorwurf des Blenders nicht. Es ist ein von der Story getriebenes Game und macht das auch sehr gut.
Es gibt sehr viele Leute(jetzt nicht auf hier bezogen), die ständig bei Film und Spiel nach Logik-Fehlern suchen. In 90% der Fälle sind es aber nur Dinge, die man selbst als nicht logisch erachtet, dabei aber vollkommen offen und möglich sind. Nur weil man selbst vielleicht nicht so gehandelt hätte oder aber etwas nicht erzählt worden ist in einer Geschichte, jedoch aber argumentiert werden könnte.
Ich lasse mich da lieber drauf ein und genieße es so, wie es ist, so lange es nicht zu heftige und wirkliche Fehler sind die den Spaß verderben
Ich gehe nicht im Nachgang hin und suche nach Fehlern.
Aber ich bin halt so gepolt, dass ein Spiel für mich nicht dann aufhört, sobald ich aufhöre, es zu spielen. Ich hab sowas den inneren Kritiker und den inneren Gamedesigner in mir drin. Wenn mit dem Spielen aufhöre, analysiere ich Kopf einfach weiter die Stärken und Schwächen eines Spiels und mache mir ganz automatisch Gedanken, ob und was die Designer anders hätten machen können oder wie für mich eine perfektionierte Version eines Spiels aussieht. Das kann ich nicht abstellen und will es auch eigentlich nicht, weil es für mich einfach integraler Bestandteil des Hobbys ist.
Für mich geht das Hobby halt auch über das Spielen hinaus. Ich liebe es einfach, mir In-Depth-Analysen, Retrospektiven oder Langform-Reviews anzuschauen oder anzuhören. Vorwiegend von Sachen, die ich bereits gespielt habe, aber eben nicht nur. Ich hab mir auch schon stundenlange Reviews zur COD-Reihe oder gar eine 7-Stunden-Kritik zu Death Stranding reingezogen, obwohl ich absolut kein Interesse habe, diese Spiele zu spielen.
Aber der Konsum solcher langen Videos und Podcasts eröffnet mir halt auch neue Perspektiven. Mal ändert das meine Sicht auf die Dinge. Mal finde ich so Sachen raus, die ich übersehen habe. Und manchmal besteht der Spaß einfach daraus, mit der Meinung von anderen Leuten komplett und überhaupt nicht übereinzustimmen. Trotzdem kann ich daraus immer noch was für mich ziehen.
Und manchmal ändert sich eine Meinung über Spiel auch. Entweder durch das erneute Spielen oder das Hören anderer Meinungen. The Witcher 3 halte ich nach einem zweiten Spieldurchgang immer noch für ein gutes Spiel (eine solide 8/10), aber die 9/10 oder 10/10, die ich nach dem ersten Spielen vergeben hätte, erreicht es für mich einfach nicht mehr.
Aber ob ich nun durch das erneute Spielen oder Inpur von außen neue Perspektiven entwickle, nimmt für mich nichts von der ursprünglichen Spielerfahrung weg. Control wird für mich immer eine furchtbare Spielerfahrung bleiben, selbst wenn mir Langform-Reviews eine positivere SIcht drauf vermittelt haben. Und MGS V wird für mich immer ein absolut fantastisches Erlebnis bleiben, egal wie viele Analysen, die das Spiel (vor allem die Story) komplett auseinander nehmen, ich mir dazu anhöre oder anschaue.
Und genauso ist das mit den Quantic Dream-Spielen. Ich habe die Zeit mit Heavy Rain und Beyond: Two Sould genossen. Dieser Blick auf die Spiele wird immer bleiben. Dennoch sehe ich die Spiele mittlerweile in einem anderen Licht, da ich micht von der Präsentation und der (zu ihrer Zeit) Einzigartigkeit schlicht und einfach habe blenden lassen. Und zwar so sehr, dass ich halt diverse Plotlöcher und andere Story-Probleme übersehen habe. Dass ich diese jetzt besser kenne, macht mir das Erlebnis von damals absolut nicht kaputt. Ich würde die Spiele nur heutzutage anders bewerten.
Für Leute, die nicht so gepolt sind, mag das so wirken, als wäre jemand aktiv auf der Suche nach Fehler, um sich im Nachhinein irgendwas kaputt zu machen. Nur hab ich die Vergangenheit halt so erlebt, wie ich sie erlebt habe. Die Erinnerungen bleiben ja. Und die werden für mich auch durch neuen Input nicht wirklich verändert.