Eintrag 6: Risen 2 (PC)
(Quelle: Amazon)
Einleitung:
Mein letzter Eintrag ist leider schon wieder eine ganze Weile her. Das hat aber nichts mit Risen 2 zu tun, sondern mit Eintrag Nummer 7, so viel sei schon mal verraten. Mehr dazu dann demnächst.
Übermotiviert wie ich nach den bisherigen Piranha Bytes Spielen gestimmt war, hab ich mir vor einiger Zeit extra die Collectors Edition von Risen 2 für die Xbox gekauft. Moment, für die Xbox? Da oben steht doch "PC"? Ja, genau, denn doppelt hält bekanntlich besser...
Bei sommerlichen Temperaturen hatte ich dann jedenfalls große Lust auf einen Abstecher in südliche Gefilde!
Eindruck:
Nach Einlegen des Xbox360 Spiels in meine Series X hatte ich einen gemischten Eindruck. Es lief zwar sauber und flüssig, sah aber leider einfach nicht gut aus. Fehlende Schatten, rudimentäre Beleuchtung, Körnung und die niedrige Auflösung sagten mir nicht zu. Da war ich von den Switchports besseres gewohnt. Klar, es handelt sich immer noch um ein 360 Spiel, aber da hab ich mir dann doch etwas mehr erwartet. Deshalb bin ich auch sehr schnell (nach ca. 1h) auf die PC Version umgeschwenkt, die sich auch heute noch wirklich sehen lassen kann! Animationen und Gesichter sind auch für Piranha Bytes Verhältnisse hoffnungslos abgehängt, aber Vegetation, Wasser und Ortschaften sehen auch hier wieder toll aus! Das Piratensetting in einer an die Südsee angelehnten Region sorgt zugleich dafür, dass man jede Menge Vegetation und viel Wasser zu sehen bekommt.
Das Piratendrumherum war damals wie heute wahrscheinlich auch die größte Kontroverse des Titels. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ich mag Piraten und die Südsee; ich mag romantisch verklärte Abenteuergeschichten mit Säbeln und Schiffen. Wer dem nichts abgewinnen kann, ist hier wohl definitiv falsch. Nachdem die Entwickler auch in den vorherigen Titeln immer mal wieder das Piratenthema durch einige Charaktere und kleinere Questlines aufgriffen, führten sie es hier als übergreifendes Thema ein. Dazu gehört auch, dass man nach einer gewissen Spielzeit Zugang zu einem eigenen Schiff bekommt und fortan von Insel zu Insel reisen kann. Leider nicht selbst gesteuert, aber immerhin mit Ingamevideos dargestellt.
Abseits dieser Kamerafahrten hat die gesamte Inszenierung im Vergleich zu allen vorherigen Piranha Bytes Titeln deutlich zugelegt. Es gibt einige Videosequenzen zu bestaunen, die relevante Storymomente oder -dialoge untermalen sowie deutlich spürbare Höhepunkte in der Storyline, die mit Soundtrack und kleineren (wenig überraschenden) Plottwists aufwarten. Die Videosequenzen sind zwar größtenteils etwas holprig animiert, sorgen aber dafür Risen 2 deutlich fokussierter und linearer Auszurichten. Nebenquests und Inseln aka Erkundungsareale untermauern diese Geradlinigkeit nochmals zusätzlich. Die Inseln sind so überschaubar, dass man sich nicht darin verlieren kann und auch der Erkungsreiz wird nicht mehr so bedient wie gewohnt. Es gibt zwar schon noch einiges zu finden und zu entdecken (Stichwort Schätze) aber das fühlt sich aufgrund der belanglosen Items nicht mehr so belohnend an. Die Nebenquests sind in aller Regel auch schnell abgehakt und können in den meisten Fällen im Vorbeigehen erledigt werden. Auch die Dialoge sind in der Masse leider nicht mehr als floskelhafter Smalltalk. So schnell wie sie abgespult sind, so schnell hat man sie auch wieder vergessen. Da hilft es auch nichts, dass man im Laufe des Spiels eine ganze Schar an Begleitern anhäuft. Abseits eines Hauptthemas das die einzelnen Charaktere umgibt, bleiben sie blass. Schade! So hüpft man quasi von Insel zu Insel, macht dort ein paar Nebenquests sowie die jeweilige Hauptquest dieser Landmasse, erkundet die 4-5 relevanten Ecken und geht dann zur nächsten über.

(Quelle: Deep Silver)
Auf den Inseln trifft man dann neben Piraten und Inquisition auch auf Ureinwohner.
Die Darstellung letzterer ist in höchstem Maße platt und von Klischees geprägt. Ich bin mir sicher, dass einige hier noch deutlich drastischere Worte dafür finden würden.
Ich hab mich beim Spielen irgendwann damit abgefunden, dass hier die kindliche Vorstellung dunkelhäutiger Menschen in der Karibik bedient wird. Nur echt mit Voodoo, riesigen Kochtöpfen, primitiver Fantasiesprache ("Ulumulu", "Bambule"), Knochen in der Nase und knapper Kleidung.
Spielbarkeit:
Mir hat die Steuerung mit dem Controller einen Tick besser gefallen, aber es lässt sich genauso gut auch mit Maus und Tastatur spielen.
Auch abseits der Eingabegeräte muss man keine Kompromisse befürchten. Breitbild ist genauso an Bord (hihi) wie diverse andere Einstellungen der Moderne.
Fazit:
Am Ende war ich ehrlicherweise hin- und hergerissen.
Simplifizierung, Austauschbarkeit und Redundanz von Dialogen und Quests stehen definitiv auf der Negativseite. Sich ständig wiederholende Assets (es gibt beispielsweise nur einen einzigen Höhlentyp im gesamten Spiel) fallen ebenfalls sehr negativ auf.
Es gibt aber auch einiges auf der Habenseite:
Die tolle Optik der Inseln habe ich schon erwähnt und so macht das Erkunden auch weiterhin Spaß, auch wenn sich die Belohnungen dafür selten richtig gut anfühlen.
Das Kampfsystem empfand ich wegen des stumpfen Geklickes anfangs als Rückschritt gegenüber Risen 1. Das änderte sich aaer zunehmend mit dem Spielverlauf. Säbelkampf und zwischendurch die Pistolen ziehen? Kein Problem! Voodoozauber und im Notfall Sand in die Gesichter der Feinde streuen? Auch möglich! Trotz der mangelnden Komplexität hat das Kämpfen irgendwie Spaß gemacht.
Eine in meinen Augen große Schwäche der Vorgänger bügelt Risen 2 zudem auch aus: Es fühlt sich endlich so an, als wären alle Spielabschnitte mit gleichem Aufwand produziert worden. Kein nerviges Endgame mit lästigen Grindaufgaben um noch mal Spielzeit herauszuholen, sondern ein homogener Übergang von Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Das ganze Spiel fühlte sich sehr kurzweilig an, weshalb ich auch immer wieder an den PC zurückgekehrt bin, um 1-2 Stündchen zu spielen.
Das Ende empfand ich dann sogar als richtig nett und als einen würdigen Abschluss meiner rund 30h Spielzeit, von denen kaum etwas nachhaltig hängen geblieben ist.
Den Soundtrack der Credits mal ausgenommen:
Wer Lust auf ein Klischeepiratenabenteuer hat, bei dem man nicht viel Hirnschmalz investieren muss, hat hier sein Spiel gefunden. Wer ein tiefes Rollenspielerlebnis sucht, sollte weiter suchen.