Erwarte dir nicht zuviel von New Vegas. Ich hab Fallout 3 geliebt, bei Vegas will der Funke nicht so recht rüberspringen
Dem kann ich dann doch glücklicherweise nicht so zustimmen.
Der grösste Downer ist eigentlich die Gamebryo-Engine, die mittlerweile merklich in die Jahre kommt und der restliche Code der von Bethesda verwendeten Engine, der teilweise eher ein Haufen Sondermüll an Code ist. Grafisch hält sich die Qualität ja durchaus noch im Rahmen, da mag ich gar nicht so viel meckern, zumal das Setting natürlich auch dazu beiträgt, dass vieles etwas öde aussieht. Aber die Qualität der Animationen und die Darstellung von Gesichtern ist mittlerweile echt furchtbar. Und selbst für die buganfälligen Open-World-Spiele ist die Engine extrem buggy, auch wenn ich bisher hauptsächlich auf Clipping-Fehler und den Lucky 38-Fahrstuhl-Bug (den ich bisher glücklicherweise auch noch umgehen konnte) gestoßen bin.
Mir fehlte ja anfangs auch die Motivation, mit F:NV anzufangen, dann kamen die ganzen Bug-Berichte und ich wollte erstmal Version 1.02 abwarten. Doch dann lockten erstmal noch einige andere Titel des Spieleherbstes. Und irgendwie war die Motivation auch vor einigen Tagen noch ziemlich gering, obwohl mittlerweile fast alles andere gespielt war.
Doch ganz zu unrecht. Nach 2-3 Stunden hatte mich das Spiel wieder wirklich gepackt. Im ersten Moment ähnelt es Fallout 3 doch wirklich stark, vor allem in Sachen Grafik und Weltendesign, aber nach ein paar Stunden merkt man dann wirklich, wie viele Verbesserungen Obsidian in das Spiel gepackt hat.
Grade als Fallout-Veteran, der auch Teil 1 und 2 gespielt hat, merkt man, dass hier im Gegensatz zu Teil 3 so einige Leute an dem Spiel gearbeitet haben, die auch F1 und F2 entwickelt haben. New Vegas ist halt in vielerlei Hinsicht ein Stück mehr Back to the Roots und ein großer Schritt mehr in Richtung Rollenspiel.
Das fängt damit an, dass die Questanzahl deutlich in die Höhe geschnellt ist. Eine Sache, die bei Fallout 3 ein absoluter Schwachpunkt war, denn die Anzahl der Nebenquests war dort einfach zu überschaubar.
Weiter geht es dann mit dem überarbeiteten Charaktersystem. Erstmal die Erhöhung des LevelCap von 20 auf 30. Bei F3 war man einfach zu schnell auf dem Maximallevel. Dazu dann das etwas langsamere Leveln und die stärkeren Einschränkungen: Extras nur noch auf jedem 2. Level, Attributserhöhungen nur noch über teure und in ihrer Anzahl limitierte Implantate und nicht mehr über Wackelpuppen, Fertigkeitenbücher bringen wesentlich weniger Fertigkeitspunkte usw.
Das alles führt dazu, dass man nicht mehr den gottleichen Über-Charakter erschaffen kann, den man in F3 auf Level 20 schon fast und auf Level 30 definitiv hatte. In F3 ging die Problematik ja so weit, dass ich spätestens auf Level 28 meine Fertigkeitspunkte beim Levelaufstieg in die Tonne werfen konnte, weil alles schon auf 100 geskillt war.
Dazu dann noch das neue Ruf-System, dass das schwammige Karma-System aus F3 mehr oder weniger abgelöst hat. Statt Schwarzmalerei in Sachen Gut/Böse muss man sich nun genauer überlegen, welche Gruppierungen einem wichtig sind und welche nicht und mit wem man wirklich paktieren will. Das geht ja teilweise sogar so weit, dass man im Laufe einer Quest erst merkt, dass man einen Pfad betreten hat, den man eigentlich gar nicht gehen möchte und man dann mit den Konsequenzen leben muss.
Zumal einem einige Optionen vielleicht gar nicht zur Verfügung stehen, da F:NV weitaus öfter auf Sprach-, Attribut- oder Fertigkeitenproben setzt. Auch wenn man durch die temporär boostenden Fertigkeitenmagazine durchaus ein bisschen was kompensieren kann, so sind viele der Proben doch so hoch angesetzt, dass man sie mit einem anders spezialisierten oder Allround-Charakter gar nicht oder erst sehr spät im Spiel bestehen kann. Man muss sich also viel mehr Gedanken über seinen Charakter machen als noch in Fallout 3.
Speziell in dem neuen Hardcore-Modus, den ich als größte Verbesserung ansehe. Zugegeben, anfangs hat der Modus mich als Extremsammler eher genervt, da man in seiner Tragekapazität ziemlich eingeschränkt ist. Aber nach und nach hab ich den Modus mehr und mehr schätzen gelernt. Im alltäglichen Spiel macht sich der Modus zwar gar nicht so sehr und vielleicht auch etwas zu wenig bemerkbar, weil es gar nicht so problematisch ist, regelmässig was zu essen, zu trinken und zu schlafen. Je tiefer man ins Spiel einsteigt, desto mehr Gedanken muss man sich jedoch machen. Durch die Menge an Versorgungsmitteln, die man für längere Exkursionen braucht, verzichtet man dann doch lieber darauf, dicke Rüstungen und verschiedenste Waffen mitzunehmen und auch Fertigkeits-boostende Kleidung muss mal eher zuhause bleiben. Und speziell in den Kämpfen macht sich der Hardcore-Modus deutlich bemerkbar. Da ist es dann nicht mehr einfach so möglich, sich planlos in irgendwelche Kämpfe zu verstricken, da man sich nicht mehr wie in F3 einfach mit Stimpaks vollstopfen kann, die man dann im Kampf einfach nach und nach reinhaut. Durch die langsamer und über Zeit wirkenden Heilmittel muss man dann doch überlegter und taktischer an die Sache heran gehen.
Auch wenn mir die etwas düsterere und bedrohlicher wirkende Umgebung in F3 ein wenig mehr gelegen hat, so empfinde ich F:NV als das deutlich bessere Spiel. Eben, weil es sich in vielerlei Hinsicht etwas anspruchsvoller und rollenspieliger spielt als noch Fallout 3. Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich weiterhin einigermaßen bugfrei durch das Spiel komme, da ich mit rund 40 Stunden Spielzeit noch so einiges vor mir habe. Das Questbuch ist noch gut gefüllt und die Karte weist noch verdammt viele weiße Flecken auf.