Final Fantasy XV
46 Stunden, 11 Minuten und 8 Sekunden nach Beginn habe ich das Ende des Mammutwerks erreicht. Es ist lange her, dass ich ein Spiel wirklich so intensiv gespielt habe wie dieses. Zum Einen, weil viele Spiele ja gar nicht mehr diesen Umfang haben, zum Anderen aber auch, weil mich bei anderen Spielen oft eher die Motivation verlassen hat. Final Fantasy XV war anders, es hat von Beginn an Spaß gemacht. Die Charaktere sind anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber allesamt irgendwie sympathisch und man reist gerne mit ihnen durch die offene Welt.
Ich war ja sehr skeptisch als ich die ersten Videos zum Spiel sah, da ich eigentlich immer der Verfechter des "alten" Final Fantasy bis Teil X war, also rundenbasierte Kämpfe. Dementsprechend war das schon eine Umstellung für mich, aber nach und nach kam ich rein und das Kampfsystem geht klar. Es ist teils nur arg hektisch und unübersichtlich, was man durchaus kritisieren darf. Der optional aktivierbare Wartemodus hilft da etwas. Ansonsten ist es halt sehr viel "blindes" auf die Tasten Gehaue mit wenig taktischem vorgehen, auch wenn einem das Spiel hin und wieder vorgaukeln möchte.
Technisch läuft das Spiel sauber, hat eine tolle Optik und vor allem die Charakterdesigns wissen mit Liebe zum Detail zu überzeugen. Trotz der offenen Welt mit allerlei zu erkunden läuft es auch auf der Xbox One nahezu immer flüssig. Hier und da poppen NPCs, Objekt und Gegner zwar mal ins Bild auf, aber nun gut, das passiert eben. Kann man drüber hinwegsehen.
Abwechslung bietet es durch sehr viel zu tun, kritisieren möchte ich aber, dass die Nebenaufgaben einfach alle zu gleich sind. Letztlich ist es immer nur Person X ansprechen, eine Aufgabe bekommen, dort hinreisen, ein paar Gegner wegmetzeln und dann wieder zur Person zurück. Da es neben diesen Nebenaufgaben auch noch Jagdaufgaben gibt, die ebenfalls nach diesem Schema laufen ist, es etwas eintönig. Da hätte man durchaus mehr rausholen können.
Genauso verhält es sich beim Kampfsystem, das durch die Hektik meiner Meinung nach zu wenig das aus Final Fantasy bekannte Einsetzen von Magie fördert. Ich persönlich war nahezu nur im Schwertkampf unterwegs, weil es einfach so schnell drunter und drüber geht und man mit Zaubern eher dem Team schadet als dem Gegner.

Außerdem gibt es viel zu wenige Beschwörungen. Wenn man diese mal auslöst, bekommt man grafisch bombastische Szenen geliefert, die ich gerne öfter gesehen hätte.
Die Geschichte ist ohne das Vorwissen von Kingsglaive etwas undurchsichtig und lässt den Spieler auch so etwas im Dunkeln tappen, aber nach und nach fügen sich die Einzelteile zusammen und das Finale ist grandios inszeniert worden. Allerdings kommt das Finale doch sehr plötzlich, denn wenn man - ohne jetzt spoilern zu wollen - die offene Spielwelt verlässt, geht es in der Story wirklich sehr schnell voran und auf einmal ist man am Ende. Es gibt noch ein Kapitel, das 13., was gewöhnungsbedürftig ist und schon ziemlich zäh. Da haben die Entwickler experimentiert und es ist ihnen meiner Ansicht nach nicht gelungen.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt für mich ist das forcierte Autofahren, wo man einfach zu viel Zeit verschwendet. Man kann zwar die Schnellreise nutzen, dann sitzt man aber vor elend langen Ladebildschirmen. Kann man sich nun also überlegen ob man der Truppe 5 min beim Autofahren zuguckt oder einen Ladebalken verschmerzen kann.
Alles in allem bin ich mit dem Spiel aber wirklich sehr zufrieden, sonst hätte ich auch nicht an die 50 Stunden in die Spielzeit investiert. Es hätte aber hier und da noch besser sein können und ich könnte sicherlich auch noch viel mehr schreiben... aber möchte irgendwann zum Ende kommen.
8,5/10