GRiD 2
Eigentlich mag ich Rennspiele. Auch scheue ich die Herausforderung nicht. Schon gar nicht bin ich bei Rennspielen frustgefährdet (ok, es gab da mal ein sogenanntes NfS The Run, einzige Ausnahme).
Aber "GRiD 2" hat mich mehr als nur einmal an meine Grenze des Erlaubten gebracht. Auch wenn mir jetzt noch ein Erfolg für das Online-Level 10 fehlt, maße ich mir mal an, es als komplett zu bewerten.
Was haben wir nicht alle nach dem tollen ersten Teil auf eine Fortsetzung gewartet. Groß war auch die Resonanz in der Community, als es hieß, Codemaster überlasse der Userschaft die Benennung der Erfolge und auch, wie der Schwierigkeitsgrad angegangen werden dürfte. Nach Release stellten sich aber schon erste Ernüchterungserscheinungen bei einigen ein, die so wichtige (zumindest bei gängigen Rennspielen vorkommende) Onboardperspektive würde fehlen. Quatsch, sagten andere. Seit wann brauche ein Arcadespiel soetwas?
Mir persönlich hat ein Cockpit sehr gefehlt, konnte ich das Spiel größtenteils nur aus der Motorhaubenperspektive spielen. Normalerweise bevorzuge ich die leicht erhöhte Verfolgerperspektive, da sich so das Einlenken in die Kurven und das Vorbeischrammen an irgendwelchen Hindernissen besser abschätzen lässt. Die Verfolgerperspektive von GRiD 2 (egal ob hohe oder niedrige) geht mal sowas von gar nicht! Durch die seltsam justierte Kamera, die dem Auto starr folgt, außer er semmelt gegen eine Wand und dreht sich um 180 bzw. 360 Grad, ist für Rennspielkenner viel zu ungenau und erlaubt oben genannte Manöver keinesfalls. Doch weil der Fuhrpark so groß ist, und jede Beobachterposition auf einer anderen Höhe liegt (ok, das ist ja auch realistisch), kann es bei den "Seifenkistenrennen", von denen es leider nicht wenige im Spiel gibt, mitunter etwas zu hektisch zugehen.
Man muss Codemasters ja immer wieder loben, welche Pracht sie auf die Konsolen bringen und auch GRiD 2 quetscht das Letzt- und Bestmögliche aus der alten 360 raus. Aber 60 Frames sind eben auch 60 Frames und für Leute mit Neigung zu photosensitiven Anfällen ist dieses neuere Rennspiel nur bedingt zu empfehlen. Sieht alles toll aus, ist aber viel zu schnell.
Womit wir bei der Gegner-KI sind, einem ewigen Thema bei Rennspielen. Need For Speed setzte in vielen Ablegern seiner Endlosserie auf Gummiband-KI. Fuhr man ihr hinterher, schlich sie gemütlich mit Tempo 60 über die Highways. Fuhr man ihr voraus, nützte selbst oftmals der Bleifuß nicht mal viel, die Gegner kamen selbst nach einem Crash innerhalb von 10 Sekunden wieder ran.
Was GRiD 2 hier in Punkto Gegner-KI an den Tag legt, habe ich so noch nicht erlebt. Dermaßen aggressive Fahrmanöver, stumpfes Wegrammen von der Ideallinie (wobei man sich nur als Spieler rausdreht, nen gegnerischen Wagen kriegt man um's Verrecken nicht in einen Spin) und eine Höllengeschwindigkeit. Ich habe die Karriere auf Medium angefangen. Ab Season 3 habe ich dann auf Leicht geschaltet, ab Season 4 dann auf Sehr Leicht. Ich hatte einfach keine Lust mehr, nur hinterher zu fahren. Auch bin ich ja eigentlich ein Feind der Replaytaste, die neuerdings bei Rennspielen zum guten Ton gehört. Meist deaktivere ich sie im Optionsmenü, so dass ich gar nicht in die Versuchung gerate, hier zu bescheißen und Nadelöhre, an denen ich gescheitert bin zu wiederholen, aber bei GRiD 2 hat's mich dann doch geärgert, dass 5 Stück doch so wenig sein können.
Die Autos gehorchen fast nie den gängigen Regeln der Rennspielphysik, unkontrollierte Drifts lassen fast jedes Auto unkontrolliert an die nächste Leitplanke krachen - ich habe mich des öfteren beim lauten Fluchen ertappt. Bei F1 2011 oder DiRT 3 hat mich soetwas noch nie gestört. Man versucht's halt nochmal und bekommt es irgendwann in den Griff.
GRiD 2 erlaubt Zugriff auf etwa 60 Boliden (plus DLC-Autos) unterschiedlichster Couleur. Fährt man in der ersten und zweiten Season noch regelmäßig mit den gleichen Wagen, kann man sich von der Geschichte ab Season 3 schnell verabschieden. Sofern man nicht sofort alle Invitationals abschließt, um an die entsprechenden Wagen in den Tiers zu gelangen, kann man sich vom Gedanken verabschieden, dass man sich auf einige wenige Autos einfahren kann, um sie gut zu beherrschen.
Die Karriere von GRiD 2 ist ja nun alles andere als lang, nach 5 Seasons und etwa 65 Rennen ist Schluß. Aber es ist mir in der Zeit nicht wirklich gelungen, mehr als zwei Fahrzeuge auf die Straße zu bekommen. Wenn man sich in Season 5 befindet, rauscht man nur noch mit Supersportwagen durch die Gegend, etwa dem Pagani Huayra, dem Koenigsegg Agera oder dem Bugatti Veyron 16.4 Super Sport. Von den drei genannten fährt sich nur der Bugatti wirklich gut, der Rest bricht schon beim Angucken des linken Lenksticks aus. Ein Gefühl für die Straße bekommt man nie so richtig.
GRiD zeichnet sich ja dadurch aus, dass es dem Spieler in Punkto Streckendesign nie zu leicht gemacht wird. Fahrhilfen wie eine Kurven- oder Bremslinie sucht man vergeblich. Finde ich auch eigentlich gar nicht so schlimm, aber wenn man dann am Streckenrand wieder einmal die Hinweistafel zur Entfernung übersehen hat, weil man sich in dichtem Verkehr befindet, rauscht man wieder ungebremst in die nächste Wand. Zeit, um auf Bremsspuren auf dem Asphalt oder gar die Minimap zu schauen, hat man vor allem in den späteren Seasons nur wenig bis gar nicht. Es mag eine recht große Anzahl von Strecken geben, aber aufgrund der kurzen Karriere und der teilweise schlechten Übersicht (welche auch der niedrigen Motorhaubenkamera geschuldet ist) kann man sich an keine der Rennstrecken bis zum Ende des Spiels wirklich gewöhnen. Einzig auf dem Yas Marina GP-Circuit oder dem Red Bull Ring gelang mir das, aber auch nur, weil ich die erste Strecke noch aus F1 2011 kannte und die Kurven und Bremspunkte wenig bis gar nicht verändert wurden. Die ganzen Stadtkurse? Kannste abhaken!
Fazit:
GRiD 2 war als Rennspiel eine herbe Enttäuschung. Wenn sich bei mir nicht "Freude beim Fahren" sondern ununterbrochener Frust ob ungewöhnlicher Gesetzmäßigkeiten in der Physik oder überbordender Gegner-KI anbahnen, dann drückt das bei mir auf die Gesamtpunktzahl.
Der Multiplayermodus, welchen ich bei meiner Besprechung bisher außen vor gelassen habe, ist auch sonst kaum der Rede wert. Hier siegt letztlich das am besten getunte Auto und die Erfahrung. Ohne Tuningteile braucht man in der öffentlichen Rennwelt gar nicht erst an den Start gehen und vor allem in den unteren Levels, wenn man noch kein Geld und keine vernünftigen Fahrzeuge freigeschaltet hat, gelingt der Aufstieg in den Stufen nur sehr mühsam und langwierig.
Ich bin derzeit noch auf Stufe 5 und werde mit ein paar Rennen hoffentlich das zehnte Level erreichen, aber dann wandert GRiD 2 in die "Lade des Vergessens". Auch wenn ich mich natürlich artig über das Geschenk beim Gewinnspiel gefreut habe, so bin ich im Nachhinein doch sehr froh, kein Geld dafür ausgegeben zu haben, denn dann hätte ich mich sehr geärgert.
Da die wenigen Pluspunkte eigentlich nur auf Grafik, Sound und Fahrzeugauswahl vergeben werden können, würde ich Freunden von Arcaderacern ganz dringend von GRiD 2 abraten. Das Spiel ist die ganzen grauen Haare und die eingebissenen Lippen nicht wert. Spielt lieber das wesentlich bessere Need For Speed Shift 2 Unleashed.
Wertung: 2,5 von 5 Sternen (5/10)