Interessante Kommentare.
Mit meinem Kaufverhalten habe ich nicht das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden. Ich kaufe ja vornehmlich exklusiv Spiele. Die sind in der Regel in sich abgeschlossen und erscheinen in einem fertigen Zustand. Manchmal erscheinen nach dem Launch sogar noch kostenlose Mini Erweiterungen.
Die Melkversuche der großen Third Party Publisher unterstütze ich kaum noch.
Wie Du schon sagst, hängt das halt stark vom eigenen Spielegeschmack ab. Ich bin da einfach mal ganz direkt: Vieles von dem, was Du so spielst, wäre mir keine 10 bis 20 Euro wert. Und so manches davon würde ich mir nicht mal kostenlos anschauen. Und genauso wird es Dir wahrscheinlich mit den Dingen gehen, die ich spiele bzw. für die ich den Vollpreis bezahle.
Ich kann zwar mit den meisten modernen Sony-Exklusivspielen nichts anfangen, aber ich liebe die Ratchet & Clank-Reihe. Aber so sehr ich diese Spiele auch liebe, mehr als 40€ wäre mir ein neues R&C nicht mehr wert. Dafür steckt da einfach zu wenig drin.
Andererseits hab ich wiederum kein Problem damit, weit mehr als hundert Euro für ein Sims 4 plus Addons, wenn ich mich damit für hunderte von Stunden kreativ im Baumodus austoben kann. Auch würde ich durchaus hundert Euro für ein Rennspiel mit vielen Strecken und Fahrzeugen auf den Tisch legen, selbst wenn das Spiel nur absolut durchschnittlich aussieht.
Darüber würdest Du vermutlich auch nur die Kopf schütteln. Aber den Mehrwert in Spielen, der höhere Anschaffungspreise rechtfertigt, definiert halt jeder für sich selbst.
Vermutlich verpasse ich dadurch das ein oder andere gute Spiel aber ich habe echt keinen Bock mehr auf teure unvollständige Sammlereditionen, Season Pass 1, Season Pass 2, extra DLCs und riesige Patches weil das Spiel eigentlich noch etwas feinschliff benötigt.
DLCs und Season Pässe sind überhaupt nicht das Problem. Naja, Season Pässe, bei denen nicht von Anfang an klar kommuniziert wird, was drin ist, schon. Aber DLCs an sich sind nicht grundsätzlich böse. Das Konzept, dass Spiele Post-Launch mit Bezahl-Inhalten erweitert werden, gibt es es seit den 90ern. Aufbauspiele, Strategiespiele, CRPGs... Die haben damals schon Erweiterungen bekommen. Und das ist grundsätzlich sogar eher etwas Positives. Shivering Isles (Oblivon), Thron des Bhaal (Baldur's Gate II), Die Nacht des Raben (Gothic 2) usw. waren fantastische Ergänzungen zu den Hauptspielen, die jeden Cent und Pfennig wert waren.
Und solche Erweiterungen gibt es auch immer noch. Das Problem ist eher, dass das DLC-Modell von diversen Publishern verstärkt missbraucht wird, um immer weniger zu immer höheren Preisen anzubieten. Ich nehme da einfach mal Rennspiele als Beispiel, weil man die schön in Zahlen runterbrechen kann:
- Grid (2019) hat insgesamt 3 Erweiterungen zu 11,49€. Diese bieten insgesamt 100 neue Karriereevents und 12 neue Autos. Ride 4 wiederum wird mit dem Season Pass für ca. 30 bis 40 (einzeln kann man den noch nicht kaufen, aber die Special Edition kostet 30 Euro mehr) 150 neue Events, 65 neue Bikes und 2 neue Strecken anbieten.
- Für Assetto Corsa gibt es (bisher nur für den PC, später auf den Konsolen) ein GT4-Pack mit 11 neuen Autos für 20 Euro. Für MX vs. ATV All-Out wiederum gibt es für den gleichen Preis wiederum ein Pack mit 13 neuen (und wirklich aufwändig gestalteten) Rennstrecken.
Und hier kann man ganz genau sehen, was ich damit meine, DLC nicht grundsätzlich etwas schlechtes ist. Bei Ride 4 und MX vs. ATV bekomme ich für vergleichsweise wenig Geld tonnenweise neue Inhalte, die mich locker 30, 40, 50 Stunden lang unterhalten werden. Während ich im Falle von Grid froh sein kann, wenn ich da 20 Stunden rausquetschen kann.
Zusätzliche Inhalte können ein Spiel enorm erweitern und verbessern. Aber es kommt halt immer drauf an, wie diese Erweiterungen gestaltet sind und was die kosten. Und kommen zusätzlich zu den normalen DLCs auch nach Battle Pässe und weitere MTX dazu, dann wird es halt richtig kritisch.
Naja, ganz ehrlich, sich jetzt über steigende Preise aufzuregen, kann ich nur schmunzeln. Wir reden immer noch von einem Luxusgut und wie lange waren die Preise stabil bzw. wie oft musste man überhaupt die 69,99 € die ja theoretisch die Spielepreise bei One/PS4 wären wirklich zahlen?
Das kommt drauf an, welche Region Du jetzt betrachten willst. Bei uns sind die Spielepreise ca. 7 Jahre lang stabil gewesen. In den USA wiederum knapp 15 Jahre, weil die unsere Preiserhöhnung am Anfang dieser Generation nicht bekommen haben.
Und genau das war ja einer meiner wichtigsten Punkte. Während es in den USA nur eine Preiserhöhung gab, wird uns schon die zweite aufgedrückt, was dazu führt, dass 70 Dollar-Spiele (Nettopreis) bei uns demnächst umgerechnet 95 Dollar (Brutto) kosten. Und das lässt sich nicht einfach nur mit Brutto/Netto begründen, zumal in die Spielepreise in der PS360-Generation nahezu 1:1 umgerechnet wurden: 60 Dollar (Netto) vs. 60 Euro (Brutto).
Wir können das Spielchen sogar noch weitertreiben. Wir haben aktuell eine Mehrwertsteuersenkung. Und im Gegensatz zu vielen anderen Produkten wird von dieser von der Spielebranche nicht ein einziger Cent an den Kunden weitergegeben. Im Falle der Konsolen und physischen Spiele liegt das an Zwischenhändlern wie Amazon oder Media Markt. Aber im Falle der Download-Stores werden die Preise durch die Spielebranche selbst bestimmt. Und dort enden alle Preise weiterhin fröhlich auf x,99€, obwohl da durch die MwSt.-Senkung eigentlich vollkommen krumme Preise bei rauskommen müssten.
Man kann jetzt natürlich auch mit Inflation argumentieren. Aber das Argument zieht halt auch nur bedingt, weil wir schon in der Last Gen und spätestens in der Current Gen effektive Preiserhöhungen hatten, weil Kostenreduktionen nicht an den Kunden weitergegeben wurden. Nämlich zum Beispiel die stückweise Abschaffung von Handbüchern in den Spielepackung oder die identische Bepreisung von Downloadspielen, für die weniger Kosten für Versand, Lagerung und Margen von Zwischenhändlern anfallen.
Und die Argumentation, dass Spiele einfach teurer werden müssen, weil die Produktionskosten immer weiter steigen, lässt halt auch vollkommen außer Acht, dass ein Großteil der Großteil der Kosten in der Spieleproduktion Fixkosten sind, die vollkommen unabhängig davon entstehen, ob von einen Spiel 10 oder 10 Mio. Exemplare verkauft werden. Gigantische Flops gibt es immer wieder mal, aber die Verkaufszahlen und die Erfolgsmeldungen der Publisher zeigen halt immer wieder, dass von großen Spielen heutzutage weitaus mehr Exemplare verkauft werden als früher. Und somit verteilen sich diese gestiegenen Produktionskosten auch auf immer mehr verkaufte Exemplare, ansonsten könnten diese Unternehmen auch nicht immer wieder aufs Neue Rekordgewinne verkünden.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich durchaus Verständnis dafür habe, wenn die Preise für Indiespiele und Nischenspiele steigen, weil die einfach keine so große Zielgruppe bedienen. Aber die meisten der wirklich teuren Produktionen bedienen mittlerweile einen so großen Markt, dass die höheren Verkaufszahlen durchaus ein guten Teil der gestiegenen Kosten auffangen.
Das heißt nicht, dass Preiserhöhungen nicht am Ende doch gerechtfertigt sein
könnten.
Aber das muss mir als Kunden gegenüber auch vernüftig rübergebracht werden. Sind die Preiserhöhungen wirlich notwendig, damit die Mitarbeiter auch angemessen bezahlt werden und sie vernüftigte Arbeitsbedingungen haben? Das bin ich gerne bereit mitzutragen, aber dann möchte ich auch nicht Monat für Monat neue Schreckensmeldungen aus der Triple-A-Spieleindustrie zu lesen bekommen, die dann auch noch damit garniert werden, das CEO X, Y und Z wieder mit zig Millionen Gehalt nach Hause gehen.
Wenn ich jedoch lesen muss, dass erneut Mitarbeiter bis an ihre Grenzen zercruncht werden (
Naughty Dog,
Rockstar), sich Mitarbeiter in einigen Bereichen wie der Qualiätssicherung nicht mal das Essen in der Katine leisten können (
Activision Blizzard) oder andere Unternehmen (
Ubisoft,
Rocksteady) ein System dulden, in dem psychischer, körperlicher und sexueller Mißbrauch durch Führungskräfte praktisch an der Tagesordnung sind, dann bleibt für mich nur der Eindruck, dass wir als Kunden, die die Preiserhöhungen einfach so hinnehmen sollen, nur ein weiterer Baustein im System Triple-A-Spieleindustrie sind, das bis tief ins Innerste komplett verrottet ist. Und bevor die Frage aufkommt: Ja, von diesen aufgeführten Unternehmen kaufe ich derzeit keine Spiele mehr, nachdem die verlinkten Artikel erschienen sind.
Wie oft wird ehh in Sales gekauft?
Ich kaufe vorwiegend in Sales, weil ich Spiele zu dem Preis kaufe, der mir jeweils angemessen erscheint. Das kann mal der Vollpreis sein, mal sind es nur 10 oder 20 Euro. Zum Vollpreis sind es tendenziell eher Indie- und AA-Produktionen und einige wenige größere Produktionen, während ich viele der Triple-A-Mainstream-Fast-Food-Spiele
Ich hab da auch kein schlechtes Gewissen bei. Die Sales sind bei den meisten Produktionen von vorneherein eingerechnet. Und als ehemaliger PC-Spieler bin ich es schon seit den frühen 90ern gewohnt, dass selbst Neuware ziemlich schnell günstiger wird. Und da die PC-Spielebranche auch heute immer noch existiert, scheint das System ja durchaus zu funktionieren.
Nichtdestotrotz schlagen die Preiserhöhungen auf einen auch nieder, wenn man nur im Sale kauft. 50% Rabatt bedeuten halt künftig 40 Euro statt 35 Euro. Von daher zieht das "Viele Leute kaufen im Sale und bekommen die Preiserhöhungen gar nicht wirlich mit"-Argument auch nur bedingt.
Wie oft wird ehh in Sales gekauft? Oder wie oft habe ich selbst in diesem Forum schon gelesen, das man Spiele über einen Keyseller mit Auslandskeys oder im MS Store im Ausland kauft weil's so einiges billiger ist.(man versaut zwar den Leuten in dem Land ggf. die Preise, aber hey, was interessiert einen das Leid anderer...).
Naja, ich bin derjenigen, der sich hier am lautesten über die Preise aufregt, und ich bin da voll auf Deiner Linie. Ich bin ebenfalls kein Freund davon, den Leuten in wirtschaftlich schwächeren Regionen die Preise kaputtzumachen, indem ich dort günstig shoppen gehe. Mal ganz abgesehen davon, dass das auch nur schwer möglich ist, wenn man weder Kreditkarte noch PayPayl nutzt.
Wenn ein Spiel hierzulande nicht den Preispunkt erreicht, den ich mir wünsche, beisse ich entweder in den sauren Apfel und zahle halt doch etwas mehr, wenn ich es unbedingt haben will, oder ich lasse es einfach.
Zudem regelt sich der Markt schon selbst, wenn's nicht genug kaufen zu diesen Preisen, dann werden die Preise schon fallen und die ganzen netten Extrakosten mit Dlcs, Seasonpass und Co., wenn's keiner kaufen würde, würde es das auch nicht geben. Von daher, wir bekommen, was wir zahlen.
Hmm, ich weiß nicht. Wenn wir hier über sowas wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Rasierer reden würden, dann würde ich durchaus zustimmen. Aber Spiele sind da (ähnlich wie andere Entertainmentprodukte) noch ein bisschen anders. Natürlich bekommen wir, was wir bezahlen, aber in Entertainmentprodukten steckt halt auch eine enorme Menge Emotionalität drin, die dazu führt, dass die Spieleindustrie hier an einem längeren Hebel sitzt als in anderen Branchen.
Durch Marketing, Spieltests, Influencer, Gruppendruck usw. ist die Spieleindustrie weitaus besser darin, FOMO-Effekte zu schaffen, die es selbst den rationalsten Menschen deutlich schwerer machen, den Verlockungen zu widerstehen und einfach dazu gehören zu wollen.
Ich hab ja in den letzten Jahren immer mehr und glücklicherweise auch immer erfolgreicher versucht, rationaler an das ganze Hobby ranzugehen und nicht mehr so häufig dem Hype zu verfallen. Aber das ist halt gar nicht so einfach, wenn man gerne Spielepodcasts hört, gerne mal mit anderen zusammen spielt oder auch gerne über das Hobby diskutiert und deshalb in einem Spieleforum angemeldet ist. Die Spieleindustrie und die "Es zählt nur das neueste Produkt"-Spielemedien/Influencer als verlängerter Arm der Spieleindustrie sind schon ziemlich effektiv darin, die Kunden zu ihren Gunsten zu manipulieren.