Optisch ist es stellenweise schön umgesetzt. Core-Gameplay passt soweit auch, sieht man mal davon ab, dass es streng genommen kaum neue Fähigkeiten gibt, denn alle erlernten Psi-Fähigkeiten sind am Ende Remixe der Fähigkeiten, die man seit dem ersten Prime in- und auswendig kennt. Immerhin, die Psi-Spielereien sind cool, genau genommen sogar die besten Rätsel im Spiel.
Vielleicht hatten die Entwickler aber gerade einfach nur den kreativen Eisprung, als sie auf die Idee gekommen sind, Feuer- Eis- und Blitz-Beam, neben Spiderball, Powerbomben, Super-Missiles und Graple einzubauen.
Das Lasso fand ich sogar ziemlich cool. Viola steuert sich gut, aber so richtig will sich mir dieses Konzept nicht erschließen. Hat es das Ding wirklich gebraucht?
Leveldesign... jo, passte teilweise, aber mitunter ist da schon ziemlich verschenktes Potential vorhanden. Linear aneinander gereihte Räume, anstatt schön verschachtelte Metroidvania-Welt, getrennt durch eine viel zu große und belanglose Hubwelt. Passenderweise verabschiedet sich im letzten Abschnitt dann auch noch der spielerische Gehalt inkl. Rätseln, um einem Call of Duty Remix zu weichen.
Diese wüsten Baller-Orgien an sich wären dann schon schlimm genug, doch was den Vogel, gerade zunehmend gegen Ende völlig abschießt ist dieses unsägliche Free-Aiming, was mir als Linkshand jeden Spaß geraubt hat.
Wenn es schon einen Lock-On gibt, warum nutzt man den nicht konsequent zu Ende? Besonders beim Endboss wurde diese manuelle Zielerei dermaßen unbequem, dass ich noch während des Fights überlegt habe, Metroid Prime 4 einfach noch abzubrechen. Meine Finger sind jetzt noch völlig traumatisiert, von diesem Müll, der da fabriziert wurde.
Aber ich bin noch nicht fertig, Kinners.
Nehmen wir etwa die Gegner-Vielfalt.
Irgendwelche Griever in verschiedenen Formen, vor allem aber in unendlich vielen Farben. Irgendwelche zu groß geratenen Insekten, meist auch in verschiedenen Farben. Relativ schnell hat man jegliche Gegner und Monster gesehen, danach variieren sie nur noch farblich.
Warum keine Space-Pirates?
Warum sieht man nach dem ersten Abschnitt nie wieder ein namensgebendes Metroid?
Das hätte auch der Geschichte vielleicht bisschen mehr Würze verliehen, denn so richtig wollte auch die Story bei mir nicht zünden. Okay, den Part muss ich nochmal umschreiben - nachdem ich jetzt den Abspann gesehen habe... was für eine unsägliche Grütze. Fremdscham ist das einzig passende Wort dafür!
Sylux? Keine Ahnung was das für ne Flitzpiepe ist, aber das Storyboard muss einmal komplett verunglückt sein. Dass die Rüstung von dem Knaben auch noch hässlich wie die Nacht ist, macht es kaum besser.
Wirklich Feuer und Flamme war ich maximal für die Boss-Kämpfe bis zur grob Mitte des Spiels, die hier wirklich alle sehr gut funktioniert haben.
Jene Bosse gegen Ende fallen dann Free-Aiming sei Dank auch völlig ab, zumal man nebenher sogar noch schnell genug irgendwelche AI-Idioten wiederbeleben darf, was diese ganze Hühnerkacke noch frustrierender macht. Einmal nicht aufgepasst und ein Kampf ist direkt Game Over - ja, das geht sogar bei 100% vollen Energie-Containern.
Was für ein unfassbarer Bockmist.
Man hat ja noch nicht genug damit zu tun, sie wörtlich mit Aimen zu Finger zu traumatisieren, da braucht es unbedingt noch weiteren Multi-Tasking-Schrott.
Doch nicht nur die AI der Begleiter wirkt merkwürdig, zumal die Marine-Truppe mit Mundharmonika und Cowboy-Flair auch die an sich gute Atmosphäre der Spielwelt ins Lächerliche zieht.
Zugegeben, so schlimm wie ursprünglich befürchtet fand ich den "Jarjar-Bings" Mac gar nicht, denn zum Glück ist häufig einfach Ruhe angesagt. Dennoch muss ich die provokante Frage einwerfen: Galaktische Föderation oder Pfadfinder Treffen? Dialoge und Charakterbögen sind effektiv einfach Schrott der übelsten Sorte. Dass die Frau im Kreise der Marines, nicht mittendrin anfängt ihre Nägel zu lackieren, grenzt geradezu an ein Wunder.
Selbst ohne Comedy-Gold gibt es aber zu viele Schwächen. Anstatt den Rätsel- und Entdecker-Spaß bis zum Schluss zu bedienen, werden spätere Level mit Gegner-Wellen und Daueraction gefüllt. Von dem faszinierenden Action-Adventure erster Güte, den das Original damals definierte, ist hier nicht mehr viel zu finden. Das hat Metroid Prime so nicht verdient!
Ich finde, man hätte hier problemlos ein bis zwei weniger gute Dungeons für ein runderes Spielerlebnis opfern können, bzw. das gesamte Hub-Konzept nochmal dringend überdenken dürfen, anstatt den Käse später noch mit Kristall- und Mech-Teile-Suche weiter ausufern zu lassen.
Lange Rede kurzer Sinn.
Im Kern bringt Metroid Prime 4 gute Eigenschaften mit. Level-Architekturen und einzelne Räume besitzen eine wahnsinnig packende Anziehungskraft. Doch echtes "Alone in the Universe" Flair wie früher will da einfach nicht aufkommen, dazu macht Beyond einfach zu viele komische Sachen. Ich glaube dennoch, mit etwas mehr Zeit hätte man problemlos ein besseres Spiel abliefern können. Dazu hätte man aber konsequent ein paar Dinge ausmisten müssen, bzw. eine sinnvollere Verbindung der einzelnen Gebiete und Dungeons erschaffen.