The Conduit
Ich hab mir vor paar Tagen für rund 7€ The Conduit bestellt. Ein wenig gereizt hatte mich das immer schon. Jetzt hab ich es nachgeholt und kann den eher durchwachsenen Reviews nur beipflichten.
Die Grafik ist, dafür, dass es wohl fast alles rausholt, was es technisch aus dem Ding rauszuholen gibt, irgendwie nicht so prickelnd wie erwartet. Liegt’s am krassen Kantenflimmern, am Environment Design? Ich glaub, ich hätt mir mehr „fake“-Lichtspielereien gewünscht. Das macht selbst Red Steel 1. The Conduit gehört wohl zu diesen Spielen, die sehr vom Emulator profitieren. Ich hab hier noch nirgends gestanden und mir gedacht, ok das sieht wirklich hübsch aus, obwohl ich weiß, dass Wii-Spiele gut aussehen können. Gute Grafik-Features einbauen heißt nicht immer, dass es dann am Ende auch wirklich gut aussieht. Technisch ist es sicherlich ein interessantes Studienobjekt.
Die Performance ist allerdings mehr schlecht als recht. Manchmal sacken die FPS weit unter die 30, ohne dass überhaupt irgendetwas Besonderes auf dem Bildschirm los wäre. Und wenn dann was los ist, läuft es im schlimmsten Fall wirklich hart an der Grenze von unspielbar. Gibt auch viele Gefechte, die flüssig laufen. Es ist also nicht so, als ob es ständig wie die Sau ruckelt, aber insgesamt läuft's nicht sonderlich rund.
Bei den Settings ist alles relativ Standard. Selbst für Sewer und U-Bahn ist man sich nicht zu schade. Allerdings gibt es später auch interessantere Settings. Sehr schade fand ich, dass man nicht in eine Alien-Welt kommt. Das hätt ich cool gefunden. Lachen musste ich, als ich in einer Mission durch die zerstörte Stadt streifte. Die erinnerte mich sehr an F.E.A.R. 2 - nur halt in hässlich, äh, technisch respektabler Wii-Grafik.
Eines der Highlights des Spiels sind die Alien-Waffen ... diese (und die Sci-fi-Waffen) sind nämlich richtig cool. Die Alien-Waffen sehen phänomenal aus und sind fantastisch animiert. Zudem haben sie häufig eigene Gameplay-Kniffe: Charge Shots, Energiekugeln, die mehrmals von der Wand abprallen. „Alien-Raketenwerfer“, die dem Pointer folgen wie in Half-Life 2. Manche Charge Shots können dann auch noch geneigt werden (es macht also einen Unterschied, ob ich vertikal abdrücke oder horizontal). Blöd ist dabei nur, dass man die Standard-Menschenpistole nicht seitlich halten kann. Das Feature wird von der grad genannten Waffe genutzt, warum also da nicht für Stylepunkte? Hab auf jeden Fall die Alien-Waffen und die Deatomizer Mk4, eine futuristische Waffe, am liebsten benutzt. Letztere hat einen Charge Shot, der den gleichen Soundeffekt hat wie der Charge Beam aus den Metroid Prime-Spielen. Hätte nicht gedacht, dass der Sound aus ner Sound Library war ...
Die menschlichen Waffen dagegen sind ziemlich lame. Spielen sich nicht besonders und deren Soundeffekte sind sehr öde.
Was ich bei den Waffen generell nicht verstehe, ist die "Progression". Nach nicht mal einer Stunde bekomm ich schon nen Raketenwerfer in die Hand gedrückt? Und ständig gibt es „versteckte“ Räume, wo man ein kleines Minispiel lösen muss, die einen dann mit komplett überstarken Waffen belohnen? Ich hab ja nix gegen gute Belohnungen, aber was ich in diesen Räumen schon in den frühesten Missionen gefunden hab, sah teilweise wie Endgame-Waffen aus, wtf. Ein gewisses Gefühl von Steigerung wäre angemessen gewesen ...
Außerdem gibt es noch mehrere Granatentypen. Ich fand aber, dass das Werfen sich nicht ganz so genau anfühlte wie gewünscht. Ansonsten ist die Steuerung aber tippitoppi und so, wie man es für einen guten Shooter auf der Wii erwartet. Man kann auch sehr viel einstellen. Einzig die Tatsache, dass man nicht "wirklich" nach unten und oben schauen kann (er neigt nur leicht den Kopf) irritiert etwas.
Ich habs auf dem zweithöchsten Schwierigkeitsgrad gespielt und deshalb deutlich öfter ins Gras gebissen als erwartet. Das gefiel mir, obwohl gerade gegen Ende auch einige ziemlich fiese Bullshit-Stellen dabei waren. Die KI ist erwartungsgemäß strunzendämlich, aber so mancher Charge Shot und so manche Granate töten einen sofort. Gegnertypen gibt es genug, würde ich sagen. Ein paar verschiedene Skins für menschliche Gegner, Alien-Soldaten, kleine nervige Pisser-Aliens, explodierende Pisser-Aliens, kleine fliegende Pisser-Aliens, mittelgroße fliegende Pisser-Aliens mit gefährlichen Waffen (die großartige Shrieker!) und große Pisser-Alien-Bossgegner (die allerdings sehr öde zu bekämpfen sind).
Als Gimmick, welches das Dauergeballer ausgleichen soll, hat man sich ASE ausgedacht. Eine komische Kugel, die einen Licht-/Scanstrahl hat. Damit kann man in der Umgebung Sammelgegenstände einsammeln, versteckte Nachrichten finden, Geheimräume (besagtes Minispiel) aufdecken, unfassbar nervige "Ghost-Mines" entschärfen, Terminals hacken und Pickel suchen, um Türen zu öffnen. Das Teil hat durchaus Potential, aber wirklich prickelnd ist das nicht, was man damit alles macht und es zu benutzen dauert häufig einen Ticken zu lang. Das Highlight ist bei dem Teil wohl, dass man damit einen starken "unsichtbaren" Zwischenboss-Gegnertyp sichtbar machen und ihn dann erst erledigen kann.
Die Story an sich ist auf dem Papier glaub ich gar nicht so verkehrt. In bester Verschwörungstheorie-Manier wird hier eine geheime Organisation heraufbeschworen, die alles in Amiland schon seit 250 Jahren im Land lenkt, schützt und so weiter. Wir müssen irgendeinen Gegenstand holen und dann gibt es auch schon die ersten Twists und Dinge passieren. Glaub, das größte Problem dieser vll entfernt ganz netten Alien-Invasion-Verschwörungserzählung ist, wie sie erzählt wird. Hauptsächlich über vertonte Mission Briefings am Anfang jeder Mission. Ingame geht es eher selten voran und wenn, dann häufig so wenig subtil geschrieben, dass ich eher schmunzeln musste.
Das Ende SUCKED, wtf. The Conduit war von Anfang an als Zweiteiler angelegt und endet im Grunde einfach mittendrin! Klar, es gibt noch ein paar „twists“ und einen „reveal“ (während der Credits … als Voice Over aus’m off, wow), aber oof, das war mal nix. Hat mich echt enttäuscht zurückgelassen. Hab während der Credits noch nach Conduit 2 geschaut, aber das kriegt man bei Amazon-Händlern ab absurde 35€ und bei Kleinanzeigen für 20€. So viel will ich dafür nicht ausgeben.
Es ist ein netter, klassischer Shooter, der technisch äußerst ambitioniert gewesen sein mag, auch wenn er das aus Gründen schlechter Art Direction für die Level nicht ganz einlösen kann (Gegnermodelle und Waffenmodelle find ich dagegen alle eigentlich ganz cool). Wenn man so irre ist wie ich und unbedingt einen weiteren Wii-Shooter spielen will, kann man das durchaus mal durchhämmern. Ist auch ziemlich kurz. Schätzungsweise 4-6 Stunden.
Ich hätte gerne den Multiplayer gespielt, aber die Online-Infrastruktur der Nintendo Wii ist ja schon lange abgeschaltet. Hätte mir mit großer Sicherheit ziemlichen Spaß gemacht.
5/10