Ich stelle mir jetzt halt vor was möglich wäre. Wenn es wirklich alle Spiele als Stream gäbe und auch nichts weg gehen würde wie bei Netflix oder Game Pass.
Das Problem ist nur, dass sowohl bei Netflix/Amazon Prime als beim Xbox Game Pass jeden Monat Inhalte aus dem Programm entfernt werden. Die einzigen Inhalte, die davor weitestgehend geschützt sind, sind die Inhalte von Netflix, Amazon und Microsoft selbst.
Ich kann da auch mal ein ganz hübsches Beispiel geben. In Amazon Prime ist ja Prime Music enthalten, das vom Umfang her wesentlich eingeschränkter ist als Music Unlimited. Als der Dienst damals auf den Markt gekommen ist, hab ich mir mal so 50 der Prime-Alben zur Bibliothek hinzugefügt und, tja, als ich vor ein paar Tagen mal meine Bibliothek aufgeräumt hab, um zu sehen, ob ich alle AutoRip-Käufe runtergeladen hatte, musste ich feststellen, dass bis auf 2 Stück sämtliche Alben, die ich nicht gekauft, sondern über Prime hinzugefügt hatte, nicht mehr für mich verfügbar waren, obwohl Amazon sie immer noch im Programm hat. Und das, obwohl Prime zwischendurch nicht ausgelaufen ist. Die gekauften Alben wiederum waren weiterhin alle verfügbar, selbst wenn sie wie in einigen Fällen mittlerweile delisted sind.
Aber gut, Prime ist halt mittlerweile auch so ein Dienst, der anfangs echt wunderbar war, aber im Laufe der Zeit immer schlechter wird, so dass ich hier auch schon überlege, den Stecker zu ziehen.
So ist das halt mit Lizenzen und Verträgen. Die laufen irgendwann aus. GTA IV kann man auf der Xbox oder dem PC nur noch weiterhin kaufen, weil ganze Radiosender aus lizenzrechtlichen Gründen rausgepatcht wurden. Alan Wake konnte man eine ganze Zeit lang nicht kaufen, weil die Musikrecht ausgelaufen waren und neu verhandelt werden musten. Und die Forza-Spiele verschwinden in aller Regelmässigkeit nach 2-4 Jahren vom Marktplatz, weil die Lizenzen für die Autos auslaufen.
Sicher, man die Spiele weiterhin spielen, wenn man den Download oder die Disc gekauft hat. Aber wird das in der Streamingzukunft genauso sein? Müssen dafür nicht eventuell Lizenzverträge abgeschlossen werden, die viel langfristiger angelegt sind und dementsprechend viel teurer ausfallen? Können Streaminganbieter wirklich garantieren, dass meine Käufe dauerhaft verfügbar bleiben?
Das sind Fragen, die sich nicht nur die Industrie und die Plattformbetreiber stellen müssen, sondern auch die Konsumenten.
Hier wird gerade wieder ein typisches Verhalten aus der Gamingwelt an den Tag gelegt.
Da kommt eine neuen Technologie, ein neuer Hersteller, ein neues Genre und schon gehen alle in Abwehrhaltung weil sie Angst haben das ihnen was weggenommen wir. Wer sagt den das PC und Konsolen verschwinden werden wenn Google einen Streaming Plattform auf dem Markt bringt? Es gibt immer noch Konsolen obwohl der Mobile-Markt mehr Kohle macht. Es gibt immer noch DVD/BluRays ob wohl es Netflix und Co. gibt. Statia ist ein neues zusätzliches Angebot und nicht der Vernichter der Welten.
Es geht ja nicht darum, etwas prinzipiell zu verdammen. Die Streamingtechnologie kann sicherlich eine interessante Alternative sein.
Aber um für Konsumenten eine interessante und vor allem gute und faire Alternative zu sein, muss sichergestellt sein, dass daraus nicht eine Kundenentrechtungsmaschinerie wird. Die Streamingtechnologie erfordert, dass man als Kunde ein großes Maß an Kontrolle über Hard- und Software abgibt, da Vieles, das heute noch in den eigenen vier Wänden geschieht, künftig auf irgendwelchen Serverfarmen von Plattformbetreibern und Publishern/Entwicklern kontrolliert wird.
Deswegen ist es unsere Aufgabe als Konsumenten, nicht einfach willenlos jede neue Technologie zu umarmen, sondern sie auch kritisch zu hinterfragen, um unsere Rechte und Ansprüche als Kunden zu wahren.
Wenn das nicht passiert wäre, dann wäre die Xbox One heute eine Konsole, die alle 3 Tage nach Hause telefonieren müsste, damit die Spiele überhaupt starten, und eine, die ein dauerhaft aktives Kinect benötigen würde. Und vermutlich hätten wir auch immer noch iTunes (und ähnliche Dienste), deren Musikdownloads mit DRM und niedrigen Bitraten versehen wären. Aber da die Kunden das nicht mitmachen wollten, ist DRM bei Musikdownloads mittlerweile Geschichte und es gibt zudem diverse Anbieter, die auch FLAC- und WAVE-Files verkaufen.
Spaßige Anekdote am Rande übrigens: Ich hab vor Tagen eine Gebraucht-CD (glücklicheweise nur für 1,90€) gekauft, weil es die Sachen da drauf nirgendwo als Download zu kaufen gibt. Und da ich normalerweise keine Musik von Major-Labels kaufe, hab ich nicht drauf geachtet, dass das eine Warner-CD aus dem Jahr 2000 ist, was nämlich bedeutet, dass die nicht dem Red Book-Standard entspricht und verdammt viele Geräte dementsprechend die Zusammenarbeit verweigern. Glücklicherweise ist zumindest noch ein einziges meiner Geräte überhaupt in der Lage, das Ding abzuspielen. Und dass man solche CDs (oder noch schlimmer die DRM-Malware von Sony, die sich ungefragt auf Rechner installiert hat) nicht mehr serviert bekommt, liegt auch daran, dass die Konsumenten sich dagegen massiv gewehrt haben.
Und von daher halte ich es für wichig, sich nicht nur von dem ganzen Glitzerkram, der zweifelsohne beeindruckend ist, blenden zu lassen, sondern auch genau hinzuschauen und die unangenehmen Fragen zu stellen, bevor es dafür zu spät ist.