Hat eigentlich mal irgendwer was dazu geschrieben? Wie es scheint, gerät da gerade die ganze Branche in Schieflage. Rumorts da irgendwo auf dem Aktienmarkt und die vorherigen Anleger haben andere Branchen für sich entdeckt? Denn anders kann man sich das wohl echt nicht mehr erklären.
Ja, an diversen Stellen auch hier im Forum.
Aber mal ein paar Stichpunkte:
- Geld leihen kostet plötzlich wieder was.
- Der Covid-Boom der Branche ist vorbei bzw. hat sich umgekehrt.
- Die massive Konsolidierung führt zu Redundanzen in bestimmten Bereichen.
- Die Produktionskosten steigen in allen Bereichen, aber vor allem im AAA-Segment steigen sie so langsam ins Unermessliche.
- Gleichzeitig wächst der Konsolenmarkt (vor allem im Segment der High-Performance-Konsolen) in den letzten Generationen nur wenig bis gar nicht, so dass nur Marktanteile verschoben werden, aber kaum neue Käuferschaften gewonnen werden.
- Einige Konsolidierungen wie Embracer waren von Anfang an auf tönernen Füßen gebaut, weil man hoffte, dass Geld langfristig günstig bleibt und Investoren weiter Geld in den Markt pumpen, was jetzt aber bedeutet, dass ihnen das Geld ausgeht, nachdem beides nicht mehr der Fall ist.
- Während des Covid-Booms haben diverse Spieleunternehmen massiv neues Personal eingestellt, weil sie zu kurzfristig gedacht haben, dass der Boom dauerhaft ist und man einfach glaubte, dass man deshalb mehr Produkte im Markt brauchte.
- Die Einstellungs- und Konsolidierungswelle bei einigen Unternehmen hat bei anderen Unternehmen zu einem Herdenverhalten geführt, weil man befürchtete, dass man nicht schnell genug mitwächst und die anderen Unternehmen die besten Mitarbeiter wegschnappen, was zu langfristig zu vielen Aufkäufen und Einstellungen führte.
- Generell, aber auch durch den Verzögerungsstau, den Covid verursacht hat, sind insbesondere im letzten Jahr einfach zu viele Spiele erscheinen, aber auch generell ist der Markt gesättigt.
- Einige wenige Live Service-Spiele ziehen enorm viel Zeit und Geld aus dem Markt, die dann für andere Spiele fehlen, während Live Service in der Entwicklung und im Unterhalt gleichzeitig sehr teuer ist, weshalb viele neue Live Services schon tot auf dem Markt erscheinen, wenn sie nicht genug Interesse wecken, und bei gescheiterten Projekten dann Unmengen an Geld verbrannt wurde.
- Auch Abo-Dienste, die als neue Idee zur Erschließung neuer Zielgruppen wahrgenommen wurden, habe momentan die Phase der Stagnation bzw. des geringen Wachstums erreicht.
- Mit KI hat sich ein neuer Markt aufgetan, der von Investoren als Boom-Markt angesehen wird, so dass Investitionen umgeschaufelt werden.
Letztlich sieht es einfach so aus, dass es der Branche nicht wirklich schlecht geht. Die meisten Unternehmen machen noch (ordentliche) Gewinne.
Aber eben nicht so viele Gewinne und Wachstum, wie es der Aktienmarkt erwartet, weshalb jetzt massiv eingespart wird, um die Gewinn- und Wachtumserwartungen wieder erfüllen zu können, was wiederum auch wieder zu einem Herdenverhalten führt, da alle Unternehmen das Gefühl haben, dass sie schlanker werden müssen.
Viele kleinere und mittlere Unternehmen haben wiederum das Problem, dass sie keine Investoren finden und sich kein Geld leihen könndn, da die Spielebranche momentan als zu großes Risiko empfunden wird bzw. andere Branchen als attraktiver empfunden werden.
Zudem scheint momentan niemand einen Plan zu haben, wie man als Branche außerhalb von Mobile und dem PC noch wachsen kann, weshalb händeringend neue Konzepte gesucht werden, wie man aus dem existierenden Markt mehr Geld extrahieren oder neue Märkte erschließen kann.
Da die existierenden Kunden direkte und indirekte (Mikrotransaktionen) Preiserhöhungen nicht ewig mitmachen und die hohen Preise der Hardware das Erreichen neuer Zielgruppen zudem beschränken, steht man aktuell vor explodierenden Kosten und einer Finanzierungslücke, bei der anscheinend niemandd wirklich weiß, wie man da raus kommen soll, außer die Kosten zu reduzieren. Und die bestehen in Kreativbranchen nunmal hauptsächlich aus Personalkosten.
Das ist jetzt aber nur mal eine recht grobe und vermutlich nicht ansatzweise vollständige Zusammenfassung eines ziemlich komplexen Themas.