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Esoteric Ebb

Esoteric Ebb
Firmen
Raw Fury, Christoffer Bodegård
Genres
Role-playing (RPG), Adventure, Indie

Pepsi Plunge

Pförtner des Altenheims
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Wir sind ja hier unter uns schon etwas älter. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran, wie er einst als vermeintlich Toter in der Leichenhalle von Planescape:Torment aufwachte. Und vielleicht habt ihr auch das nicht ganz so alte Disco Elysium gespielt. Hattet ihr mit diesen Titeln Spaß? Oder mögt ihr einfach Rollenspiele in Form von D&D und andere Würfel-Abenteuer mit Witz und Situationskomik? Dann seid ihr hier genau richtig.

Für alle anderen, wenn ihr nicht gerne lest, bzw. euch viele Texte auf den Keks gehen dann seid ihr hier falsch. Esoteric Ebb, ein im März erschienenes Indy-CRPG aus Schweden, wirft nämlich weniger mit Gegner als mit Worten um sich. Ihr unterhaltet euch dabei vor allem mit euren Statuswerten, die ihr zu Beginn im gewissen Umfang festlegt und im Spiel dann mit Items und Level-Ups steigert. Es wird dabei auch viel Gewürfelt, eigentlich ständig, und die Ergebnisse entscheiden darüber was ihr hört und wie der Dialog verlauft.

Habt ihr euren Charakter erst mal erschaffen, wird das altbekannte Klischee bedient, ihr erinnert euch nämlich an recht wenig. Ein paar Erinnerungen bekommt ihr sofort, andere im Laufe der Zeit, wiederum andere könnt ihr sogar für euch selbst entscheiden. Das Spiel nimmt euch dabei auch nicht direkt an die Hand und weist euch nicht dauernd darauf hin, wo ihr jetzt gerade hinsolltet. Das liegt an euch, ggf. könnt ihr auch Begleiter/NPCs fragen oder in euren Aufzeichnungen nachlesen. Direkt zu Beginn werden jedenfalls zwei Plotpoints klar, um die ihr euch kümmern solltet: Irgendjemand hat den Teeladen in die Luft gejagt und eure Aufgabe ist es herauszufinden wer und wieso. Außerdem stehen in 5 Tagen die Wahlen an, was für die Stadt und zahlreiche Personen in ihr sehr wichtig ist. Dabei gibt es natürlich auch diverse Fraktionen, etc.

Die Zeit läuft übrigens in dem Spiel, ihr habt also nicht ewig Zeit. Es gibt Tag/Nacht-Wechsel und auch die Stadt hat ihren Zeitplan: Manche Geschäfte sind nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, genau wie sich manche Figuren zu gewissen Uhrzeiten an gewissen Stellen einfinden mögen. Und Dinge halt im Zeitrahmen geschehen. Bringt ihr ein kaputtes Buch zum Buchbinder, wird er euch das nicht direkt 5 Minuten später repariert zurück geben. Ich persönlich fühle mich davon jetzt noch nicht gehetzt, aber vielleicht kommt das noch.

Aktuell habe ich etwa 6 Stunden auf der Uhr. In der Zeit habe ich schon viel witziges erlebt, bin aber auch viele Tode gestorben. Das möchte ich betonen, weil man wirklich in allen absurden Situationen sterben kann. Nicht nur im Kampf, sondern teilweise auch in Dialogen: Der Charakter möchte manchmal nicht nur peinlich berührt sterben, er tut es einfach - jedenfalls auch hier wenn die Würfel schlecht fallen. Es gibt auch Rettungswürfe wie im klassischen D&D, also 0 HP ist nicht gleich tot, wenn ihr die Rettungswürfe schafft überlebt ihr und werdet wieder auf 1 HP gesetzt. Aber ja, speichert oft ist hier die Devise (auch wenn die Rücksetzpunkte meistens fair sind. Das höchste was ich bisher verloren habe waren mal knapp 5 Minuten).

Schlechte Würfe sind aber auch nicht immer das Ende. Teilweise ergeben sich aus dem Scheitern sogar neue Möglichkeiten, was manchmal auch ganz witzig ist. Und Wiederspielwert ist wegen den verschiedenen Vorgehen, Entscheidungen und Charakter-Builds sicherlich auch vorhaben und hatte schon ein paar Situationen wo ich mich für oder gegen eine Seite/Fraktion entscheiden musste, was sich sicherlich noch auswirkt. Ich hab mich dabei auch für einen "Männlichen" Stärke-Build entschieden, wodurch die Eigenschaft auch in den Gesprächen dominiert (vielleicht verursacht die Zurückweisung von Frauen bei Flirtversuchen deshalb soviel Schaden. Wer weiß).

Bisher jedenfalls klare Empfehlung von mir.
 
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Pepsi Plunge

Pförtner des Altenheims
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Ich bin jetzt durch mit 15 Stunden auf der Uhr. Da geht sicher mehr, da geht auch weniger, ist auch so ein bisschen die Frage wie man sich auf der verwinkelten Map zurecht findet. Denn was ich vor allem vermisst habe war eine Schnellreisefunktion.

Es gibt tatsächlich eine begrenzte Version, allerdings erst spät im Spiel. Einerseits verstehe ich warum, andererseits sage ich mir halt auch: Mehrfach am gleichen Spieltag muss ich jetzt nicht die gleichen Wege laufen. Das ist dann auch mein größter Kritikpunkt und man sucht vor allem Anfangs oftmals recht lange und fragt sich "wo war das noch mal wo ich hinmuss?" bzw. "Wo muss ich jetzt eigentlich hin?" - auf der anderen Seite hatte ich auch das Gefühl man findet viele Dinge gerade durch Zufall, wo es dann paradoxerweise durchaus hilfreich ist das man nicht von A nach B porten kann und auch mal verläuft, weil man dann vielleicht auch mal auf etwas stolpert das man beim ersten Mal übersehen hat oder wo man eigentlich gar nicht hinwollte und nur deshalb drauf stieß. Auch so Dinge wie "Oh, ich kann ja hier auch einfach mal runterspringen, mal sehen was passiert" bringen einem manchmal voran. Erkunden wird generell belohnt, was eine schöne Sache ist.

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Ich denke ich hab relativ viel gemacht in meinem Run und die Questmap war fast komplett ausgefüllt. Das Spiel nimmt einen dabei auch nicht zu sehr bei der Hand, man muss schon lesen und mit den Leuten reden - leuchtenden Linien oder Marker auf der Karte/Map wo man hinmuss gibt es nicht und wie oben schon gesagt, über manche Sidequest stolpert man mitunter auch nur wenn man sich die Zeit nimmt zu erkunden und sich mit den Leuten ausführlich unterhält.

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Questen wird dann neben XP auch zusätzlich belohnt, denn auf der Questmap schaltet ihr dadurch Traits frei, die euch im Spielverlauf helfen. Das können Boni auf Würfe sein, oder Vorteile im Kampf die bspw. kritische Treffer abmildern oder einmal vor tödlichen Schaden bewahren. Diese Hilfen sind auch willkommen, denn wie oben schon erwähnt, man stirbt halt mitunter auch mal recht schnell - nicht nur im Kampf - vor allem in der ersten Hälfte des Spiels wenn man noch kaum Zauber, Equipment oder eben jene Fähigkeiten hat.

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Da ich das Thema Kampf erwähnte: Es ist kein Action-RPG, man kämpft tatsächlich nur selten und dann auch recht taktisch. Oftmals kann man den vermeintlichen Feind auch verbal überzeugen oder verzaubern oder die Konfrontation auch vermeiden. Kämpfen heißt hier nicht geklicke, sondern Skill-Checks und die Verwendung bestimmter Zauber, die man lernen und vorbereiten kann.

Wiederspielwert: Zunächst einmal, es ist im Grunde ein Whodunit und eine Geschichte wer wie etwas warum getan hat, ist beim zweiten Mal natürlich nicht mehr gaaaanz so interessant wenn man das alles schon weiß. Ich sehe es hier aber dennoch zum Teil gegeben, denn man ist relativ frei in seinem Vorgehen und in der Charakterentwicklung, von daher sehe ich da schon andere Ausgänge und das unterschiedliche Skillung vor allem in der ersten Hälfte eine Rolle spielt. Vielleicht findet man beim zweiten Durchgang auch Dinge, die man im ersten nicht gesehen hat. Es ist aber auch so dass man viele Dinge einfach in jedem Durchgang machen muss und es in der zweiten Hälfte auch keine große Rolle mehr spielt welches Build man ursprünglich angetan war, da man durch die Zauber, Ausrüstung, Boni etc. generell alle Bereiche meistern kann und beim Proben kaum noch versagt. Hatte ich in meinem ersten Posting und hier oben noch geschrieben, dass man relativ leicht und oft stirbt, ist das gen Ende hin eigentlich nicht mehr der Fall und fühlte mich ab einem gewissen Punkt eigentlich fast unsterblich.

Abschließend: Ich mochte die Welt und die Lore, die ist ziemlich interessant und erzählt eine breite Geschichte, weit über das eigentliche Spiel hinaus. Bei den Charakter ist auch alles mögliche dabei und man verfällt sehr selten in Klischees. Der Humor ist manchmal hit or miss, ich hab jetzt nicht alles gefeiert aber habe auch öfters herzlich gelacht. Es ist generell ein eher 'leichteres' Abenteuer, auch wenn Themen wie Genozid, Rassenhass, etc. im Hintergrund der Geschichte durchaus mal Thema sind, aber es ist jetzt kein Dark Fantasy wo alles düster ist und nur Verzweiflung herrscht. Ich würde es schon eher als Gute-Laune-RPG empfinden.

Die Empfehlung steht immer noch. Ich hatte viel Spaß mit meinem Cleric und dieser skurrilen Welt. Wer aber keine Lust auf viele Texte und Erkunden hat, für den ist es eher nichts.
 
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