Ehrlich, wer ein Problem hat, massenweise No-Name-Faces abzuschlachten, ohne sich weiter Gedanken über sie und ihre Familien zu machen, der sollte um die letzten Assassin's Creed-Teile mal einen weiten Bogen machen. Es ist halt zentrales Gameplay und wird auch hier wieder voll zelebriert. Nicht umsonst haben "Valhalla" und "Shadows" eine USK18-Freigabe als einzige Teile der Reihe. Das zeigt sich eben auch.
Hm, interessant, dass Odyssey tatsächlich eine 16er-Freigabe (aber PEGI 18) hat.
Nur mal zur Konkretisierung, weil ich das Thema mit dem wahnsinnigen Massenmord hier angestoßen hatte: In einem AC Vahalla bist du der feindliche Eroberer in einer neuen Welt, der sich sein Land mit Gewalt nimmt. Nebenbei spielt das Game im achten Jahrhundert, da ging's noch etwas ungesitteter zu in Europa - wie übrigens eindrücklich an der Blutadler-Szene zu beobachten, wobei mich nicht wundern würde, wenn allein deswegen die USK eine rote Raute draufgemacht hätte.
Jedenfalls: Da gibt's ziemlich klare Feindbilder und die ständige Massenkeile passt halt gut ins (verkitschte) Bild des Settings und Szenarios.
In Ghost of Tsushima übrigens das Gleiche in Grün: Du, Jin Sakai, letzter Samurai auf der Insel, musst dich gegen die feindliche Besatzungsmacht der Mongolen zur Wehr setzen.
Da ist halt ziemlich klar geregelt, wer gut und wer böse ist.
Hier in Shadows hingegen ... das spielt in einer Epoche des Landes, die zwar politisch halbwegs zerrüttet ist - weil das zum einen halt so war zu der Zeit und zum anderen wegen Nobunagas Feldzügen -, aber wo sowas wie eine stabile Zivilisation besteht. Da gibt's halt die verschiedenen Clans in den verschiedenen Provinzen, die alle so ein bisschen minimal-territorialen Anspruch erheben und ihre Macht auf ihren zehn Hektar Fürstentum ausüben.
Da seh ich das halt nicht, dass mir irgendjemand was Böses will, im Gegenteil: Bei Annäherung an eine Sperrzone gibt's ja die nette kleine Interaktion mit der Wache am Tor, die einen noch warnt. Und wenn ich dann eingedrungen bin und mich mit fünfzehn Leuten gleichzeitig schlage und jemanden über den Jordan befördere, ruft jemand anders "DU MÖRDER!".
Wenn man das mal aus Sicht so eines Bediensteten eines Daikans oder ähnlichem betrachtet: Ich stehe da so, hab den Dienst vor zwei Stunden angetreten, vorher Frühstück mit der Frau und den Kindern. Ich geh meinem alltäglichen Kram nach, das Leben ist nicht sonderlich spannend, aber ich verdiene ein paar Mon und komme über die Runden.
Und da kommt plötzlich ein fast zwei Meter großer, bis an die Zähne bewaffneter Muskelhaufen durchs massive Holztor gebrochen und geht schreiend auf mich los. Ich weiß gar nicht wie mir geschieht. Noch bevor ich reagieren kann, hat der große Krieger

gedrückt und mich per brutalem Attentat geköpft. Meine letzten Gedanken gelten meiner Familie, die nun ohne mich zurechtkommen muss, bevor das Leben aus mir weicht ...
Bei Banditen oder "Shinobis", die einem auf den Reisen durchs Land auflauern, sieht die Sache anders aus, Banditen sind grundsätzlich BÖSE und haben kein Anrecht auf Existenz. Sie müssen ausgerottet werden!
Dass ich manchmal, also wirklich nur manchmal so aufs Spiel blicke, liegt einerseits vielleicht daran, dass ich älter werde. Zum anderen ist das Spiel wirklich, wirklich gut darin, einem das Leben eines (mehr oder weniger) einfachen Menschen im Japan des 16. Jahrhunderts zu vermitteln - und bei dem hohen Grad an Authentizität fällt das "uncanny Valley" (was ein hier falsch verwendeter Begriff ist, der trotzdem hoffentlich Sinn ergibt im Kontext) halt umso breiter aus.